Krise der FDP
Höne startet mit Rückenwind in Kampf um FDP-Bundesvorsitz

Henning Höne fordert für ein Comeback der FDP eine geschlossene Partei. Foto: Christoph Reichwein/dpa
Henning Höne fordert für ein Comeback der FDP eine geschlossene Partei. Foto
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Existenzkrise, Führungsdebatte, zwei Kandidaten: Henning Höne hat im Rennen um den FDP-Bundesvorsitz eine wichtige Etappe genommen. Sein Landesverband stützt ihn. Aber ist er unangefochten?

Mit dem Rückhalt des größten FDP-Landesverbands zieht der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Henning Höne in den weiteren Kampf um den FDP-Bundesvorsitz. Der 39-jährige langjährige Landespolitiker wurde von einem Parteitag in Duisburg mit knapp 84,5 Prozent zum dritten Mal als Landeschef wiedergewählt. Er erzielte sein bisher bestes Ergebnis. Ende Mai tritt der bundesweit so gut wie unbekannte Höne beim FDP-Bundesparteitag gegen den prominenten FDP-Politiker Wolfgang Kubicki an. 

Ein Jahr vor der Landtagswahl im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen stärkten die knapp 400 Delegierten Höne mit dem Votum auch den Rücken für einen schwierigen Wahlkampf. Die existenzbedrohte FDP muss auch in NRW um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. 

Höne betonte, dass für ein Comeback der FDP im Bund die Wahl in NRW im April 2027 von entscheidender Bedeutung sei. Die NRW-FDP hat in der Partei großes Gewicht. Sie stellt mit rund 16.500 Mitgliedern den stärksten Landesverband der Liberalen und hat beim Bundesparteitag Ende Mai mit knapp einem Viertel der Delegierten einen entscheidenden Einfluss.

Kubicki ein starker Gegner

Auch in der NRW-Partei setzen allerdings einige auf den wortgewaltigen und prominenten Kubicki als künftigen Bundeschef. So war unter den Delegierten zu hören, dass die FDP in der aktuellen außerparlamentarischen Opposition derzeit ein bekanntes Gesicht an der Spitze brauche, um bundesweit wieder wahrgenommen zu werden. 

Dass Höne in seinem eigenen Landesverband nicht die ganz unangefochtene Unterstützung hat, zeigt sein Wahlergebnis. Bei der Abstimmung kam er auf 326 Ja-Stimmen bei 50 Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen. Enthaltungen zählt die FDP bei der Berechnung des prozentualen Ergebnisses mit. Er werte das Ergebnis aber als Rückenwind, sagte Höne. "Dieser Landesverband will kämpfen, das tun wir." 

Höne fordert Einigkeit der FDP 

Höne warnte die Partei vor einem innerparteilichen Machtkampf. Sowohl er als auch Kubicki kandidierten für das Comeback der FDP. "Wolfgang kandidiert nicht gegen mich, und ich kandidiere nicht gegen Wolfgang", rief Höne unter dem Applaus der Delegierten. Es gebe zwischen ihnen zwar Unterschiede im Stil, Ton und in manchen Sachfragen. "Aber uns eint mehr, als uns trennt." Kubicki und Höne sind beide stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende.

Die FDP könne als Mannschaft nicht erfolgreich arbeiten, wenn "alle gegen alle konkurrieren", sagte Höne. "Es gibt nur eine liberale Partei in Deutschland, und diese Partei muss wieder an alte Erfolge anknüpfen." Unabhängig vom Ausgang der Wahl würden sowohl er als auch Kubicki weiter eine Rolle in der Partei spielen. Der Wettbewerb zwischen ihnen helfe der FDP sogar, weil er die Partei so wieder spannend mache. 

Liberale in der Krise

Die FDP befindet sich in einer existenzbedrohenden Krise, seit sie bei der Bundestagswahl 2025 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war und diese auch bei jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nicht genommen hatte. Daraufhin war eine Führungsdebatte entbrannt. Der derzeitige FDP-Chef Christian Dürr hatte nach Kubickis Ankündigung erklärt, nicht wieder für den Parteivorsitz antreten zu wollen. 

Kubicki strebt im Fall seiner Wahl zum Parteichef wieder Bundestagswahlergebnisse über zehn Prozent der Stimmen an. "Zunächst schwebt mir vor, die FDP nach einem Jahr bitterböser Bedeutungslosigkeit wieder in die Nähe von fünf Prozent zu heben" und dann darüber, sagte Kubicki der "Welt am Sonntag". "Der Kubicki-Effekt beginnt bei sechs Prozent. Dann ist die Hürde überwunden." 

Auch Höne sagte vor Journalisten, die FDP sei "immer gut für zweistellige Ergebnisse". In näherer Zukunft stünden zunächst jedoch andere Aufgaben an. "Aber klar ist: Wenn man ohne Ambitionen startet, kann nichts Gutes dabei rauskommen."

Der Schatten Lindners 

Kubicki unterstrich in dem Interview erneut, dass der frühere Parteichef Christian Lindner ihn animiert habe anzutreten. In den 2010er Jahren konnte Lindner aus NRW heraus die kriselnde FDP stabilisieren und schließlich die Liberalen zuerst in NRW und dann im Bund wieder zu Wahlerfolgen führen. 

Der aktuelle Landeschef Höne grenzt sich deutlich von Lindner ab. Höne will einen Neustart der FDP und einen klaren Bruch mit der Ampel-Zeit. Das funktioniert seiner Meinung nach aber nur mit neuen Gesichtern. Immer wieder verweist er darauf, dass die FDP unter Lindner 2025 nach der gescheiterten Ampel aus dem Bundestag flog.

CDU als "schwarzer Block des Machterhalts" 

Der Münsterländer Höne neigt nicht zu lauten Parolen und Posen, setzt aber seine Attacke pointiert. So griff er auf dem Duisburger Parteitag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an, der die FDP nach der Wahl in Baden-Württemberg für politisch tot erklärt hatte. Der CDU sei die Wirtschaft egal, ihr gehe es nur ums Regieren, rief Höne. "Die CDU ist der schwarze Block des Machterhalts." Merz verkaufe die Zukunft Deutschlands und häufe dabei die höchsten Schulden in der Geschichte an. "Diese Milliarden-Schulden waren ein hoher Preis, um der unbeliebteste Bundeskanzler der Geschichte zu werden." 

Mit den steigenden Spritpreisen "verdient sich der fette Staat an dieser Krise dumm und dämlich, weil er gnadenlos mitkassiert". Nebenbei teilte Höne noch gegen CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann aus. Dieser sage ja immer gern: "Einfach mal machen", so Höne. "Ich sage: Einfach mal lassen." 

In der NRW-Landesregierung unter CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst sehe es nicht besser aus: Fehler wie bei der Aufklärung des Solingen-Attentats oder Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) würden in der Staatskanzlei vertuscht. Es gehe nur darum, gut auszusehen. Höne: "Diese Regierung verwechselt Regieren mit Inszenieren."

dpa