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Restaurants öffnen wieder Wenn man monatelang selbst kocht, vergisst man ganz, wie gut Essen schmecken kann

Frau schaut enttäuscht in den Koch
Im Lockdown musste jeder zum Koch werden
© zoff-photo / Getty Images
Restaurants geschlossen, Kantine zu: Im Lockdown musste unser Autor selbst zum Koch werden. Und war deshalb umso begeisterter, als er mal wieder auswärts Essen durfte.

Eigentlich war es nur ein ganz normales Falafel. An einem Imbissstand auf einem belebten Platz. Aber meine Güte, wie der schmeckte! Minutenlang schwärmte ich meinen beiden Freunden, mit denen ich an diesem Abend an einem Holztisch vor dem Lokal saß, davon vor. Und sie wussten genau, was ich meinte.

Ein ganz normaler Falafel also – und doch ein gewaltiges Abenteuer. Monatelang hatten die Restaurants und Imbisse geschlossen gehabt, es gab höchstens mal was "zum Mitnehmen, bitte". Der Corona-Lockdown sorgte dafür, dass jeder – wollte er nicht Unsummen für Lieferessen ausgeben – wohl oder übel zum Koch werden musste. Ich will nicht sagen, dass es in meinem Fall übel war. Aber als ich nach monatelanger Selbstversorgung mal wieder ein von Profis zubereitetes Gericht in den Mund bekam, wurde mir schlagartig klar, wie gut Essen schmecken kann. Das hatte ich fast vergessen.

Im Lockdown selbst kochen? Ja, aber ...

Das letzte Gericht, das ich vor dem Lockdown irgendwann im Spätherbst in einem Restaurant gegessen hatte, war – ich erinnere mich noch genau – eine Ramen-Suppe gewesen, die ich nicht gut vertragen hatte. Es folgten Monate mit einem ausreichenden, aber kaum abwechslungsreichen und qualitativ nicht besonders hochwertigem Speiseplan. Immerhin: Ich probierte ein paar neue, kleine Gerichte aus, dank meinem neuen Pürierstab entwickelte sich sogar so etwas wie Freude an selbstgemachten Suppen und Shakes. Manches schmeckte sogar ganz okay, anderes – naja.

Aber Essen in einem Restaurant? Ganz anderes Level – auch wenn man sonst gar nicht der typische Feinschmecker ist. Da muss kein Fernseh- oder Sternekoch am Herd gestanden haben, es braucht kein hochklassiges Ambiente. Mittlerweile ist jedes Stückchen Außengastronomie, wie man heute sagt, etwas ganz Besonderes.

Menschen machen Essen besonders

Und doch war es ja nur ein ganz normales Falafel. Was also hat mich an diesem Stück Fast Food so begeistert? Bei näherer Überlegung hatte es möglicherweise gar nicht so viel mit dem Essen zu tun. Eher mit dem Drumherum: damit, wieder mit den besten Freunden halbwegs unbeschwert zusammenzusitzen. Mit warmen Temperaturen am späten Abend. Der lebhaften Atmosphäre auf den Straßen.

Erst das ist es doch, was kulinarische Erlebnisse wirklich wertvoll macht, ob im Sterne-Restaurant oder an der Döner-Bude. Das haben wir wirklich vermisst – noch mehr als gutes Essen. 


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