Sie waren Gäste der Zarin Nach der kurzen Blütezeit kam die Katastrophe: Die Geschichte der Russlanddeutschen

Sie waren Gäste der Zarin: Nach der kurzen Blütezeit kam die Katastrophe: Die Geschichte der Russlanddeutschen
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Die Geschichte der Russlanddeutschen beginnt mit der Hoffnung auf ein Ende von Armut und Unterdrückung. Nach einer kräftigen, aber kurzen Blüte stürzen Hass und Vorurteile die Auswanderer in die Katastrophe.
Eva Lehnen

Spät am Abend unterbreiten gut gekleidete Männer dem 19-jährigen Zeugmachergesellen Christian Gottlob Züge in einer Lübecker Gaststube ein allzu verlockendes Angebot. Alle Ausländer, die bereit sind, sich im Russischen Reich niederzulassen, bekommen Grund und Boden, Steuerfreiheit für mehrere Jahre, freie Religionsausübung und „auf ewige Zeiten“ die Befreiung vom Militärdienst zugesichert. Das Dokument ist zwei Jahre alt, datiert vom 22. Juli 1763, und trägt die Unterschrift der Zarin höchstselbst, Katharina der Großen. Auch die Reisekosten will ihre Regierung übernehmen und sogar für den anfänglichen Unterhalt der Neuankömmlinge garantieren. Atemlos studiert Züge die Liste der Privilegien.

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