Fußball-Bundesliga
Werder und der HSV: Fruststart in die Derbywoche

Hamburger Frust: Nicolai Remberg bei der Niederlage in Stuttgart. Foto: Marijan Murat/dpa
Hamburger Frust: Nicolai Remberg bei der Niederlage in Stuttgart. Foto
© Marijan Murat/dpa
Am Samstag kommt es zum großen Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Die Lage ist bei beiden Rivalen angespannt.

Daniel Thioune dachte gar nicht daran, die Bedeutung des Nordderbys am kommenden Samstag künstlich herunterzuspielen. Werder Bremen gegen den Hamburger SV (Samstag, 15.30 Uhr/Sky): Das sei ein Duell, "in dem es um deutlich mehr als nur drei Punkte geht. Es geht um eine Menge Reputation und darum, den Fans etwas wiederzugeben, was vielleicht in der Hinrunde verloren gegangen ist", sagte der Werder-Coach nach dem bitteren 1:3 (0:1) beim 1. FC Köln.

Bremen gegen Hamburg - das ist im Fußball-Norden noch immer sportlich bedeutender als Hannover gegen Braunschweig und historisch aufgeladener als HSV gegen St. Pauli. Und diesmal kommt auch noch dazu, dass beide Rivalen schwer angeschlagen in diese Derbywoche gehen.

Noch haben beide einen kleinen Vorsprung auf den FC St. Pauli auf dem Relegationsplatz: Bei Werder sind es auch nach der Niederlage in Köln drei Punkte, beim HSV trotz des 0:4 (0:2)-Debakels beim VfB Stuttgart sogar sechs. Doch ob es nun die aktuelle Form ist, die Personallage oder der Spielplan: In Bremen wie in Hamburg gibt es nichts, worauf man sich vor den letzten fünf Spieltagen der regulären Saison ausruhen könnte. Das macht die Konstellation bei diesem Derby so brisant.

HSV-Kurve zeigt nach unten

"Ich habe der Mannschaft nach dem Abpfiff gesagt, dass der Tag heute bescheiden lief und wir auf diesem Level gegen so eine VfB-Mannschaft noch nicht mithalten können", sagte HSV-Trainer Merlin Polzin nach der klaren Niederlage in Stuttgart. "Wir müssen so ein Spiel schnell abhaken und uns auf die Dinge konzentrieren, die uns bis hierhin geführt haben. Wir müssen jetzt keinen aufrichten. Die Jungs sind voll da. Natürlich sind wir heute enttäuscht. Aber wir wissen, dass nächste Woche ein geiles Spiel auf uns wartet."

Das Problem ist: Schon seit Wochen spielt der Tabellenzwölfte nicht mehr auf dem Leistungs- und Energielevel wie noch zu Beginn des Jahres. In den vergangenen acht Bundesliga-Spielen gab es nur einen Sieg. Sollte der HSV das Derby verlieren und der Stadtrivale St. Pauli bereits am Freitagabend gegen Köln gewinnen, könnte es tatsächlich noch einmal eng werden.

Der Hamburger Vorteil im Vergleich zu Werder ist, dass sich die angespannte Personalsituation bis zum Samstag entspannen soll. Der verletzte Luka Vuskovic, der gesperrte Miro Muheim und der angeschlagene Sambi Lokonga: Diese drei in Stuttgart so schmerzlich vermissten Stützen sollen beim Nordderby alle wieder dabei sein.

Werder Bremen ohne Kapitän

Bei den Bremern dagegen wird nun auch noch der gesperrte Kapitän Marco Friedl ausfallen. Der Abwehrchef sah in Köln schon früh die Rote Karte. "Klar, wenn der Kapitän fehlt, dann tut’s dann auch weh", sagte der erfahrene Leonardo Bittencourt.

Der sportliche Druck ist beim Tabellen-15. Werder größer als beim HSV. Dazu hat die Mannschaft nach der 2:3-Niederlage im Hinspiel auch noch mehr gutzumachen. Mit 32 Jahren und der Erfahrung von mittlerweile 302 Bundesliga-Spielen bemüht sich Bittencourt jedoch um Gelassenheit.

"Vor sieben Wochen haben wir gegen Pauli verloren, da waren wir gefühlt abgestiegen. Danach haben wir zwei Spiele gewonnen, da waren wir gefühlt schon gerettet. Es wird bis zum letzten Tag gehen, das wissen wir", sagte Bittencourt. Sein letztes Nordderby vor dem Werder-Abschied im Sommer ist dem Routinier aber noch einmal wichtig: "Messer zwischen den Zähnen und rauf auf den Platz" - das sei die Devise.

dpa

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