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Nachhaltigkeit: Warum Thunfisch für uns Deutsche eigentlich tabu ist

Sie essen gerne Fisch? Aber wissen Sie auch, woher Ihr Fisch kommt? Fisch-Experte Bart van Olphen erklärt, warum Deutsche eigentlich keinen Thunfisch essen dürften.

Thunfisch

Warum Deutsche frischen Thunfisch eigentlich meiden sollten

Getty Images

In einer idealen Welt gibt es keine überfischten Ozeane. Der Niederländer Bart van Olphen lebt in dieser Welt und weiß, wie man Fisch nachhaltig konsumieren und auch fangen kann. Für dieses Wissen aber musste er erst sehen, was in der Fischerei alles falsch läuft. Den großen Industrienationen ist es herzlich egal, wie viel Fisch aus den Meeren gezogen wird und wie viel Beifang verloren geht. Es geht um die Menge, und natürlich ums Geld. Fakt ist aber, dass unsere Ozeane überfischt sind und viele Bestände dramatisch zurückgegangen sind.

In Bart van Olphens neuem Buch "Frisch gefischt", auf Englisch "Bart's Fish Tales", also Barts Fischmärchen, erzählt der Niederländer von einer idealen Welt. Und stellt die Fischer vor, die noch nachhaltig fischen. Van Olphen möchte als Vermittler zwischen Verbraucher und Fischer fungieren und erklären, warum manche Produkte teurer sind als beispielsweise Fisch aus Aquakultur – und ein Bewusstsein dafür schaffen, welchen Fisch wir eigentlich (noch) essen dürfen.

Thunfisch gibt es nicht in unseren Gefilden

Mehr zum Thema nachhaltigen Fischfang in : "Frisch gefischt" von Bart van Olphen. Christian Verlag. 400 Seiten. 39,99 Euro.

Mehr zum Thema nachhaltigen Fischfang in : "Frisch gefischt" von Bart van Olphen. Christian Verlag. 400 Seiten. 39,99 Euro.

"Eigentlich sollten wir nur Fisch essen, den es in unserer Umgebung gibt", rät Van Olphen im Gespräch mit dem stern. Für Deutsche sollten Thunfisch und Garnelen eigentlich tabu sein, weil sie nicht in unseren Gewässern schwimmen. Kann der Verbraucher partout nicht auf Fisch aus Übersee verzichten, empfiehlt Olphen auf Dosenfisch zurückgreifen: "Wir haben Methoden, Fisch zu konservieren. Beispielsweise, indem wir das Produkt einfrieren. Oder aber – was mir am besten gefällt – Fisch in Konservendosen."

Es geht vor allem um die Balance, sowohl beim Fischfangen als auch beim Essen. Van Olphen selbst macht Kompromisse, wenn's um Wildlachs oder Thunfisch gibt. Niemals würde er aber Blauflossenthun, Aal oder Rochen essen. Das sind die Spezies, die auf der ganzen Welt gefährdet sind. Bei allen anderen Fischen und Meeresfrüchten kommt es darauf an, wie und vor allem wo sie gefangen werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Schwertfisch: Es gibt zwei Fischereien an der Südküste der USA, die den Fisch mit Harpunen einzeln fangen. Eine nachhaltige Methode. Im Mittelmeer hingegen ist Schwertfisch durch die Schleppnetzfischerei gefährdet. 

 +++ Warum wir alle mehr Fisch in Konservendosen kaufen sollten, erklärt Fisch-Experte Bart van Olphen hier +++

Der Niederländer Bart van Olphen liebt Fisch und Meeresfrüchte – und kämpft deshalb dafür, dass die Bestände nicht aussterben

Der Niederländer Bart van Olphen liebt Fisch und Meeresfrüchte – und kämpft deshalb dafür, dass die Bestände nicht aussterben

Zur Saison schmeckt Fisch am besten

Mit den Geschichten der einheimischen Fischer will der Niederländer dem Verbraucher zeigen, woher guter Fisch kommt. Nachhaltigkeit bedeutet für ihn, Fisch dann zu fangen, wenn er verfügbar ist und ihn frisch vor Ort zu essen. "Zur Saison schmeckt Fisch einfach am besten", sagt der Niederländer.

Van Olphen ist eigentlich Spitzenkoch, hat Ende der 90erJahre als Küchenchef in Drei-Sterne-Restaurants in Paris gearbeitet. Aber irgendwann hatte er die Arbeit satt. Zu filigran, zu steif war ihm die Küche des Fine Dinings. Also tauschte er die Schürze in der Haute Cuisine gegen seine Passion: Fisch. Seit 2007 reist er durch die Länder dieser Welt und besucht Fischer. Zudem hat er mit seinen 15-Sekunden-Kochvideos auf Instagram viele Fans gewonnen und sogar Jamie Olivers Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Seitdem ist er Teil von Jamie Olivers Foodtube-Netzwerk.

Wer Fisch im Supermarkt kauft, sollte zumindest auf Siegel achten wie das Logo mit dem kleinen blauen Fisch von der Marine Stewardship Council (MSC). MSC-zertifizierte Fischereien dürfen nur so viel Fisch fangen, dass der Fischbestand nicht beeinträchtigt wird. Zudem müssen sie umweltverträgliche Fangmethoden einsetzen. Die ASC- Zertifizierung gilt für Speisefisch aus Aquakulturen, die eine verantwortungsvolle Haltung der Fische in der Aufzucht gewährleisten. ASC steht für Aquaculture Stewardship Council. 

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