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Steigende Infektionszahlen Von Australien bis Portugal: Diese Länder greifen erneut zum Lockdown

Eine Polizistin spricht mit einer Bewohnerin am Eingang einer Wohnsiedlung
Eine Polizistin im australischen Melbourne spricht mit einer Bewohnerin einer Siedlung, die aufgrund eines Anstiegs der Coronavirus-Infektionen abgeriegelt wurde
© William West / AFP
In vielen Ländern sind die Corona-Infektionszahlen gesunken, die Beschränkungen wurden gelockert. Manchmal zu sehr. Nun nehmen die Ansteckungen wieder zu und einige Staaten und Regionen fahren ihr öffentliches Leben wieder zurück.

Mit dem Beginn der Corona-Pandemie und steigenden Infektions- und Todeszahlen haben viele Länder weltweit Regelungen eingeführt, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Häufig mündeten diese Regelungen in einem Lockdown, also einem Herunterfahren der Öffentlichkeit. So wurden etwa Restaurants, Bars, Fitnessstudios und Schulen geschlossen. In manchen Ländern war sogar nur Einkaufen und der Weg zur Arbeit erlaubt.

Nachdem die Ansteckungszahlen gesunken waren, haben viele Länder ihre Corona-Regeln wieder gelockert und den Lockdown aufgehoben. Doch nun nehmen die Infektionszahlen in manchen Teilen der Welt wieder zu. Deshalb wurde in einigen Staaten entschieden, den Lockdown wieder einzuführen – wenn auch häufig nur lokal oder regional.  

Übersicht: In diesen Ländern gibt es wieder einen Lockdown

Auch in Deutschland wurden im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfahlen die Corona-Einschränkungen wieder eingeführt, nachdem es zu einem Ausbruch von Corona-Infektionen im Schlachtbetrieb Tönnies gekommen war. Inzwischen liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner deutlich unter dem Grenzwert, zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die von der Landesregierung verfügten Corona-Einschränkungen gekippt.

In welchen Staaten wurden wieder Lockdown und Corona-Einschränkungen eingeführt? Eine Übersicht:

Melbourne, Australien: Australiens zweitgrößte Stadt geht wegen eines drastischen Anstiegs der Corona-Infektionen erneut in einen sechswöchigen Lockdown. Mehrere Wochen lang war die rund fünf Millionen Einwohner zählende Hauptstadt des Bundesstaates Victoria "geöffnet", doch ab Mittwoch,  0 Uhr, werden wieder strikte Ausgangssperren in Kraft gesetzt, teilte der regionale Regierungschef Daniel Andrews mit. Am Dienstag haben die Gesundheitsbehörden 191 Neuinfektionen bestätigt, einer der höchsten Anstiege innerhalb eines Tages in Australien seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Die Bürger dürfen in den kommenden Wochen das Haus nicht verlassen. Ausnahmen: Einkaufen von Lebensmitteln, Arzt- und Pflegebesuche, Sport und Arbeit. Gäste dürfen nicht empfangen werden, außerdem bleiben Schulen in den betroffenen Gebieten geschlossen. Die rund fünf Millionen Bewohner Melbournes dürfen außerdem ihre Stadt nicht verlassen. Das Militär ist mobilisiert, um die Polizei bei der Durchsetzung der Ausgangsbeschränkungen zu unterstützen.Die Grenze zwischen den Bundesstaaten Victoria und New South Wales wird ebenfalls geschlossen. 

Leicester, Großbritannien: Wegen hoher Corona-Fallzahlen hat die britische Regierung für die mittelenglische Stadt Leicester erneut strikte Beschränkungen des öffentlichen Lebens verhängt. Während die Rate der Infektionsfälle in den meisten Landesteilen zurückgegangen sei, sei sie in Leicester zuletzt weiter gestiegen, begründete Gesundheitsminister Matt Hancock den Schritt. Nicht essenzielle Geschäfte mussten deshalb ab Dienstag, den 30. Juni in Leicester schließen, Schulen ab Donnerstag. Nach zwei Wochen sollen die Maßnahmen laut Hancock auf den Prüfstand kommen.

Israel: Nach einem deutlichen Anstieg von Corona-Neuinfektionen hat Israel die Beschränkungen zur Eindämmung des Virus verschärft. Das Kabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entschied nach Angaben seines Büros, dass Festhallen, Bars, Nachtclubs, öffentliche Schwimmbäder und Fitnessstudios bis auf Weiteres schließen müssen. Der Strand, Religionsschulen und Restaurants sollten dagegen geöffnet bleiben. Für Restaurants, Gebetshäuser und Busse gelten Personen-Obergrenzen. Die Maßnahmen müssen noch vom Parlament gebilligt werden. Auch im Westjordanland gilt seit Freitag wegen eines ähnlichen Neuausbruchs ein fünftägiger Lockdown.

Netanjahu hatte am Sonntag von einer Notstandslage und einem "sehr starken Ausbruch" des Coronavirus gesprochen. Am Freitag überschritt die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden erstmals die Marke von 1000. 

