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"Kein erhöhtes Ansteckungsrisiko" Blutkonserven in Zeiten von Corona: "Wir sind permanent auf Spender angewiesen"

Bltuspende
Bundesweit fehlt es während der Coronavirus-Pandemie an Blutspenden (Archivbild)
© Maja Hitij / DPA
Blutspenden sind auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie wichtig. Darauf machen die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes im stern-Interview aufmerksam. Zwar stieg die Zahl der Spender zuletzt wieder an, die Lage könne sich jedoch jederzeit ändern. So können Sie helfen.

Der normale Betrieb in den deutschen Krankenhäusern geht ungeachtet der Coronavirus-Pandemie weiter. Das heißt: Schwerverletzte müssen behandelt werden, nicht aufschiebbare Operationen stattfinden und Krebspatienten versorgt werden. Dafür brauchen die Kliniken Blutkonserven. Dass diese wegen der Sars-CoV-2-Krise knapp werden, wollen die deutschen Blutspendedienste unbedingt verhindern.

Blutspenden in Zeiten des Coronavirus weiter wichtig

In einigen Regionen wurden zwischenzeitlich schon weniger Blutspenderinnen und -spender verzeichnet, sagt Patric Nohe von den Blutspendediensten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im stern-Interview. Zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz deckt das DRK nach eigenen Angaben rund 75 Prozent des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland.

Herr Nohe, "Die Zahl der Blutspenden geht zurück" – das war seit Beginn der Coronavirus-Krise häufiger zu lesen. Wie ist die Situation zurzeit?

Im Moment können wir den Bedarf an Blutkonserven decken. In den vergangenen Wochen gab es regional aber bereits Rückgänge beim Blutspendeaufkommen, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Dort hat sich das Blutspendeaufkommen aber zuletzt wieder stabilisiert. Allerdings sind wir darauf angewiesen, dass das auch so bleibt und die Leute kontinuierlich weiter zu uns kommen. Denn Blutkonserven sind nur 42 Tage lang haltbar. Insofern müssen wir die Lage Tag für Tag neu bewerten.

Wie hoch ist denn der tägliche Bedarf an Blutkonserven?

Täglich werden hierzulande rund 15.000 Einheiten benötigt. Eine Unterdeckung hatten wir auch während der jüngsten Engpässe glücklicherweise nicht. Zur Not findet auch ein Import aus Regionen statt, in denen es ausreichend Konserven gibt. Unterm Strich sind wir aber permanent auf Spenderinnen und Spender angewiesen.

Was passiert, wenn es nicht genug Blutspenden gibt?

Das ist in den letzten Jahren in Deutschland zum Glück nicht vorgekommen. Mögliche Folgen, zum Beispiel bei der Operation von Schwerstverletzten, kann sich jeder selber ausmalen, denke ich: Patientinnen und Patienten werden dann nicht überleben. Insofern sind wir immer auf Blutkonserven angewiesen, denn Blut kann nicht künstlich hergestellt werden.

Manch potenzielle Spenderinnen und Spender mögen sich in Zeiten des Coronavirus um die eigene Gesundheit sorgen ...

Beim Blutspenden besteht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Für die Kolleginnen und Kollegen in den Blutspendezentren ist es allein schon aufgrund der jährlichen Grippewelle selbstverständlich, auf höchste Hygienestandards zu achten; Blutspenden unterliegen ohnehin strengen Vorschriften. Darüber hinaus haben wir weitere Vorkehrungen getroffen: Gleich am Eingang wird die Körpertemperatur gemessen, in den Wartebereichen achten wir auf ausreichenden Abstand, die Liegen stehen weiter auseinander als normalerweise, Desinfektionsmittel ist vorhanden. Beim Blutspenden muss niemand Angst haben, sich mit Coronavirus zu infizieren. Wer zu uns kommt, sollte auf die üblichen Empfehlungen achten, also zum Beispiel Abstand zu anderen Menschen halten und regelmäßig und gründlich die Hände waschen.

Wer kommt überhaupt als Blutspender infrage?

Formell müssen Blutspenderinnen und Blutspender mindestens 18 Jahre und bei der Erstspende maximal 64 Jahre alt sowie gesund sein. In Bezug auf das Coronavirus gilt: Wer wissentlich Kontakt zu einer infizierten Person hatte, kann leider nicht spenden, Gleiches gilt für Menschen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in einem der vom Robert-Koch-Instituten definierten Risikogebieten (Ägypten, chinesische Provinz Hubei, Region Grand Est in Frankreich, Iran, Italien, österreichisches Bundesland Tirol, Madrid, Provinz Gyeongsangbuk-do in Südkorea, US-Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York; Anm. d. Red.) aufgehalten haben. Hier appellieren wir dringend an die Eigenverantwortung der Leute, nicht zur Blutspende zu kommen. Auch wenn es laut Robert-Koch-Institut keinerlei Hinweise darauf gibt, dass Sars-CoV-2 über Blutspenden weitergegeben werden kann.

An wen können sich Menschen wenden, die Blut spenden möchten?

Allein das Bayerische und das Deutsche Rote Kreuz bietet jährlich über 43.000 Blutspendetermine an. Über unsere Internetseite blutspende.de kann jede und jeder Termine in ihrer oder seiner Nähe finden. Alternativ gibt es die bundesweite Hotline (0800) 1194911, bei der man sich informieren kann sowie unsere Social-Media-Kanäle. Dort beantworten die Kolleginnen und Kollegen auch alle Fragen rund ums Thema.

Gibt es etwas dafür?

Unsere Blutspenderinnen und Blutspender bekommen ein Lunchpaket und eine kleine Überraschung. Das Wichtigste ist aber das gute Gefühl, mit einer Spende bis zu drei Menschen das Leben gerettet zu haben.


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