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Dreckige Geschäfte Stroncatura: Die einst verbotene Nudel, die jetzt alle essen wollen

Teller mit Stroncatura Pasta
Das kalabrische Pasta-Gericht wurde viele Jahre lang nur illegal verkauft
© sal61 / Getty Images
Lange Zeit wurden Stroncatura nur illegal unter der Hand verhökert. Jetzt entwickelt sich die frühere Billigst-Nudel zum Geheimtipp für Pasta-Liebhaber. So wird die klassische Stroncatura Calabrese zubereitet.

Die Stroncatura ist der Misfit in der Welt der Pasta. Die rötlichen Nudeln, die an Linguine erinnern, waren viele Jahre lang verboten. Wer sie haben wollte, musste Kontakte haben. Dabei galt die Nudelvariante nicht etwa als besonders lecker. Im Gegenteil, die Stroncatura war das Billigste vom Billigen, ein Abfallprodukt. Eines aber, das heute sogar in italienischen Gourmettempeln aufgetischt wird.

Heimat der legendären Nudel ist Kalabrien, genauer gesagt die Küstenstadt Reggio Calabria mit Umgebung. Also jene Gegend, die vor allem durch eines bekannt ist: die Mafia. Dort gehört die Stroncatura seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Speiseplan. 

Dreckige Geschäfte

Einst wurde die Stroncatura aus verschiedenen Getreideresten hergestellt, die beim Mahlen in den Fabriken auf dem Boden gelandet waren. Diese Reste wurden am Ende des Tages einfach zusammengekehrt und zur absoluten Billignudel weiterverarbeitet. Das Resultat schmeckte nicht nur säuerlich, es war auch mit Dreck versetzt.

Der Popularität tat das allerdings keinen Abbruch. Denn die arme Landbevölkerung der Region war froh über die günstige Pasta. Der Geschmack wurde kurzerhand mithilfe weiterer Zutaten wie Sardellen übertüncht. Und so fanden die Nudeln selbst dann noch reißenden Absatz, als die Behörden sie bereits aufgrund der unhygienischen Herstellung verboten hatten. Verkauft wurde die Stroncatura weiterhin – illegal unter der Hand. 

Vollkorn statt Bodenreste

Bei den Nudeln, die heutzutage als Stroncatura auf die Teller kommen, handelt es sich allerdings nicht mehr um Abfälle. Noch immer wird die Pasta zwar aus Gerste, Grieß und Wasser zubereitet, aber eben ohne Dreck. Ihre spezielle dunkle Färbung kommt von den Vollkornmehlen, aus denen die Pasta hergestellt wird, die spezielle raue Textur ist auf den groben Mahlgrad zurückzuführen.

Dementsprechend gibt es die Stroncatura inzwischen wieder offiziell zu kaufen, allerdings noch immer nur in Kalabrien, im Ein-Kilogramm-Familienpaket und in der traditionellen Verpackung. Wie früher werden die Nudeln schlicht in Papier eingeschlagen. Das soll den Geschmack erhalten. Wer nicht extra nach Italien reisen möchte, um die legendäre Nudel zu kosten, kann sie online bestellen oder sich mit Vollkorn-Pasta-Alternativen geschmacklich annähern.  

La Stroncatura Calabrese

Die Stroncatura war eine Armenspeise. Entsprechend simpel und ohne viel Chichi wurden die Nudeln auch zubereitet. Es gibt mehrere Rezeptvarianten, aber eine der klassischen Zubereitungsweisen der Stroncatura ist die mit Oliven, Peperoncino und Sardellen.

Einkaufsliste

250 Gramm Stroncatura oder Vollkorn-Spaghetti
Eine Handvoll schwarze Oliven (entsteint)
6 Sardellenfilets
1 getrocknete Peperoncino
1 Knoblauchzehe
Paniermehl
Olivenöl

So geht's

Die Nudeln in leicht gesalzenem Wasser kochen. Parallel dazu etwas Olivenöl gemeinsam mit einer ganzen Knoblauchzehe in die Pfanne geben. Darüber drei Esslöffel Paniermehl streuen und dieses anrösten, bis das Olivenöl aufgesogen ist. Dann das Paniermehl abschöpfen.

Wiederum etwas Öl, die Sardellenfilets und  Peperoncino, klein gehackt, in die Pfanne geben. Sind die Sardellen aufgelöst, kommen die in Ringe geschnittenen Oliven dazu. Die Nudeln direkt aus dem Wasser in die Pfanne geben und das geröstete Paniermehl darüber streuen. Danach alles miteinander vermengen und mit etwas Parmesan und Olivenöl beträufeln.

Quelle:Vice, Cookingitaly


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