Spanien: Nach der katalanischen Region Segrià wurde im einstigen Corona-Hotspot Spanien wieder ein größeres Gebiet wegen steigender Infektionszahlen unter Quarantäne gestellt. Der Landkreis A Mariña in der galicischen Provinz Lugo im Nordwesten des Landes soll zwischen Montag und Freitag fünf Tage lang abgeriegelt werden, wie die Regionalregierung von Galicien mitteilte. Betroffen sind etwas mehr als 70.000 Menschen. Am Sonntag gab es in A Mariña nach amtlichen Angaben insgesamt 106 Infizierte. In A Mariña werden nun unter anderem die Öffnungszeiten der Gasthäuser gekürzt, größere Menschenansammlungen sind bis Freitag wieder strikt untersagt.

Segrià – mit der Großstadt Lleida – war die erste Region, die nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen in Spanien wieder abgeriegelt worden war. Insgesamt sind dort seit Samstag, 12 Uhr, 200.000 Menschen betroffen. Bis auf Weiteres darf niemand einreisen oder die Region verlassen, außer um zur Arbeit zu gelangen. Die Polizei errichtete Kontrollposten an den Zufahrtsstraßen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Versammlungen zu meiden und familiäre Feiern stark zu begrenzen oder zu verschieben.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden waren die Infektionsfälle in Segrià innerhalb weniger Tage um mehr als 300 auf gut 4000 geklettert. Die meisten Infektionen stünden mit Agrarbetrieben, Seniorenheimen und einem Wohnviertel in Zusammenhang, berichteten Medien.

Belgrad, Serbien: Nach einem starken Anstieg der Infektionszahlen hat die serbische Regierung am vergangenen Freitag für die Hauptstadt Belgrad Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verhängt. So gilt nunmehr Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Ämtern. Zuwiderhandelnde können mit Geldstrafen belegt werden. Gaststätten, Cafés und Clubs müssen spätestens um 23 Uhr schließen. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sind nur mehr noch mit bis zu 100 Teilnehmern, im Freien mit bis zu 500 Teilnehmern erlaubt. Ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern ist einzuhalten. Serbien hatte am Vortag 359 neue Ansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 verzeichnet. 

USA: Die Rate der Infektionen nimmt in den USA wieder deutlich zu. Vor allem die Bundesstaaten Florida, Texas, Georgia, Arizona und Kalifornien sind betroffen. Lockerungen wurden inzwischen in mehreren Regionen des Landes teilweise wieder rückgängig gemacht. 

So dürfen etwa in Los Angeles und zahlreichen weiteren kalifornischen Städten Restaurants keine Gäste mehr in Innenräumen bewirten. Das Verbot gilt für mindestens drei Wochen, wie Gouverneur Gavin Newsom sagte. In dem Westküstenstaat hatten Restaurants Ende Mai nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen dürfen. Auch in Michigan wurden die Bars wieder im Innenbereich geschlossen, Oregon, Pennsylvania, Texas und der Bezirk Miami-Wade in Florida führten wieder eine Maskenpflicht ein. Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, ordnete zudem ein Verbot von Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern an.

Die USA sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie heimgesuchte Land der Welt. Die Gesamtzahl der Infektionsfälle liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität inzwischen bei 2,93 Millionen. Die Zahl der verzeichneten Todesopfer liegt bei mindestens 130.000.

Lissabon, Portugal: Wegen einer Zunahme der Corona-Infektionen müssen weite Teile des Großraums Lissabon seit dem 1. Juli zwei Wochen lang wieder in den Lockdown. Die Bewohner der 19 betroffenen Gemeinden im Großraum der Hauptstadt werden demnach nur noch aus dem Haus gehen dürfen, um Einkäufe zu tätigen, zur Arbeit zu fahren oder einen Arzt aufzusuchen. In dieser Zeit werden dort nur Versammlungen von maximal fünf Personen zulässig sein. Die Bezirke im Zentrum Lissabons sind nicht betroffen. Die Region Lissabon ist seit Mittwoch mit knapp 18.000 Infektionsfällen erstmals seit Ausbruch der Pandemie der von Corona am schwersten betroffene Teil des Landes.

China: Runde eine halbe Million Chinesen, die in der Nähe von Peking leben, müssen seit Ende Juni wegen eines neuen Coronavirus-Ausbruchs in den Lockdown. Das teilten die chinesischen Behörden mit, nachdem die Zahl der Neuinfektionen in der Hauptstadt erneut gestiegen war. Betroffen von dem Lockdown sind Chinesen im Kreis Anxin, der 150 Kilometer von Peking entfernt liegt. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde wird der Ort "vollständig abgeriegelt und kontrolliert". Die Bewohner müssten zu Hause bleiben. Nur ein Vertreter pro Familie dürfe rausgehen, um Einkäufe zu erledigen und Medizin zu besorgen, hieß es.

Nach zwei Monaten ohne neue Ansteckungen in Peking ist die Zahl der Neuinfektionen seit dem 11. Juni auf 311 gestiegen. Als Ausgangspunkt wird der Xinfadi-Markt in Peking vermutet, der nach Behördenangaben seit dem 30. Mai von rund 200.000 Menschen besucht wurde.   

rw DPA AFP

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