Lebensbeichte
Zurück ins Rampenlicht: Grupp mit Lebensbeichte bei Gysi

Wolfgang Grupp Senior ist einer Einladung von Gregor Gysi (Linke) nach Tübingen gefolgt. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Wolfgang Grupp Senior ist einer Einladung von Gregor Gysi (Linke) nach Tübingen gefolgt. Foto
© Bernd Weißbrod/dpa
Vom sorglosen Studentenleben mit Sportwagen und eigenem Pferd bis zu Heimweh im Jesuiten-Internat. Im Neuen Kunstmuseum Tübingen zeigt sich Ex-Trigema-Chef Grupp offen und unterhaltsam wie immer.

Erster öffentlicher Auftritt des früheren Trigema-Chefs Wolfgang Grupp seit seinem Suizid-Versuch Mitte des vergangenen Jahres: Im Neuen Kunstmuseum in Tübingen war er Gast der Talkreihe "Gysis Begegnungen" mit Gregor Gysi (Linke). An seinen Suizidversuch mag er gar nicht denken, sagte Grupp. Er habe danach seinen Jagdschein abgegeben und habe nun neue Prioritäten. 

Wolfgang Grupp: "Ich war in kaum einer Vorlesung"

In einem launigen Gespräch verriet Grupp, wie sehr er das Leben gefeiert habe als Jurastudent in Köln."Ich habe das Leben genossen. Ich war in kaum einer Vorlesung", sagte Grupp und erntete viel Gelächter aus dem Publikum. Weg vom strengen Elternhaus in Burladingen (Zollernalbkreis) und in einer Großstadt. Sein Vater sei großzügig gewesen, habe ihm eine 3-Zimmer-Wohnung gegönnt - samt eigenem Reitpferd und einem Sportwagen. 

So sorglos sei es jedoch nicht immer gewesen, sagte Grupp. "Also meine Internatszeit in St. Blasien bei den Jesuiten war meine schlimmste Zeit. Ich hatte Heimweh. Ich liebte mein Zuhause und wir durften ja nicht am Wochenende nach Hause. Wir hatten dreimal im Jahr Ferien." Zweimal im Jahr habe er Besuch gehabt von der Familie. "Ich hatte furchtbar darunter gelitten", sagte Grupp.

Er habe viel gelernt fürs Leben im Internat. "Ich musste mich durchsetzen, um nicht unterzugehen. Ich musste mich anpassen, um Freunde zu haben. Ich musste ordentlich sein, um nicht in der Unordnung leben zu müssen. Also ich habe dort sehr viel für mein späteres Leben automatisch mitbekommen, weil ich selbst verantwortlich war mit elf Jahren.", sagte Grupp. 

Das 78 Jahre alte Linken-Urgestein trifft seit Sommer im Neuen Kunstmuseum prominente Zeitzeugen des öffentlichen Lebens. Geplant sind weitere Talks mit Pater Anselm Grün (8. April) und dem langjährigen CSU-Politiker Peter Gauweiler (29. Juni).

Grupp gab Geschäfte an Kinder ab 

Grupp (83) hatte vor einiger Zeit die Geschäfte an seine beiden Kinder übergeben, aus Steuergründen, sagte Grupp in Tübingen. Wolfgang Grupp Junior (34) und seine Schwester Bonita (36), die Ende des vergangenen Jahres Mutter geworden ist, führen das Familienunternehmen gemeinsam. Sie leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Wolfgang Grupp junior verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, die Produktion und Finanzen. 

Der frühere Trigema-Chef hatte Mitte des vergangenen Jahres einen Suizid-Versuch öffentlich gemacht. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde. Trigema ist ein Hersteller von Wäsche, Freizeit- und Sportbekleidung und wirbt damit, zu 100 Prozent "Made in Germany" anzubieten.

dpa