Der alljährliche Aufmarsch von Rechtsextremen und Gegendemonstrationen hat die Stadt Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wieder zeitweise in einen Ausnahmezustand versetzt. Absperrgitter, unzählige Bereitschaftspolizisten und Polizeifahrzeuge, Polizeihunde, Wasserwerfer, ein kreisender Hubschrauber - die Polizei war am Freitag mit einem Großaufgebot vor Ort. Selbst auf der Peene fuhren Polizeiboote.
Nach dem Rekordjahr 2025 verbuchte die Gegendemonstration auch in diesem Jahr wieder regen Zulauf. Ihr Protestzug bestand in der Spitze nach Polizeischätzungen aus 1.500 Menschen. Das "Aktionsbündnis 8. Mai Demmin", das den Gegenprotest organisiert, sprach von etwa 2.000 Gegendemonstranten. Für den von der rechtsextremen Partei Die Heimat (vormals NPD) organisierten Aufmarsch schätzte die Polizei etwa 300 Teilnehmer.
Lautstarker Gegenprotest
Weil sich Gegendemonstranten unter anderem auf einer Hauptstraße im Zentrum zu einer Sitzblockade niederließen, wurde der rechte Aufmarsch auf Nebenstraßen umgeleitet vorbei an der Gegendemo in Sicht- und Hörweite, aber abgetrennt durch Polizeifahrzeuge. Von der Gegendemo kamen unter anderem Pfiffe, aber zu einem Zusammenstoß kam es nicht.
Auch an der Peene, wo die Rechten eine Kundgebung abhielten, wurden sie lautstark von Gegendemonstranten mit Rufen und Musik beschallt. Eigentlich wollten die Rechten zumindest auf dem Rückweg über die Hauptstraße durch das Zentrum gehen, wichen wegen der anhaltenden Blockade nach einigem Warten aber schließlich doch wieder auf Nebenstraßen aus.
Unter anderem mit Dutzenden Bussen waren die Teilnehmer der Gegendemo angereist, nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern. Eine derartige Mobilisierung hatte es nach Angaben des Aktionsbündnisses erstmals im vergangenen Jahr gegeben. Damals hatte die Zahl der Demonstranten ein Rekordniveau erreicht, die Polizei sprach von rund 290 Menschen auf der Seite der Rechtsextremen und etwa 2.000 Gegendemonstranten. Das Aktionsbündnis hatte ihre Teilnehmerzahl noch deutlich höher angegeben.
1945 Massensuizid in Demmin
Vor 81 Jahren - am 8. Mai 1945 - war die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft getreten. Im Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai 1945 kam es laut Historikern zu einem Massensuizid in Demmin, bei dem sich Hunderte Menschen aus Angst vor der Roten Armee selbst töteten. Seit Jahren ziehen am 8. Mai Rechtsextreme schweigend durch Demmin.
Das "Aktionsbündnis 8. Mai Demmin" sieht darin den Versuch, die Geschehnisse in Demmin zu instrumentalisieren und den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gezielt umzudeuten.
In diesem Jahr werden die Gegendemos von einem mehrtägigen Protest- und Aktionscamp in einem nahe gelegenen Industriegebiet begleitet, das laut Aktionsbündnis bereits ab Mittwoch aufgebaut wurde und bis Sonntag bestehen sollte. Es bietet demnach einen Ort zum Campen, aber auch zur Vernetzung und für Workshops.