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"Kochen für Helden" Sternekoch versorgt Krankenhäuser mit Eintopf: "Wir gehen quasi von der Küche ins Bett"

Der Koch Max Strohe neben Eimern voller Eintopf
Statt 8-Gänge-Menüs kocht Max Strohe jetzt eimerweise Eintopf
© Max Strohe
Starkoch Max Strohe hat eine Initiative gegründet, die für Menschen in systemrelevanten Berufen kocht. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern beliefert er jetzt vor allem Kliniken. 

Normalerweise kocht Max Strohe in seinem Restaurant so etwas wie Imperialkaviar mit Zwiebelcreme und Buttermilch. Jetzt kocht er vor allem Eintopf. 800 bis 1000 Portionen am Tag, für Krankenhauspersonal und andere Menschen in systemrelevanten Berufen – statt für Feinschmecker im Acht-Gänge-Menü. Der 38-Jährige betreibt das Restaurant Tulus Lotrek in Berlin Kreuzberg. 2017 erhielt er einen Michelin-Stern. Wegen der Corona-Krise musste auch er sein Restaurant vorerst schließen. Doch Strohe und seine Mitarbeiter kochen weiter. "Nach ein paar Tagen auf der Couch hat es uns gereicht. Wir wollten was tun. Wir hatten noch so viele Lebensmittel übrig", sagt Strohe im Gespräch mit dem stern. "Was sollen wir nur damit machen, dachten wir uns. Und beschlossen dann, für andere zu kochen."

Aus der Idee entstand schließlich die Initiative "Kochen für Helden", der sich mittlerweile schon 70 bis 80 Restaurants angeschlossen haben, darunter auch das Team von Starkoch Tim Mälzer. Täglich werden es mehr. Die Mitarbeiter kochen für Menschen in systemrelevanten Berufen, die einen Bedarf anmelden. Initiativ beliefern sie Krankenhäuser im ganzen Land. "Deren Personal käme sonst gar nicht dazu zu essen", sagt Strohe. Die meisten Kliniken mussten ihren Kantinenbetrieb wegen der Ansteckungsgefahr einstellen. "Deshalb ist es wichtig, dass unsere Speisen leicht aufgewärmt werden können. Wir kochen viele Eintöpfe, aber auch Suppen, Fischcurry oder Hühnerfrikassee, deutsche Traditionsgerichte."

Dafür erhält Strohe Lebensmittelspenden von Händlern und Märkten und Unterstützung von Energiekonzernen und Müllentsorgungen. Die Unternehmen ermöglichen wiederum ihm das Helfen in der Krise, das, wie Strohe offen zugibt, fordernd ist.  

"Die oberste Priorität sollte gerade sein, dass wir zusammenhalten"

"Meine Mitarbeiter und ich fangen früher an und hören später auf als sonst. Wir gehen quasi vom Bett in die Küche und von der Küche ins Bett", sagt Strohe. "Natürlich unter allen gebotenen Vorsichtsmaßnahmen. Wir arbeiten in den immer gleichen, sehr kleinen Teams, desinfizieren fleißig, tragen Einweghandschuhe und halten untereinander den Mindestabstand ein. Bisher waren wir auch nur einmal einkaufen, mit Mundschutz."

Wie es nach der Krise mit seinem Restaurant weitergeht, weiß der Sternekoch noch nicht. Alle seine Mitarbeiter mussten Kurzarbeit anmelden. Ausgerechnet Fremde heitern ihn und sein Team derzeit auf. Täglich erhalten sie unzählige dankbare Nachrichten. Strohe wird deshalb weiter machen bis das Virus überstanden ist. "Die oberste Priorität sollte gerade sein, dass wir zusammenhalten und diese Krise bewältigen."


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