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Die Zuckerfallen in unserem Essen: Wie viel Zucker ist eigentlich noch gesund?

Die WHO warnt schon seit langem: Wir essen viel zu viel Zucker. Die "WISO-Konsumagenten" gehen den Zuckerfallen in unserem Essen auf die Spur. Wie viel Zucker ist gut für uns? Und was sind Alternativen?

Zucker

Sechs Teelöffel Zucker empfiehlt die WHO als maximale Tagesdosis. Ist das eigentlich realistisch?

Die Weltgesundheitsorganisaton (WHO) empfiehlt höchstens sechs Teelöffel Zucker – also 25 Gramm pro Tag. Das entspricht etwa fünf Prozent des Kalorienbedarfs. Das ist drastisch und geht sogar noch einen Schritt weiter als bei der letzten Empfehlung der WHO. Da hieß es noch, wer das Risiko einer ungesunden Gewichtszunahme und Karies reduzieren möchte, sollte höchstens zehn Prozent seiner täglichen Kalorien in Form von Zucker aufnehmen.

Wer jetzt denkt, er muss nur den Zucker im Kaffee weglassen, der irrt. Denn vor allem der versteckte zugesetzte Zucker in Speisen und Getränken ist kritisch. Außerdem auch Zucker, der natürlicherweise in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthalten ist. Zucker, der in Obst, Gemüse und Milch steckt, soll übrigens nicht schädlich sein. Zumindest haben Forscher bislang keine negativen Folgen nachweisen können. Aber es geht eben um den versteckten Zucker, der sich in verarbeiteten Lebensmitteln befindet.

Cola deckt den Tagesbedarf an Zucker für den ganzen Tag

Ketchup ist so ein Beispiel: In einem Esslöffel der Tomatensauce steckt etwa ein Teelöffel Zucker. Das ist bereits ein Sechstel der empfohlenen Tagesration. Limonade ist noch schlimmer: Ein Glas Cola à 250 Milliliter enthält bereits 27 Gramm Zucker und demnach mehr als man am Tag überhaupt konsumieren sollte.

Die "WISO-Konsumagenten" Anastasia Zampounidis und Wolfgang Trepper haben sich in der gestrigen Sendung im ZDF den Zuckerfallen etwas näher gewidmet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Männern mittleren Alters wie Wolfgang Trepper einen täglichen Kalorienbedarf von 2500 Kilokalorien pro Tag, laut WHO soll dieser Bedarf möglichst mit nicht mehr als fünf Prozent Zucker gedeckt werden. Das würde 125 Kilokalorien für Wolfgang Trepper bedeuten, also 31 Gramm. Treppers alltäglicher Konsum übersteigt diese Empfehlung aber fast um das Sechsfache. Sein Zuckerkonsum liegt bei knapp 170 Gramm pro Tag. Die Empfehlung der WHO ist bereits nach dem Frühstück überschritten.

Zucker ist nicht gleich Zucker

Die Empfehlung der WHO ist mit verarbeiteten Lebensmitteln eigentlich kaum einzuhalten. Auf den Produkten steht außerdem nicht immer klar drauf, dass Zucker enthalten ist, nur Haushaltszucker muss als Zucker angegeben werden. Ansonsten bedient sich die Industrie an siebzig Wörtern aus dem Zuckerlexikon: beispielsweise Glukose, Fruktose, Oligofruktose, Malzextrakt oder Polydextrose. All das ist vom Gesetzgeber erlaubt.

Aber wieso steckt die Lebensmittelindustrie überhaupt so viel Zucker in ihre Produkte? Der Grund ist ganz einfach: Zucker macht süchtig, sagt der Ernährungsmediziner Prof. Thomas Kurscheid. Der Insulinspiegel schnellt nach oben und fällt schnell wieder ab. Dann brauchen wir Zucker-Nachschub. Und genau darauf ist die Lebensmittelindustrie aus. Zucker wirkt im Gehirn wie ein Suchtmittel. Der Ernährungsmediziner spricht sogar von "Zuckerverseuchung" bei Fertiglebensmitteln. Aber er sagt auch, dass man mit Zuckerverzicht nicht dogmatisch sein muss, eine Reduzierung reicht völlig aus.

Alternativen zu Haushaltszucker

Natürlich gibt es mittlerweile schon Alternativen für Haushaltszucker: Stevia, Aspartam, Kokosblütenzucker und Xylit. Stevia und Kokosblütenzucker sind zwar pflanzlich, aber nicht ohne Nachteile. So gibt es Stevia im Handel nur als Industrieprodukt zu kaufen. Xylit hingegen kann Blähungen und Bauchkrämpfe verursachen. Aspartam ist synthetisch hergestellt und umstritten, es steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Im Geschmackstest wird klar: Haushaltszucker schmeckt dem Verbraucher nach wie vor am besten. Stevia hat zwar wenig Kalorien, schmeckt aber nicht. Xylit hat weniger Kalorien als Zucker, allerdings kann auch dieser Ersatzsüßstoff nicht mit Haushaltszucker mithalten. Genauso wie Aspartam. Kokosblütenzucker schmeckt, ist aber sehr teuer und hat eine schlechte Ökobilanz.

Das Fazit der "WISO-Konsumagenten": Zucker schmeckt und liefert auch Energie. Aber wie bei allem darf man es nicht übertreiben.

Kochen mit Denise: Ketchup
dsw
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