VG-Wort Pixel

Digitale-Versorgung-Gesetz App auf Rezept – wie Gesundheitsminister Spahn Karteikarten den Kampf ansagt

Jens Spahn schaut mit der sächsischen Sozialministerin Barbara Klepsch auf eine Klinik-App in Zwickau
Schluss mit der nervigen Zettelwirtschaft. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forciert seine Digital-Offensive und setzt dabei unter anderem auf Smartphone-Apps. 
© Sebastian Willnow / DPA
Gesundheitsminister Jens Spahn tritt bei seiner Digital-Offensive weiter auf's Gaspedal. Am Mittwoch stellte er sein Digitale-Versorgung-Gesetz im Bundeskabinett vor. Apps werden demnach bald vom Arzt verschrieben und von der Versicherung bezahlt.

Der Papierkrieg im deutschen Gesundheitswesen ist weder effizient noch zeitgemäß. Das hat offenbar auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erkannt. Mit seinem am Mittwoch im Bundeskabinett beschlossenen Entwurf des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) will der CDU-Politiker endgültig das Ende der Zettelwirtschaft einläuten. Doch was steht eigentlich drin in dem 90-seitigen Papier – und was ändert sich für Krankenhäuser, Kassen und Patienten?

Gesundheits-Apps auf Rezept

Seit Jahren fluten Gesundheits-Apps das Netz. Sie sind mal mehr und mal weniger hilfreich. Mal kostenlos, mal zahlen User dafür. Manche helfen dabei Blutzuckerwerte zu erfassen, andere erinnern Patienten daran, ihre Medikamente zur richtigen Zeit einzunehmen. Für solche Apps sollen Patienten zukünftig nichts mehr zahlen. Laut Spahns DVG dürfen Ärzte die digitalen Gesundheitshelfer fürs Handy zukünftig verschreiben. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung.

Ganz ohne Bürokratie geht das Ganze natürlich nicht ab: Ob eine App seriös, nützlich und vor allem sicher ist, soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüfen. Die prüft die App quasi auf Herz und Nieren bevor die Krankenversicherung dafür zahlt. Zudem muss der Entwickler binnen eines Jahres beim BfArM nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. 

ePA: Apotheken und Krankenhäuser in der Pflicht

Auch die Millionen Krankenakten der Deutschen sollen in Zukunft platzsparender gelagert werden. Die sogenannte elektronische Patientenakte (ePA) ist schon beschlossene Sache. Spätestens ab 2021 müssen Krankenkassen ihren Versicherten die Krankengeschichte digital anbieten können. Spahn verpflichtet mit seinem DVG nun auch Apotheken und Krankenhäuser, sich an die entsprechende Infrastruktur anzuschließen. Ärzten, die sich weiter dagegen verwehren, werden bestraft. Sie sollen ab März 2020 auf 2,5 statt bisher ein Prozent ihres Honorars verzichten.

Mehr Informationen zu Videosprechstunden im Netz

Videosprechstunden sind in Deutschland noch die Ausnahme. Ein Grund: Viele wissen gar nicht, welche Ärzte diese Sprechstunden überhaupt anbieten. Informationen im Netz sind Mangelware. Das soll sich ändern. Ärztinnen und Ärzte dürfen auf ihren Webseiten nun über derartige Angebote informieren. Auch das aufklärende Gespräch, das bisher noch in der Praxis stattfinden musste, kann nun per Videoschalte stattfinden. Spahn ist sicher: "Ärzte, die digitale Anwendungen nutzen, werden Ärzte ersetzen, die noch mit Karteikarten arbeiten, weil Patienten es auf Dauer nicht akzeptieren werden, dass ihr Arzt nicht digital ist." 

Schluss mit der Zettelwirtschaft

Dass Papier geduldig ist, stellt man vor allem im Gesundheitswesen immer wieder fest. Vielen Ärzten fällt es offensichtlich schwer, sich von Gewohnheiten zu verabschieden, zu denen es längst praktische digitale Alternativen gibt. Zudem ist es noch immer lukrativer, einen Arztbrief per Fax zu versenden als ihn elektronisch auf die Reise zu schicken. Hier sieht Spahns Ministerium die Selbstverwaltung in der Pflicht. Die müsse dafür sorgen, dass "es attraktiver wird, den elektronischen Arztbrief zu nutzen", heißt es im Digitale-Versorgung-Gesetz. Auch für Rezepte, die Heil- und Hilfsmittelverordnung sowie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen soll kein Papier mehr verschwendet werden.

Wichtig, wenngleich längst überfällig: Wer einer gesetzlichen Krankenkasse freiwillig beitreten möchte, kann das künftig auch elektronisch tun.

Quelle:Bundesgesundheitsministerium

js

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker