Waffenverbotszonen in Hessen sollen Gewalt verhindern und das Sicherheitsgefühl stärken. Zehn hessische Städte haben inzwischen solche Bereiche eingerichtet. Seit gut einem Jahr gilt auch im gesamten öffentlichen Personennahverkehr in Hessen ein Waffenverbot. Land und Kommunen ziehen eine positive Bilanz.
So hat die Polizei im ÖPNV nach Angaben des hessischen Innenministeriums zwischen Februar und Mitte Dezember 2025 rund 50 verbotene Waffen und waffenähnliche Gegenstände sichergestellt. Die Gesamtzahl dürfte demnach höher liegen. Denn ein Teil des Nahverkehrs liegt dem Ministerium zufolge im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei. Diese erfasst entsprechende Daten allerdings nach eigenen Angaben nicht, da sie für die Überwachung der Einhaltung des Waffenverbots nicht originär zuständig ist.
Hessens Innenminister Roman Poseck sieht das Land mit dem Verbot auf dem richtigen Weg. "Die Menschen erwarten zu Recht, dass wir sie bestmöglich schützen", sagte der CDU-Politiker. "Ich halte es daher für richtig, dass wir in Hessen insgesamt eine konsequente Linie verfolgen und inzwischen ein umfassendes Messerverbot in den öffentlichen Verkehrsmitteln haben. Mit dieser Linie setzen wir auch ein gesellschaftliches Signal gegen das Mitführen und Verwenden von Messern und anderen Waffen."
750 Sicherstellungen in Kommunen
Neben dem Land setzen auch einige hessische Kommunen auf Waffenverbote im öffentlichen Raum. Aktuell sind entsprechende Verbotszonen in Wiesbaden, Limburg, Frankfurt, Kassel, Bad Hersfeld, Fulda, Darmstadt, Rüsselsheim, Hanau und Gießen eingerichtet.
Die Polizei hat dort laut Innenministerium im vergangenen Jahr insgesamt rund 750 verbotene Waffen und waffenähnliche Gegenstände sichergestellt. Die Gesamtzahl dürfte demnach auch hier höher liegen. Denn auch die jeweiligen kommunalen Ordnungsbehörden führen Kontrollmaßnahmen durch.
Kassel: Zone hat sich bewährt
So hat etwa das städtische Ordnungsamt in Kassel seit Einführung der Waffentrageverbotszone im Oktober 2024 bis Anfang Januar insgesamt 154 Verstöße festgestellt, wie die Stadt mitteilte. Dabei habe es sich überwiegend um verschiedene Arten von Messern, Teleskopschlagstöcke sowie Anscheinswaffen gehandelt, erklärte ein Sprecher.
"Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich die Waffenverbotszone bereits bewährt hat", sagte er. "Mit jeder festgestellten und eingezogenen Waffe wird ein möglicher Gewaltakt verhindert." Die Waffenverbotszone erweise sich damit als ein effizientes Instrument zur Stärkung und Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit.
Bad Hersfeld zieht positive Bilanz
Auch die Stadtverwaltung Bad Hersfeld zieht ein Jahr nach der Einführung der Waffenverbotszone in Bad Hersfeld eine positive Bilanz. "Mit der Einführung haben wir ein klares Zeichen gesetzt, dass wir die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen", sagte Bad Hersfelds Bürgermeisterin Anke Hofmann (parteilos). "Einige Orte in der Stadt werden als Angsträume wahrgenommen und dank der Waffenverbotszone, der Kontrollen und der Aufnahme in das Sofortprogramm Innenstadtoffensive, mit dem mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt einhergeht, können sich die Menschen hier in Bad Hersfeld sicherer fühlen."
Wiesbaden: Stadtpolizei bewertet Zone als sehr erfolgreich
"Waffenverbotszonen sind ungeeignet, um einen bewaffneten Attentäter von seiner Tat abzuhalten", erklärte ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Ihre Leistungsfähigkeit bestehe darin, dafür zu sorgen, dass aus einer körperlichen Auseinandersetzung keine schwere Körperverletzung oder ein Tötungsdelikt werde. In diesen Momenten sei entscheidend, ob gefährliche Gegenstände oder Waffen verfügbar sind.
Die Landeshauptstadt hatte als erste hessische Kommune eine Waffenverbotszone im Dezember 2018 eingerichtet. Mit entsprechendem Kontrolldruck erhöhe diese die objektive Sicherheit, sagte der Sprecher. "Wichtig ist, bei den Kontrollen transparent zu kommunizieren, dass es sich um Präventivkontrollen handelt, um nicht den Verdacht einer besonderen Gefährdungslage zu erwecken."
An diesen Zielen gemessen beurteile die Stadtpolizei Wiesbaden die Waffenverbotszone als sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr könne nach vorläufigen Zahlen innerhalb der Waffenverbotszone kein Delikt gegen das Leben verzeichnet werden, führte der Sprecher aus.
Wirksames Instrument in Limburg
"Waffenverbotszonen sind ein wirksames Instrument zur Stärkung der öffentlichen Sicherheit", teilte die Stadt Limburg mit. Die Zone am Limburger Bahnhof, die es seit August 2024 gibt, ermöglicht es Landes- und Stadtpolizei, verdachtsunabhängige Kontrollen durchzuführen – "ein rechtlicher Spielraum, der außerhalb solcher Bereiche nicht besteht".
Die Waffenverbotszone sei Teil eines umfassenden Sicherheitspakets für Limburg. "In der Gesamtschau führt dieses Maßnahmenbündel zu einem deutlich erhöhten Kontrolldruck. Bei Kontrollen wurden Messer und weitere verbotene Substanzen sichergestellt – konkrete Erfolge, die zur Sicherheit im öffentlichen Raum beitragen."
Jedes sichergestellte Messer könne potenzielle Straftaten verhindern, teilte die Stadt Limburg mit. Jede Substanz, die aus dem Verkehr gezogen wird, erhöhe die Sicherheit in der Stadt. "Die Maßnahmen wirken präventiv und stärken zugleich das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger."
Poseck: Wichtiger Baustein in Sicherheitsarchitektur
"Wir haben in Hessen mit der Einrichtung von Waffenverbotszonen bereits gute Erfahrungen gesammelt", resümierte auch Innenminister Poseck. Sie hätten eine hohe präventive Wirkung und eröffneten der Polizei vor allem zusätzliche Kontrollmöglichkeiten.
"Klar ist aber auch, dass Waffenverbotszonen naturgemäß kein Allheilmittel sind", betonte er. "Und auch wenn sie nicht jeden potenziellen Täter davon abhalten, ein Messer zu führen, sind sie dennoch ein wichtiger Baustein unserer Sicherheitsarchitektur." Zudem trügen die Kontrollen in den Waffenverbotszonen zur Steigerung der Sicherheit in den Innenstädten sowie zur Erhöhung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürger bei.
"Dabei sind flächendeckende Kontrollen weder notwendig noch verhältnismäßig", führte Poseck aus. Auch von stichprobenartigen Kontrollen und allein schon von der allgemeinen Möglichkeit der Kontrolle gehe eine hohe präventive Wirkung aus. "Das zeigte sich unter anderem auf den Weihnachtsmärkten."
Die Polizei werde den Kontrolldruck hochhalten, kündigte das Innenministerium an. Hierfür werde auch auf mehr Videoschutz und Waffenverbotszonen in Zusammenarbeit mit den Kommunen gesetzt. Landesweite Waffenverbote wie im ÖPNV seien in weiteren Bereichen derzeit nicht vorgesehen, "wobei wir die aktuellen Entwicklungen beobachten und nach Bedarf handeln".