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Heuschnupfen: Spürhunde sollen Ambrosia-Allergikern helfen

Ambrosia lehrt Allergiker das Fürchten: Die Pollen dieser Pflanze lösen besonders schnell Heuschnupfen aus. Ein speziell ausgebildeter Spürhund soll beim Entdecken und Ausreißen des Krauts helfen.

Hundedame Arwen sucht regelmäßig nach Ambrosia

Hundedame Arwen sucht regelmäßig nach Ambrosia

Oft müssen Heuschnupfen-Geplagte bis weit in den Oktober hinein leiden. Der stärkste Unheilstifter ist dabei Ambrosia. Die Pflanze, die wie ein harmloses Unkraut aussieht, löst bei Allergikern besonders schnell Augenjucken, Niesen und Kribbeln aus. "Fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft reichen, um sensibel darauf zu reagieren", sagt Thomas Dümmel, Meteorologe an der   (FU).

Hilfe bekommen Allergiker von einer anderen Schnüffelnase: Hundedame Arwen rast auf der Suche nach mit der Nase auf dem Boden an Vorgärten und Parkwegen entlang. Legt sie sich hin und schaut nach oben, ist sie fündig geworden. Von Halterin Katja Krauß gibt es für den weißen Schafspudel dann ein Leckerli.

Ambrosia-Scout auf vier Pfoten

Die Hundetrainerin hat Arwen zum Ambrosia-Scout ausbilden lassen. Die Hündin arbeitet nun an der Kartierung der Verbreitung mit. Zwar gibt es bereits einen Ambrosia-Atlas und eine App fürs Handy, aber dafür müssen Berliner die Pflanze erst einmal erkennen. 

"Berlin hat mit einer einjährigen und einer mehrjährigen Variante gleich ein doppeltes Problem, das gibt es bisher in keiner anderen Region", sagt Dümmel. Wärmere Herbste und spätere Fröste trügen dazu bei, dass Ambrosia zu den Klimawandel-Gewinnern zählt, so der Meteorologe. Mit seinem Team an der FU hat er Ambrosia seit 2009 im Visier. In den vergangenen Jahren bewilligten die Arbeitsagenturen in vielen Bezirken Beschäftigungsprogramme, bei denen von der FU Berlin geschulte Ambrosia-Scouts die Verbreitung kartierten und die Pflanze möglichst auch ausrissen. 

Dann kam Katja Krauß die Idee: Warum nicht Hunde suchen lassen? "Sie haben sowieso die besseren Nasen", sagt sie. Bei Thomas Dümmel stieß das auf offene Ohren. Ein halbes Jahr hat Krauß ihre Arwen trainiert, damit sie Ambrosia findet. Nun will sie andere Halter motivieren, ihre Hunde als Ambrosia-Scouts ausbilden zu lassen - auch aus Liebe zum Tier.


"Gassigehen allein reicht oft nicht", sagt sie. " sind intelligente Tiere, sie wollen auch geistig gefordert werden." 15 Minuten Suchen sei für sie so anstrengend wie zwei Stunden neben einem Fahrrad herzulaufen. Kartieren oder ausrupfen muss Ambrosia dann aber der Mensch. Dümmel und Krauß sind sich einig: Ohne Hilfe der Bevölkerung ist dem Traubenkraut in Berlin nicht mehr beizukommen.

Allergie-Beschwerden nehmen zu

Zu den wachsenden Allergie-Beschwerden gibt es Daten: "In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Pollensaison in Deutschland schon deutlich verlängert. Aber sie ist auch intensiver geworden", sagte kürzlich der Leiter des Allergie-Centrums der Berliner Charité, Torsten Zuberbier.

Rund 15 Prozent der Bundesbürger leiden laut Robert Koch-Institut (RKI) an Heuschnupfen. Unter rund 6500 getesteten Berlinern hätten bereits jetzt elf Prozent eine Sensibilisierung oder Allergie gegen Ambrosia, berichtet Dümmel. "Die Gefahr, Ambrosia-Allergiker zu werden, ist damit doppelt so hoch wie bei anderen Pflanzen."

Ambrosia lässt Allergiker-Zahlen steigen

Wie die Lage künftig in ganz Europa aussehen könnte, haben Forscher errechnet. Demnach könnte sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2060 mehr als verdoppeln - auf bis zu 77 Millionen, berichteten sie im Fachblatt "Environmental Health Perspectives". Ursachen sind vor allem der Klimawandel und die dadurch begünstigte Vermehrung der Pflanze. Die größten Zuwächse sind laut Studie unter anderem in Deutschland zu erwarten.

fri/DPA