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Paleo im Selbstversuch: Warum wir jetzt nicht aufhören können

Tag 30: Heute ist der letzte Tag unserer Challenge. Ab morgen dürfen wir eigentlich wieder essen, was wir möchten. Aber wollen wir das auch? Ein Resümee, das uns an unserem Verstand zweifeln lässt.

Von Denise Wachter

Wir haben es geschafft! Was haben wir uns gequält, unter Entzugserscheinungen gelitten, den Kollegen vorgeweint, wie schlecht es uns geht und wie groß die Sehnsucht nach Nudeln, Brot und Käse ist. Und nicht nur der Familie, den Freunden, Kollegen und Vorgesetzten, sondern auch Ihnen, liebe Leser. Sie durften uns begleiten bei unserer kulinarischen Abstinenz, bei der Low-Carb-Grippe, schwindelerregenden Hochs und genauso gewaltigen Tiefs. Sie haben erfahren, was es mit Paleo auf sich hat, welche Zutaten und Gerichte in Frage kommen, wie wir in einem Paleo-Restaurant fast vor Glück weinten, weil wir alles, was auf der Karte stand, essen durften. Die 30 Tage unserer Challenge sind nun vorbei, und wer unsere Texte verfolgt hat, wird sich nicht nur genauso wundern wie wir es selbst tun, sondern sich vielleicht auch die Frage stellen: Habt Ihr den Verstand verloren?

Es wird erst einmal kein rauschendes Fest mit Brot und Nudeln geben und allem, worauf wir vier Wochen verzichtet haben. Denn das können wir jetzt nicht mehr. Nicht nur, dass es uns in der letzten Woche immer etwas besser gegangen ist und wir uns deutlich "leichter" fühlten, sondern auch die messbaren Ergebnisse, die uns die Waage und das Maßband lieferten, motivierten uns weiterzumachen. Sonja hat glatte sieben Zentimeter (!) an ihrer Taille verloren, bei mir sind es an Taille und Hüfte fünf, und jeweils drei Kilogramm weniger bei uns beiden auf der Waage – und zwar, ohne dass wir unser Sportpensum in die Höhe geschraubt hätten. Im Gegenteil: Ich habe in den letzten vier Wochen weniger Sport gemacht als sonst.

Das Bedürfnis nach einem belegten Brötchen mit Käse, Marmelade oder Nutella ist genauso verebbt wie mein Heißhunger auf Pasta. Eigentlich ist es wenig überraschend: Nachdem wir uns wochenlang durch die Paleo-Tage gezerrt haben, möchten wir nicht, dass alles umsonst war. Ich habe das Gefühl, Sonja und ich sind jetzt erst so richtig angefixt. Und wir stellen fest: Eigentlich sind 30 Tage für eine Ernährungsumstellung sehr kurz bemessen. Denn bis alle Wehwechen überstanden sind und man sich an die Veränderung gewöhnt hat, vergehen mindestens vier Wochen.

Also: Wie machen wir jetzt weiter? Paleo zu 100 Prozent? Machen wir Ausnahmen? Nico Richter teilt die Paleoaner in verschiedene Typen ein:

  • Der Schlendrian: Paleo tat ihm gut, aber so richtig diszipliniert ist er nicht. Zwei Mal pro Woche gibt es Nudeln, ab und an mal eine Scheibe Brot. Er weiß zwar, dass es ihm nicht gut tut, ist aber zu faul, konsequent zu sein. Dennoch: Wenn er die Auswahl hat, trifft er die richtigen Entscheidungen. Nur leider fehlt die Kraft für die letzten 30%.
  • Der Viel-Beschäftigte: Viel geschäftlich unterwegs und immer auf dem Sprung. Leider hat dieser Typ einfach zu wenig Zeit, um Paleo konsequent umzusetzen, auch wenn er es gerne tun würde. Vielleicht fehlt ihm aber einfach nur die richtige Priorität für das Thema Gesundheit.
  • Der Bewusste: Paleo ist gut für ihn und er weiß das. In seinem Alltag setzt er zu 90% auf paleo-konformes Essen und scheut auch keinen Aufwand, sich Snacks zum Mitnehmen vorzubereiten und öfter einkaufen zu gehen. Dennoch trifft er ab und zu bewusste Entscheidungen, und geht mit seinen Freunden ein Bier trinken oder eine Pizza essen. Er weiß, dass es ihm nicht gut tut, trifft aber in dem Moment die Entscheidung für den Genuss.
  • Der 100-Prozentige: Paleo ist seine neue Religion und nichts geht über gesundes Essen. Lieber verzichtet er auf Partys und Events, als auch nur ein Getreidekorn zu essen. Er hat seine Leidenschaft in Paleo gefunden und fühlt sich besser als je zuvor. Stundenlang verbringt er in der Küche und kocht und backt Paleo-Gerichte und fermentiert Getränke ohne Pause.

Sonja und ich gehören bestimmt nicht zur Gruppe der 100-prozentigen-Paleoaner, sondern tendieren eher zu einer Mischung aus Schlendrian, Viel-Beschäftigtem und Bewusstem. Vorerst machen wir weiter mit Paleo, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich morgen Milchprodukte einführen, ab und zu ein Stück Kuchen essen und mir ein Brötchen zum Frühstück gönnen werde. Wie lange mein Bewusstsein für die Paleo-Ernährung noch bestehen bleibt, kann ich jetzt noch nicht sagen. Auf jeden Fall bin ich endlich entspannter, weil ich nichts mehr muss, aber kann.