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Rezepte zum Nachkochen: Nektarinen auf Pizza, passt das? Und wie!

Nektarinen zum Dessert? Ja, gut. Doch noch viel besser schmecken sie gebraten, zu Antipasti und im Salat.

Schnelle Pizza mit Nektarine, Parmaschinken, Blauschimmelkäse und Pesto

Schnelle Pizza mit Nektarine, Parmaschinken, Blauschimmelkäse und Pesto

Auch wenn es den Anschein hat – hier wird kein Pizzastück serviert, sondern eine Geschichte zum Thema der . Die hat jetzt Saison und ist folglich auch preiswert. Vor allem aber ist sie: köstlich! Wie die Blutorange ist auch die Nektarine eine spontane Mutation, eine Laune der Natur, denn sie ist ein Pfirsich ohne Flaum. Wie den Orangen an den Hängen des Ätna eines Tages wie zum Spaß blutrotes Fruchtfleisch wuchs, brachten ein paar Pfirsichbäume ab und an ungebeten Früchte ohne Flaum hervor und boten stattdessen solche mit glatter Haut. Nun, es wären doofe Gärtner gewesen, die die Kerne der Sonderlinge nicht achtsam behalten und wieder angepflanzt hätten.

Der Pfirsich, und damit auch die Nektarine, stammt aus dem alten China. Von dort ist diese Mutation nicht überliefert; wohl aber gibt es eine perfekte Beschreibung des „Nacktpfirsichs“ aus dem des 16. Jahrhunderts. Wie auch immer, die erwerbsmäßige Kultivierung der Frucht begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg, schwerpunktmäßig in den USA, nämlich in Kalifornien und Georgia.

Woher der Name? Bekanntlich aßen und tranken die antiken Götter eher einfallslos, immerzu gab es nur und Nektar, das erste fest, das zweite flüssig. Gleichwohl ist unsere Frucht nach dem Göttertrank benannt, wahrscheinlich, weil man ihr Fleisch zunächst püriert, passiert und dann mal kurz getrunken hat.

Die Nektarine, ich habe sie zum Interview getroffen, will bitte schön mehr als nur roh vernascht, sie will ernst genommen werden werden. Sie sieht sich mehr als nur stückig geschnippelt auf Quark oder Naturjoghurt serviert, obwohl dies, wie sie einräumt, ein ganz köstliches ist.

Der Kombi für die hier abgebildete – salzig, süß und sauer – stimmt sie ausdrücklich zu. Es ist eine Idee für die schnelle Abendküche, bei der man fertig gekauften Pizzateig mit dünnen geschnittenen Scheiben von Nektarine, Parmaschinken, Blauschimmelkäse (darf auch deutscher sein) und selbst gemachtem Petersilienpesto belegt und bei 250 Grad backt.

Auch wenn man Pfirsiche und Nektarinen bei uns selten in der Qualität findet wie in Frankreich, so liebe ich sie doch und koche gern mit ihnen. Für ihre problemlose Zubereitung ist eines zu wissen wichtig: Es gibt Früchte, die lösen sich vom Stein, und andere, die sich partout nicht von ihm lösen lassen. Das steht den Früchten leider nicht auf die Haut geschrieben. Man muss also zunächst eine Testfrucht kaufen und den Versuch machen oder, so das möglich ist, den Händler bitten, dies zu tun. Handelt es sich um die lösliche Variante, ist alles gut. 

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Nun zu ein paar Zubereitungen

Nektarinen schmecken zu Schweinskoteletts, und zwar gebraten. Dazu rührt man gut 3 EL (ca. 50 ml) Orangenlikör (z. B. Bols Triple Sec, Cointreau oder Grand Marnier – aber Weinbrand tut’s auch) mit 125 ml Aprikosenkonfitüre und 125 ml Zucker an (die Konfitüre kurz erhitzen und dann durch ein Sieb streichen) und gibt diese Mischung in eine Auflaufform.

Nektarinen halbieren, entsteinen und nebeneinander mit der Schnittfläche nach unten in den Fruchtsabsch setzen, wo sie 10 Minuten ruhen und noch ein wenig Spaß am Leben haben dürfen, bis sie – wieder mit der Schnittfläche nach unten – in eine leicht geölte und mittelstark vorgeheizte Pfanne kommen (gusseiserne Platte überm Grill geht auch). Die Nektarinen ca. 3 Minuten braten, dann anlupfen und auf Farbe prüfen: Sind sie hübsch gebräunt, dann die Früchte auf den Rücken drehen und mit etwas zerlassener Butter bestreichen; zugleich in der Pfanne etwas Butter zerlassen, die Früchte wieder drehen. Dies weitere 3 Minuten wiederholen, bis die Früchte gar sind (gar heißt: nicht matschig).

Die Früchte in der Auflaufform mit der runden Seite nach unten im 80 Grad warmen Ofen warm halten, mit je 1 Flöckchen Butter belegen, schwach salzen. Die Koteletts garen und zu den Früchten servieren.

Jaaa, sagte die Nektarine begeistert auf Nachfrage, auch in Gesellschaft italienischer Antipasti wie Paprika sehe sie sich gern: 2 grüne oder rote Paprikaschoten vierteln, putzen, mit der Hautseite nach oben unter den Backofengrill legen und ihnen Zunder geben, bis ihre Hautschwarze Blasen wirft. Die Gemüse aus dem Ofen nehmen, noch auf dem Rost mit einem feuchten Tuch belegen und nach 10 Minuten des Abkühlens häuten. Die Nektarinen vom Stein lösen und dann in Schnitze von der Größe schneiden, wie sie auch die Streifen haben, die wir aus den Paprikaschoten schneiden. Auf einem Teller arrangieren und mit Olivenöl, etwas Zitronensaft und Salz würzen. Schwarz zu pfeffern kann auch nicht schaden.

Ein sehr schöner Salat, schlug ich vor, entstehe doch auch aus der Mischung von Nektarinen mit Tomaten, Scamorza und Basilikum? Natürlich, stimmte die Nektarine zu, sie sei lang schon in Italien zu Hause und möge diese Küche.

Scamorza ist geräucherter Kuhmilchkäse (den man ersatzweise nehmen kann), wie man ihn in Lebensmittelläden findet, an einem Strick baumelnd wie ein Gehenkter.

Die Nektarinen vom Stein und in dünne Scheiben schneiden. Die Tomaten – es sollten auch um der Schönheit willen kleine und möglichst bunte sein – waschen, trocknen und je nach Größe vierteln oder achteln. Den Scamorza (er ist quasi schon aus Sympathie von Nektarinengröße) in Spalten schneiden. Die Zutaten auf einer großen flachen Schale oder kleineren individuellen Tellern anrichten und mit viel Basilikum, Olivenöl, etwas Balsamico (oder gar mit Aprikosen-Balsamico von www.solytierra.eu, 200 ml für 12,90 Euro), schwarzem Pfeffer und Fleur de Sel würzen.

Zum Schluss leerten die Nektarine und ich ein feinherbes Fläschchen Riesling mit Rotem Traminer – sie fand’s klasse!