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Kanada Haben Sie schon mal über Sterbehilfe nachgedacht? Teure Patienten offenbar zum assistierten Suizid überredet

Eine beunruhigende Vorstellung. Patienten könnten zur Sterbehilfe überredet werden, um der Gemeinschaft nicht zur Last zu fallen (Symbolbild).
Eine beunruhigende Vorstellung. Patienten könnten zur Sterbehilfe überredet werden, um der Gemeinschaft nicht zur Last zu fallen (Symbolbild).
Kanada hat ein sehr liberales Gesetz über assistierte Selbsttötungen. Nun besteht der Verdacht, dass Behinderte und Patienten überredet werden, eine Sterbehilfe zu beantragen, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken.

In mehreren Ländern gibt es bereits ein Recht auf Selbsttötung, das alte religiös begründete Tabu wurde aufgehoben. In Kanada zeigt sich nun, dass die schlimmsten Befürchtungen der Kritiker wahr werden, berichtet AP. Dort werden Menschen mit Behinderungen und teure Patienten zur Selbsttötung animiert.

Alan Nichols litt unter Depressionen. Als der 61-Jährige ins Krankenhaus eingeliefert wurde, stellte er einen Antrag auf Sterbehilfe. Er wurde trotz Bedenken seiner Familie und einer Krankenschwester getötet. Sein Bruder Gary sagt, "er wurde im Grunde hingerichtet." Alan sei gar nicht in der Lage gewesen den Prozess und die Entscheidung zu verstehen, auch habe er nicht "unerträglich" gelitten. Als Grund für den Todeswunsch wurde sein Hörverlust angegeben. Der sei aber nicht irreversibel gewesen, so die Familie. Alan habe nichts hören können, weil er seine Medikamente nicht genommen und weil er ein Implantat nicht verwendet habe. Aber anstatt ihm dabei zu assistieren, habe das Krankenhauspersonal ihm geholfen, um Sterbehilfe zu bitten. "Er brauchte etwas Hilfe von uns, aber er war nicht so behindert, dass er für eine Sterbehilfe infrage kam", so Gary Nichols.

Kein Gegencheck 

Tatsächlich können sich in Kanada Menschen mit schweren Behinderungen dafür entscheiden, getötet zu werden, auch wenn kein weiteres medizinisches Problem vorliegt. Menschenrechtsgruppen beklagen, dass das Land keine Schutzmaßnahmen vorsieht. Auch dürfen die Angehörigen nicht informiert werden. Dafür werde das Gesundheitspersonal angehalten, die assistierte Tötung auch denen vorzuschlagen, die das Verfahren von allein gar nicht in Betracht gezogen haben. Wenig verwunderlich, dass hier Menschen in Visier genommen werden, die eine kostspielige Behandlung benötigen, aber keine angemessene staatliche Unterstützung erhalten.

Roger Foley leidet an einer fortschreitenden Gehirnerkrankung. Er nahm Gespräche im Krankenhaus heimlich auf, als die Mitarbeiter begannen, ihn zur Sterbehilfe zu überreden. Bei einem Gespräch dachte Foley zunächst, es würde um Aussichten seiner Therapie gehen. Doch nicht ein Arzt, sondern der Ethikdirektor des Krankenhauses war zu ihm gekommen. Zunächst hielt der dem Kranken vor, wie teuer seine Behandlung sei. Jeder Tag im Krankenhaus liege "über 1500 Dollar", redete er Foley ins Gewissen.

Mit schlechtem Gewissen zur Unterschrift

Foley sagte, dass dieses Gespräch ihn belaste, und er gern über seine Langzeitpflege sprechen würde. Das sagte der Ethikdirektor: "Roger, das ist nicht mein Job. Mein Job ist es, zu sehen, ob Sie ein Interesse an Sterbehilfe haben." Foley selbst gibt an, darüber nie gesprochen zu haben. Der teure Patient wurde pro-aktiv vom Krankenhaus auf diese kostengünstige Lösung angesprochen. Catherine Frazee, Professorin an der Ryerson University in Toronto, sagte der AP, dass nur die wenigsten Fälle dieser Versuche, Patienten zu überreden, bekannt werden. Sie nannte den Fall von Sheila Elson. Als die ihre schwerbehinderte Tochter in die Notaufnahme brachte, sagte ihr ein Arzt bestimmt, ihre Tochter sei ein Kandidat für Sterbehilfe . Wenn die Mutter die Sterbehilfe nicht beantragen werde, wäre sie "egoistisch".

Quelle: AP

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111


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