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Meinung

Gute Vorsätze : Verzicht? Nicht mit mir. Ich will Schokolade, Schampus und shoppen

Leben ohne Alkohol, weniger shoppen, kein Zucker mehr - am Jahresanfang werden gute Vorsätze in Angriff genommen. Unsere Reporterin ist von Verzichtspredigern genervt. Sie will im neuen Jahr Schokolade, Schampus und shoppen. Und hat nur einen einzigen Wunsch ...

Eine Frau schaut lächelnd ein Stück Schokoladentorte an

Die Steigerung von Schokolade ist ... Schokoladentorte mit besonders viel Fett und Zucker. Lecker! (Symbolbild)

Getty Images

Im Internet und nicht nur dort, wimmelt es ja gerade von Leuten, die sich damit brüsten, wie tapfer sie das neue Jahr angehen: Sie proben das "Leben ohne Alkohol", schwören, weniger zu kaufen, weil Konsum schlecht fürs Gemüt und die Erde sein soll. Oder sie wagen die "Zuckerfrei-Challenge" (alleine dieses Wort). 

Mir gehen diese Verzichtsprediger auf den Geist. Macht, was ihr wollt, ihr Abstinenzler, aber verschont mich mit euren sterbenslangweiligen Erlebnisberichten auf Facebook oder sonstwo. Ich will nicht wissen, wie es ist, "40 Tage ohne Zucker" zu leben. Ich will auch im neuen Jahr: Schokolade, Schampus und shoppen.  

Wenn ich auf Facebook Sätze lese wie: "Zucker enthält keine Vitamine oder Mineralstoffe, sättigt nicht, macht dafür krank und abhängig", schwillt mir der Kamm. "Spar’ dir deine Belehrungen, Frau Schulmeisterin", möchte ich dann am liebsten als Antwort in die Kommentarspalte hacken. Das "weiße Gift", das sich "überall versteckt", wie ein gemeiner Verbrecher, mag ja für "Übergewicht, Diabetes und andere Krankheiten" verantwortlich sein. Ganz ehrlich? Mir egal. Ich war immer schlank, wie fast alle in meiner Familie, will nicht abnehmen, sondern genießen. Ja, GENIESSEN, richtig gelesen. 

Schokolade ist Lebensfreunde

Schokolade hält mich bei Laune und mein Hirn auf Trab, vor allem am Nachmittag, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. Sie schmeckt, ist pure Lebensfreude. Nicht meine einzige "süße Sünde", wenn ich ehrlich bin. "Warum nehmen Sie nicht weniger Zucker, Herr Riegel", nahmen Kollegen den Haribo-Chef neulich in die Zange. Ich dachte nur: Bloß nicht. Gummibärchen sind perfekt, vor allem die kleinen. Bis auf die Verpackung (kleine Plastiktütchen, die in einer größeren stecken, sind echt too much, Herr Riegel).

Weniger shoppen, um die Welt zu retten, kommt für mich auch  nicht infrage. Mit meinem Geld werde ich weiter die Wirtschaft ankurbeln. Konsum, ihr Minimalisten, ich weiß, das wollt ihr jetzt nicht lesen, zerstört vielleicht nicht nur die Erde, sondern schafft auch Arbeitsplätze. Drei Millionen Menschen arbeiten allein in Deutschland im Einzelhandel. Rund 50.000 in der Süßwarenindustrie. Wenn wir alle nur kaufen, was wir brauchen, bricht die Wirtschaft zusammen. Weltweit, wage ich mal zu behaupten.

Kein Respekt vor der Arbeit anderer Leute

Und auch das ärgert mich:  In den heroischen Berichten vom Verzicht schwingt eine Verachtung für die Arbeit anderer Leute mit. Der "Arbeitstag" eines Bäckers beginnt zwischen zwei und drei Uhr nachts. Wer Chocolatier werden will, sollte Konditor gelernt haben. Und selbst das reicht nicht unbedingt, um wirklich gut zu werden. Drei Jahre dauert die Ausbildung eines Winzers. In Deutschland wurden 2018 über 10 Millionen Hektoliter Wein geerntet. Der muss weg, da will ich mich nicht drücken. Oder sollen wir die Ernte vernichten? Ab und an ein Glas muss einfach sein.

Mein einziger Wunsch ist ...

Also: Ich will im neuen Jahr auf nichts verzichten. Einen Wunsch habe ich allerdings, und zwar einen großen. Bitte, bitte, lieber Gott, liebes Universum oder wer sonst dafür zuständig ist: Ich wünsche mir, dass meine Großmutter ihren nächsten Geburtstag erlebt. Für zuckerfreie Ernährung hat sie sich meines Wissens nie interessiert. Verzicht war dagegen etwas, zu dem sie viele Jahre gezwungen war. Nicht nur, weil sie den zweiten Weltkrieg überlebt hat und zeitweise hungern musste. In der Ex-DDR fehlte ihr vieles. Kaffee, Schokolade, Alkohol waren für sie Luxus. Meine Mutter packte jedes Jahr mehrere Pakete. Schokolade durfte nie fehlen. Nach der Wende trank ich mit meiner Großmutter Champagner. Echten aus der Champagne, die inzwischen zum Weltkulturerbe gehört. Ich hoffe, dass ich im April mit einem wirklich edlen Tropfen auf ihr Wohl anstoßen kann. Wenn sie 100 Jahre alt wird.

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