Filme sind ein Gesamtkunstwerk. Wer sich die Zeit für den Abspann eines Streifens nimmt, bekommt einen Eindruck vom Aufwand einer Produktion. Minutenlang flimmern die Namen des beteiligten Personals einzelner Gewerke über die Leinwand. Die Palette reicht vom Set-Runner und Set-Decorator über Licht, Ton, Maske, Kostüm, Visual Effects, Casting und Logistik bis hin zum Stunt-Koordinator, Location-Scout und der Grip-Abteilung, die für die Pflege von Kamera- und Bewegungsausrüstung zuständig ist.
Um all das dreht sich die Arbeit der Sächsischen Filmakademie. Vor knapp vier Jahren fiel die erste Klappe für eine Institution, die sich der Aus- und Weiterbildung der sogenannten Set-Berufe verschrieben hat. Seit 2024 arbeitet man in Strukturen einer GmbH. Gesellschafter sind der Verein Allianz Deutscher Produzenten – Film und Fernsehen, die Hochschule Zittau/Görlitz und die Görlitzer Wirtschaftsförderung.
Als Filmkulisse für zahlreiche Hollywood-Produktionen hat sich "Görliwood" - wie die Stadt an der Neiße seither genannt wird - auch im Ausland einen Namen gemacht. Hier wurden unter anderem Szenen für Streifen wie "The Grand Budapest Hotel", "Inglourious Basterds", "Der Vorleser" oder "The Monuments Men" gedreht. Für den Film "In 80 Tagen um die Welt" diente Görlitz als Kulisse für Paris, Berlin und London.
Kurse stoßen auf gute Resonanz
Die Sächsische Filmakademie reagiere auf einen dringenden Bedarf der Filmwirtschaft, dem Fachkräftemangel im filmischen Handwerk durch neue Weiterbildungsangebote zu begegnen, sagt Akademie-Chefin Grit Wißkirchen. "Wir bieten jetzt das zweite Jahr Kurse an und haben schon eine ganze Menge auf die Beine gestellt", berichtet Wißkirchen, die über 20 Jahre als Produzentin im Filmgeschäft tätig war. Die Resonanz auf das Angebot sei sehr gut. Aktuell läuft eine Masterclass für Kamera- und Lichtassistenz. Ein Workshop für Arbeit mit KI-Tools für das Department Requisite und Ausstattung sowie ein Kurs für das Kostümdepartement finden noch im ersten Quartal 2026 statt.
"Es gibt für Set-Berufe keine eigene Ausbildung", stellt Wißkirchen klar. In fünf bis zehn Jahren würden etwa 40 Prozent der momentan hier Beschäftigten in Rente gehen. "Wir richten unseren Blick auf Leute, die schon einen Beruf oder ein Studium haben und sich neu orientieren möchten." Durch gezielte Fort- und Weiterbildung könne man sich für die Arbeit am Filmset fit machen. "Wir bieten Grundlagenkurse. Quereinsteiger lernen neben den fachspezifischen Themen auch, wie die Branche und die Etikette am Set funktionieren."
Fachleute aus dem Filmgeschäft sind Dozenten
Künftig sollen vier zertifizierte Kurse zum Angebot der Filmakademie gehören, darunter ein Kurs für Produktionsassistenz. Wer sich nach einem solchen Job bei der Arbeitsagentur erkundigt, geht bislang leer aus. Die Akademie möchte mit ihrer Zertifizierung erreichen, dass die Arbeitsämter Bildungsgutscheine für die Kurse ausstellen und Interessenten die Kosten nicht mehr selbst tragen müssen. Als Dozierende vermitteln Fachleute aus dem Filmgeschäft ihre Kenntnisse und Erfahrungen sehr praxisnah.
