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Coronavirus Alternative mit Vor- und Nachteilen: Das müssen Sie über den Corona-Impfstoff von AstraZeneca wissen

Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff "Covishield" von AstraZeneca
Fläschchen mit dem Corona-Impfstoff "Covishield" von AstraZeneca
© Ian Forsyth / Getty Images
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gibt grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. Wie unterscheidet sich das Mittel von den bisher freigegebenen Impfstoffen? Alle wichtigen Infos auf einen Blick.

Nach den Corona-Impfstoffen des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie des US-Unternehmens Moderna wird in Deutschland und den anderen EU-Staaten schon bald ein drittes Vakzin gegen Sars-CoV-2 hinzukommen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht für eine Zulassung des Corona-Impfstoffs aus dem Hause AstraZeneca gegeben. Die endgültige Entscheidung über die Zulassung muss nun die EU-Kommission treffen – das gilt als Formsache.

Das zusammen mit der Universität Oxford entwickelte Vakzin hat den Vorteil, dass es deutlich billiger und leichter zu lagern ist als die bereits in der EU zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Allerdings ist ein Streit zwischen AstraZeneca und Brüssel entbrannt, weil das Unternehmen vorerst deutlich weniger Dosen in die EU liefern will als vereinbart.         

Auf welcher Methode basiert der AstraZeneca-Impfstoff?

Es handelt sich um einen Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des sogenannten Spike-Proteins des Coronavirus genetisch verändert wird.   

Mit dem Spike-Protein, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das Spike-Protein und damit gegen Sars-CoV-2 bilden.    

Wie unterscheidet sich das Vakzin von den bereits in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffen?

Die Impfstoffe aus dem Hause Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Sie enthalten lediglich den Bauplan für ein Virusprotein. Die Zelle beginnt nach dem Bauplan der mRNA mit der Produktion des Spike-Proteins, das als Antigen eine Immunantwort auslöst.

Wie wirksam ist der AstraZeneca-Impfstoff?    

Die Entwickler meldeten im November ein Zwischenergebnis, wonach der Impfstoff durchschnittlich zu 70 Prozent wirksam sei. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna sind hingegen zu rund 95 Prozent wirksam. Laut AstraZeneca gibt es jedoch Hinweise, dass ein Variieren der Impfdosis zu höherer Wirksamkeit führen könnte. Auch der Abstand zwischen beiden Impfdosen könnte eine Rolle spielen.    

Für die Wirksamkeit des Vakzins bei Menschen ab 65 Jahren hat AstraZeneca in seinen klinischen Tests zunächst nur wenige Daten erhoben. In einem am Donnerstag bekannt gewordenen Entwurf der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts hieß es, das AstraZeneca-Präparat solle "nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt" sind. Dies wird künftig auch der Fall sein.

Welche Vorteile hat das Vakzin von AstraZeneca?    

Mit einem Preis von rund zwei Euro pro Dosis ist der Impfstoff ziemlich günstig. Außerdem lässt er sich bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad lagern. Damit ist er ideal für großangelegte Impfkampagnen.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer benötigt bei längerer Lagerung hingegen eine extrem niedrige Temperatur von minus 70 Grad. Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna muss immerhin auf minus 20 Grad heruntergekühlt werden.

Wann und in welchem Umfang wird der AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland und dem Rest der EU eingesetzt?

Bereits vor Monaten hat die EU sich vertraglich 300 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs gesichert und eine Option auf weitere 100 Millionen Impfdosen ausgehandelt. Vor einer Woche teile AstraZeneca allerdings mit, dass das Unternehmen der EU zunächst deutlich weniger Corona-Impfdosen liefern könne als vorgesehen – ein EU-Sprecher sprach von einer Verringerung um 75 Prozent im ersten Quartal. Grund sind laut AstraZeneca Probleme in einem belgischen Werk. Bei Großbritannien und anderen Nicht-EU-Ländern sind allerdings offenbar keine Lieferkürzungen geplant.

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Die EU will sich damit nicht abfinden und dringt auf die Einhaltung der Verträge. Nach einem erneuten Gespräch mit AstraZeneca-Chef Pascal Soriot am Mittwochabend beklagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, dass es weiter keine Klarheit über den Lieferzeitplan gebe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Ende vergangener Woche gesagt, er rechne für Februar mit mindestens drei Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffs für Deutschland. Dies sei zwar "leider weniger als erwartet", werde aber "einen Unterschied" bei Deutschlands Corona-Impfkampagne machen.

ikr AFP

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