Wegen erneuter Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr müssen Fahrgäste in Bayern in den kommenden Tagen wieder mit Problemen rechnen - auch rund um das Champions-League-Heimspiel des FC Bayern München. Aber vor allem am Donnerstag seien bayernweit Einschränkungen bei Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen zu erwarten, "die leider auch wieder viele Fahrgäste treffen werden", teilte Verdi mit.
Gewerkschaft nennt acht Städte in Bayern - aber wenige Details
Arbeitsniederlegungen soll es nach vorläufigem Stand laut Verdi in acht bayerischen Städten geben: München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Bayreuth, Passau und Landshut.
Über Art und Dauer der Warnstreiks entscheiden die örtlichen Verdi-Gremien - was wiederum einen Überblick über die Einschränkungen komplizierter macht. Während Busfahrerinnen und Busfahrer in Bamberg zum Beispiel nur für Donnerstag dazu aufgerufen wurden, sich nicht hinters Steuer zu setzen, plante Verdi schon für Dienstag einen ersten Warnstreik in München - allerdings nicht bei den fahrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Mittwoch und Donnerstag könnten nach einem Aufruf der Gewerkschaft dann in München aber ebenfalls zahlreiche Busse, Tram- und U-Bahnen stillstehen.
Andernorts konnten Verdi-Ansprechpartner zunächst auf Nachfrage noch nichts zu Folgen für Fahrgäste sagen - und verwiesen auf weitere Informationen im Laufe der Woche.
Champions League: Fußballfans könnten Probleme bekommen
In München könnte der Warnstreik am Mittwoch besonders Fußballfans empfindlich treffen: Ab 11.00 Uhr will Verdi möglichst viele Busse, Trams und U-Bahnen zum Stillstand bringen. Das würde die Anreise zum Achtelfinal-Rückspiel des FC Bayern München in der Champions League gegen Atalanta Bergamo in der Allianz Arena am Mittwoch (21.00 Uhr) enorm erschweren.
Als die Gewerkschaft jüngst vor dem Viertelfinale des DFB-Pokals zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig (2:0) zum Warnstreik aufrief, hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) noch einen Notbetrieb für Fans eingerichtet. 75.000 Zuschauer haben im Stadion Platz. Ein Großteil reist zu den Spielen normalerweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Für viele Fans ist die U-Bahn-Linie U6 die beste Option, aus der Innenstadt zum Stadion zu kommen.
Einschränkungen in München schon am Dienstag zu erwarten
Die MVG teilte mit, Verdi habe dort Mitarbeiter der Leitstelle und im Fahrgastservice schon für Dienstag ganztägig zum Warnstreik aufgerufen. "Es ist davon auszugehen, dass Bus und Tram den ganzen Tag über wie gewohnt fahren", hieß es seitens der MVG. "Auch die U-Bahn wird voraussichtlich den Betrieb am frühen Morgen aufnehmen, Einschränkungen im Laufe des Tages sind aber möglich." Die MVG riet Fahrgästen dazu, im Internet und in der App MVGO zu schauen, ob ihre Verbindung betroffen ist. Zu Auswirkungen möglicher Warnstreiks an anderen Tagen konnte ein MVG-Sprecher auf Nachfrage zunächst mangels Ankündigung der Gewerkschaft nichts sagen.
Regionalzüge und S-Bahnen nicht betroffen
Wie schon bei den Warnstreiks der vergangenen Wochen müssen sich Fahrgäste von Regionalzügen und S-Bahn in Bayern nicht mehr Sorgen als üblich um ihre Verbindungen machen. Betroffen von den Warnstreiks sind nur kommunale Verkehrsunternehmen - nicht die Deutsche Bahn oder private Eisenbahnunternehmen, die im Regionalverkehr und den S-Bahn-Netzen in München und Nürnberg ihre Züge fahren lassen.
Gewerkschaft will Druck in Tarifverhandlungen machen
Die erneuten Arbeitsniederlegungen sollen in der laufenden Tarifrunde für den bayerischen Nahverkehr den Druck auf die Kommunen erhöhen. Am kommenden Montag (23. März) steht der nächste Verhandlungstermin mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) an, bei den bisherigen drei Gesprächen gab es keine Einigung.
Kommunen weisen Forderungen als unbezahlbar zurück
Die Gewerkschaft Verdi fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen eine Lohnerhöhung um fast 670 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Kommunen weisen das als unbezahlbar zurück.
Nach Berechnung der kommunalen Arbeitgeber würde eine Erfüllung der Verdi-Forderungen die Personalkosten im kommunalen Nahverkehr um 25 Prozent in die Höhe treiben. Viele Kommunen sind ohnehin finanziell in schwieriger Lage, auch die Verluste der Städte und Landkreise im öffentlichen Nahverkehr sind in den vergangenen Jahren deutschlandweit stark gestiegen.
Verdi besteht auf kräftigen Lohnerhöhungen
Verdi hingegen fordert angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten deutliche Verbesserungen sowohl beim Gehalt als auch den Arbeitsbedingungen. Ohne relevante Lohnerhöhungen könnten sich die Beschäftigten im ÖPNV das Leben bald nicht mehr leisten, hieß es in der Mitteilung der Gewerkschaft.
Der stellvertretende Landesvorsitzende Sinan Öztürk kritisierte: "Allmählich drängt sich der Eindruck auf, dass sie erwarten, die Kolleginnen und Kollegen sollten den ÖPNV in diesem Jahr, im nächsten Jahr und vielleicht noch die nächsten zehn bis 15 Jahre aus eigener Tasche mitfinanzieren."