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ARD-Lebensmittelcheck: Mälzer und die Mogelfische

Frischer Fisch gilt als Delikatesse. Doch wie gut ist die Qualität von Alaska-Seelachs, Forelle und Co. wirklich? Tim Mälzer hat in einem ARD-Beitrag dreiste Tricks der Lebensmittelhändler aufgedeckt.

Von Christoph Fröhlich

Ob als Delikatesse im Edel-Restaurant oder als Fischbrötchen auf die Hand: Jeder Deutsche isst im Schnitt 14,8 Kilogramm Fisch pro Jahr (Stand: 2012). Das ist doppelt so viel wie noch vor 50 Jahren. Kein Wunder: Fisch gilt als gesunde Alternative zum Kantinenklassiker Schnitzel mit Pommes oder Currywurst.

Doch die wachsende Lust auf Fisch hat spürbare Folgen für die Umwelt: Mindestens 80 Prozent der Bestände gelten als überfischt, einige Arten sind bereits vom Aussterben bedroht. Laut der Welternährungsorganisation FAO sind 61,3 Prozent der Bestände maximal befischt, 28,8 Prozent gelten als überfischt. Deshalb widmete sich Tim Mälzer im zweiten Teil seines Lebensmitel-Checks in der ARD diesem Thema. Er nahm die Fisch-Industrie genauer unter die Lupe - und deckte dreiste Schummeleien und Verbrauchertäuschungen der Lebensmittel-Hersteller auf.

Erkennen Sie den Fisch auf Ihrem Teller?

    Dieser schlangenartige Wanderfisch lebt in Süßgewässern. Nur zum Laichen schwimmt er ins Meer. Fischliebhaber lieben ihn als geräucherte Delikatesse. Von welchem Fisch ist hier die Rede?

    colourbox.de

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    Frischer Fisch in der Regel zwei Wochen alt

    Für seinen ARD-Bericht begleitete Mälzer zwei Fischer auf einem Ostseekutter. Dabei zeigte sich: Nur zehn Prozent der hierzulande verspeisten Fische und Meerestiere stammen aus heimischen Gewässern, der Rest wird aus dem Ausland importiert. Der "frische Fisch", der in vielen Schaufenstern und Kühltheken beworben wird, ist deshalb meist schon bis zu zwei Wochen alt.

    Doch nicht nur beim Frischegrad wird geschummelt. Mälzer zeigte beim Test in seiner Studioküche, dass gefrorene Schollenfilets aus dem Supermarkt oft mit Wasser aufgepumpt werden, um das Gewicht - und damit den Preis - künstlich zu erhöhen. Vom Filet, das auf der Packung mit 250 Gramm beworben wird, blieben nach Auftauen und Braten nur noch 135 Gramm übrig - knapp die Hälfte.

    "Das ist zusätzlich zugeführtes Wasser, das ich hier teuer bezahle. Auf einmal ist aus einem vermeintlich günstigen Produkt für 14 Euro eines für 28 Euro geworden. Da lässt sich der Konsument, der das freiwillig kauft, verarschen", sagt Mälzer. Für ihn ist die Trickserei ein Skandal: "Ich bin der Meinung, dass das in meinen Augen gesetzeswidrig ist."

    Achten Sie deshalb beim Kauf auf die Angaben der Verpackung. Gibt es einen Vermerk wie "Mit Schutzglasur", bedeutet das in der Regel einen deutlichen Gewichtsverlust. Entscheidend ist deshalb das Abtropfgewicht, nicht das Füllgewicht. Und: Zutaten wie Zitronensäure und Polyphosphate bei den Inhaltsstoffen deuten daraufhin, dass der Fisch mit Wasser angereicht wurde.

    Ist Fisch wirklich so gesund?

    "Fisch ist ein super Nahrungsmittel", sagte Ernährungsmediziner Matthias Riedel. " Es ist ein toller Eiweißträger, hat Omega-3-Fettsäuren, enthält fast alle Vitamine und Jod."

    Doch wie immer gilt: Man sollte Fisch in Maßen genießen - nicht nur wegen der weltweiten Überfischung. "Bei den großen Raubfischen gibt es maximale Verzehrempfehlungen wegen des Quecksilbergehalts. Beim Thunfisch sollte man ein halbes Kilo im Monat nicht überschreiten, beim Schwertfisch sind es 100 Gramm."

    Tropische Garnelen seien zudem häufiger mit Antibiotika belastet als etwa Krabben aus der Nordsee, sagt Mälzer. Auch bei Zuchtlachs sei Bioware deutlich gesünder. Wichtig: Fisch sollte immer gut gekühlt sein, da Bakterien und Keime sich schnell vermehren. Fisch, der roh verzehrt wird (etwa für Sushi), sollte vorher mindestens 24 Stunden durchgefroren sein, um Würmer und Parasiten abzutöten.

    Mehr Übersicht im Siegel-Dschungel

    Und welchem Siegel auf der Packung kann man trauen? Diese Frage beantwortete Silke Schwartau von der Hamburger Verbraucherzentrale. "Empfehlenswerte Gütesiegel sind MSC, ASC, Bio-Label wie Naturland oder Friend Of The Sea." Zertifikate wie "Delfinschonend gefangen" seien dagegen nichtssagend.

    Anmerkung: In der ersten Version des Artikels hieß es, Thunfisch sei Platz drei der meistgegessenen Fische in Deutschland. Tatsächlich ist es Hering.

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