"Wir verdanken ihm viel"
Trauer um Weltstar Adorf: "Mario war immer an unserer Seite"

In der Stadt Mayen war Adorf Ehrenbürger. Foto: Sascha Ditscher/dpa
In der Stadt Mayen war Adorf Ehrenbürger. Foto
© Sascha Ditscher/dpa
Schauspieler Mario Adorf prägte Generationen, blieb aber als "Mayener Jung" immer seiner Heimat in Rheinland-Pfalz treu. Persönliche Erinnerungen, große Verdienste und der Abschied eines Filmgiganten.

Der Tod von Schauspieler Mario Adorf reißt eine Lücke in das Leben vieler – auch in seiner Heimatstadt Mayen. "Wir verlieren unseren Ehrenbürger und den Paten der Burgfestspiele Mayen", sagte der Oberbürgermeister von Mayen, Dirk Meid (SPD). Adorf wurde 1930 in Zürich geboren, wuchs aber in der Eifel in Mayen auf. Seiner Heimat blieb er als "Mayener Jung" stets treu verbunden, im Goldenen Buch der Stadt steht er auf einer der ersten Seiten. "Der Tod von Mario Adorf hinterlässt eine große Lücke", sagte Meid. 

Adorf starb am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris, wie sein Management und die Filmagentur Reinholz der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Er sei nach kurzer Krankheit eingeschlafen, hieß es in einer Mitteilung. 

Aus Mayen in die Welt

Eine Schauspielkarriere zeichnete sich in seiner Jugend im Eifelstädtchen Mayen in Rheinland-Pfalz allerdings erst mal nicht ab. Während andere am Schultheater spielten, gab Adorf den Klassenclown. Nach dem Abitur zog es Adorf dann doch zur Schauspielerei. Er studierte an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Danach ging er ans Theater und zum Film. 

Es war der Start einer großen Karriere mit einer enormen Bandbreite an Rollen und vielen Auszeichnungen. Auf der Leinwand war der Grandseigneur des deutschen Films häufig als Gauner, Schurke und Patriarch zu sehen, doch im echten Leben zeigte er bis ins hohe Alter ein Herz für seine Heimat – wenngleich er viel Zeit mit seiner Frau, Monique Faye, in ihrer Heimat in Südfrankreich verbrachte. 

Rheinland-Pfalz verliert "einen seiner treuesten Söhne" 

"Das ist ganz schwer in Worte zu fassen", sagte der Mayener Oberbürgermeister über den Tod des Ehrenbürgers, nach dem auch eine Straße in der Stadt benannt wurde. "Eine Ehrenbürgerschaft ist ja eine ganz besondere Auszeichnung für Menschen, die sich ganz besonders verdient gemacht haben, um eine Stadt. Und wenn so jemand verstirbt, ist es immer ein wahnsinniger Verlust." Die Stadt wolle die Erinnerung an Adorf lebendig halten. 

Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) bezeichnete Adorf als "Ausnahmeschauspieler und Weltstar" und betonte: "Mit ihm verliert Deutschland einen seiner größten Schauspieler und Rheinland-Pfalz einen seiner treuesten Söhne." 

Im Land erhielt Adorf neben der Ehrenbürgerschaft der Stadt Mayen auch die Carl-Zuckmayer-Medaille, die Ehrendoktorwürde der Universität Mainz und den Landesverdienstorden. "Wir verdanken ihm viel", sagte Schweitzer. "Ohne Mario Adorf gäbe es die Nibelungenfestspiele in ihrer heutigen Form nicht."

Auch der Intendant der Nibelungen-Festspiele, Nico Hofmann, zeigte sich betroffen. "Mario Adorf ist und bleibt legendär für mich", sagte Hofmann. "Seine unglaubliche Wachsamkeit und Neugierde bis ins hohe Alter – seine schauspielerische Vielfalt, seine durchweg kluge Beratung und sein künstlerischer Beistand bei den Nibelungenfestspielen in Worms, die er selbst mit aus der Taufe gehoben hatte, Mario war immer an unserer Seite - sein Tod ist ein großer Verlust, der traurig macht."

Trauernder Freund

Der Tod des Schauspielers trifft auch einen seiner Freunde aus Mayen. "Ich bin natürlich heute todtraurig", sagte der Fotograf Peter Seydel. Über Jahre hinweg habe er Adorf auf Termine begleitet, so sei eine enge Freundschaft entstanden. "Diese Persönlichkeit werde ich in meinem ganzen Leben nie vergessen, weil der aus ganz einfachen Verhältnissen kam und nie abgehoben ist", sagte Seydel.

Dass der Weltstar nie vergaß, wo er herkam, zeigte sich auch an dem großen Interesse für Geschehnisse in seiner Heimat. "Ich habe ihm auch immer wieder Fotos von den Burgfestspielen zugeschickt. Er war ganz interessiert daran", sagt Seydel. Adorf soll gefragt haben, wie das Stück ist, wie es läuft, ob es ausverkauft ist, wie viele Besucher da sind und mehr. So habe Seydel ihn mit Informationen aus der Heimat versorgt. 

Filme und Auszeichnungen

Adorf gehörte zu den großen deutschen Film- und Fernsehstars der Nachkriegsgeschichte - zu sehen etwa in "Der Tod trägt schwarzes Leder" (1974), "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975), "Die Blechtrommel" (1979) "Lola" (1981) und "Der Schattenmann" (1996). 

Für sein künstlerisches Schaffen ist Adorf vielfach ausgezeichnet worden: Adolf-Grimme-Preis, Bundesverdienstkreuz, Goldene Kamera, Bambi, Deutschen Fernsehpreis für das Lebenswerk.

Abschiedsworte

Die Lücke und die Trauer, die der Tod von Adorf hinterlässt, zeigen sich auch an den vielen Reaktionen, die er hervorruft: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb, Adorf habe das kulturelle Leben "weit über unser Land hinaus bereichert" und sei international verehrt worden. Schauspieler Heiner Lauterbach teilte auf seinen Social-Media-Kanälen, dass er schon als Kind Bilder von Adorf über seinem Bett hängen hatte und Adorf ein "herzensguter Mensch" war. Schauspielerin Veronica Ferres bezeichnete Adorf bei Instagram als einen der warmherzigsten Menschen, der ihr je begegnet sei.

Medien- und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sprach davon, dass die deutsche Film- und Fernsehlandschaft einen Schauspieler von Weltruf verliere. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete Adorf als einen "der bedeutendsten Schauspieler unseres Landes, dessen künstlerisches Wirken Generationen geprägt hat". 

Seinem langjährigen Manager Michael Stark gab Adorf einer Mitteilung zufolge mit auf den Weg, dass er seinem Publikum für die jahrzehntelange Treue dankt.

dpa