Bislang haben sich Frauen und Männer aus ganz diversen Berufen für Kurse eingeschrieben. "Wir hatten Zahntechnikerinnen dabei, eine Friseurmeisterin, Leute aus dem Kulturmanagement oder auch welche, die etwas völlig anders studiert haben. Es geht hier quer durch den Gemüsegarten." Die Kurse seien mit Praktika gekoppelt und würden einen guten Einblick in die Arbeit am Set bieten. "Da kann jeder feststellen: Passt das zu mir oder eher nicht?"
Set-Etikette will gelernt sein
Wißkirchen erinnert daran, dass ein Film nur im Zusammenspiel vieler Akteure entstehen kann, auch wenn Regisseur und Darsteller an erster Stelle genannt werden. "Deshalb ist es wichtig, die Set-Etikette zu lernen. Jedem muss klar sein, dass nicht seine eigene Stimme entscheidend ist, sondern Teamarbeit zählt. Es geht darum, einen Film mit dem dafür vorhandenen Budget und im geplanten Zeitraum umzusetzen. Das ist eine herausfordernde Tätigkeit und nicht mit einem Nine-to-five-Job vergleichbar."
Deshalb kümmert sich die Filmakademie in ihren Kursen etwa auch um mentale Gesundheit und Arbeitsschutz. Nicht zuletzt geht es um Sensibilität. "Gerade in der Kostümabteilung ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Die Mitarbeiter dort kommen mit einem Schauspieler auf Tuchfühlung, da entstehen beim Umkleiden ganz intime Momente. Dafür ist Grundlagenwissen notwendig, auf das wir vorbereiten wollen." Um das so intensiv und praxisnah wie möglich zu machen, solle ein Kurs nicht mehr als ein Dutzend Teilnehmer umfassen.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) sieht in der Filmakademie einen Standortvorteil. "Wir haben festgestellt, dass Produktionen, die zu uns nach Görlitz kommen, großen Bedarf in dieser Richtung haben." Für ein Filmstudio in Los Angeles oder München wäre es von großem Vorteil, wenn es auf einheimisches Personal am Set zurückgreifen könne.
Filmbüro Görlitz will Ansprechpartner für Produktionen sein
Um noch mehr internationale Produktionen anzulocken, hat Görlitz ein Filmbüro gegründet. "Wer zu uns kommt, wird eng begleitet und hat alle Ansprechpartner an einem Tisch. Anträge auf Drehgenehmigungen sollen unbürokratisch erledigt werden", sagt Ursu. Auch bei der Vermittlung regionaler Partner helfe man gern.
Wißkirchen beschreibt eine Branche im Wandel. Mit zunehmender Digitalisierung gehe eine Veränderung der Arbeitsprozesse einher. In der Produktionsvorbereitung kämen immer mehr KI-Tools zum Einsatz. "Wo das am Ende einmal hinführen wird, vermag momentan noch keiner zu sagen." Noch müsste man am Set aber Kabel tragen und das Licht richtig einstellen. In der Postproduktion seien jedoch die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung des gedrehten Materials schon heute nahezu unbegrenzt.
Künstliche Intelligenz spielt bei Vorbereitung von Filmen eine Rolle
In der Vorbereitung spiele KI bereits eine große Rolle - etwa, wenn es um Vor-Visualisierungen der im Drehbuch beschriebenen Szenen oder das Aussehen der Drehorte und Requisiten gehe. Wie soll die Stimmung sein, welches Licht wird gebraucht? Wie könnte das passende Kostüm der Schauspieler aussehen? Eine große Arbeitserleichterung wäre etwa, wenn sich mit KI eine virtuelle Kostümprobe machen ließe, meint Wißkirchen.
Steigender Kostendruck führe bei allen Beteiligten zu einem Lernprozess. "Die Vorbereitungszeiten werden eingekürzt, die Gelder sind nicht mehr so üppig vorhanden wie früher. Deshalb wird auf Optimierung geachtet. Auf die damit einhergehenden Herausforderungen müssen wir die Teilnehmenden in unseren Weiterbildungen vorbereiten und ihnen die Fähigkeit vermitteln, damit positiv umzugehen. Auch wir in der Filmakademie lernen jeden Tag dazu."