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Lungenkrankheit: Warum die Quarantäne beim Coronavirus aktuell so wichtig ist

Die Maßnahme wirkt drastisch: Wer Kontakt zu Coronavirus-Infizierten hatte, kommt in häusliche Quarantäne. Die Isolation soll Zeit verschaffen. Die wird aus mehreren Gründen gebraucht.

Prof. Dr. med. Johannes Knobloch

In Deutschland haben sich bislang mehr als 135 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 angesteckt. Die meisten davon, rund 70 Fälle, sind im stark betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Neben Bundesländern wie Bayern, Hessen und Niedersachsen meldet nun auch Berlin einen ersten Coronavirus-Erkrankten: Ein junger Mann aus Mitte habe sich mit dem Erreger infiziert und werde derzeit isoliert an der Charité behandelt, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Montagmorgen mit. Zehn Kontaktpersonen seien bislang ermittelt worden. Sie befänden sich in häuslicher Quarantäne und sollen ebenfalls auf Sars-CoV-2 getestet werden.

Die häusliche Quarantäne von Kontaktpersonen dient vor allem einem Zweck: Zeit gewinnen. Nach Angabe des Robert Koch-Instituts soll die weitere Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland "so weit wie möglich verhindert oder zumindest verlangsamt werden." In Deutschland gibt es jahreszeitlich bedingt zahlreiche Grippe-Erkrankungen, auch wenn der Gipfel der Erkrankungswelle bereits überschritten scheint. Die Behörden versuchen daher, die aktuelle Grippewelle von einer möglichen Corona-Erkrankungswelle zu entkoppeln. 

Gesundheitssystem entlasten

"Zum jetzigen Zeitpunkt macht es Sinn, alle Patienten mit Symptomen und deren Kontakte zu testen und zu isolieren, damit das Virus so weit wie möglich eingedämmt werden kann und wir nicht zu viele schwere Fälle auf einmal bekommen, die das Gesundheitssystem überlasten", sagt Isabella Eckerle von der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Genf. Zu einer Überlastung könne es auch dann kommen, wenn zu viele Menschen gleichzeitig erkranken, wie es etwa bei schweren Grippe-Epidemien der Fall ist. 

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Um das zu verhindern, kommen Kontaktpersonen von bestätigten Coronavirus-Fällen für 14 Tage in häusliche Quarantäne. Bei den zwei Wochen handelt es sich um die maximale Dauer der Inkubationszeit - der Zeitraum von einer möglichen Infektion bis hin zum Auftreten erster Symptome. Das Gesundheitsamt halte täglich Kontakt mit den Betroffenen, um den Gesundheitszustand zu überwachen, heißt es auf der Seite des Robert Koch-Instituts. Unter Quarantäne stehende Menschen sollten zu Hause bleiben, Abstand von Dritten halten, sich regelmäßig die Hände waschen und die Wohn- und Schlafräume gut belüften. Geschirr und Wäsche sollten nicht mit Familienmitgliedern geteilt werden, ohne diese vorher zu reinigen.

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Impfstoff und Medikamente gegen das Coronavirus

"Zeit ist im Kampf gegen das Virus ein wichtiger Faktor", sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vor einigen Tagen in einem Gastbeitrag für den stern. "Zeit hilft uns dabei, Wirkstoffe gegen den Erreger zu finden und Impfstoffe entwickeln zu können." Alle Kraft sollte aktuell in Maßnahmen fließen, die dabei helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. (Zum vollständigen Artikel geht es hier.)

Sollten in den kommenden Tagen und Wochen viele Tausende neue Coronavirus-Fälle dazukommen, mache es aber keinen Sinn mehr, alle Erkrankten in Kliniken zu isolieren - die Ressourcen müssten dann neu verteilt werden, so Schmidt-Chanasit. "Ab diesem Punkt wird es vor allem darum gehen, die besonders gefährdeten Personengruppen zu schützen und gut zu behandeln. Dazu zählen Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und Erkrankungen der Atemwege, auch Raucher." Um die Kliniken nicht zu überlasten, könnten leichte Verläufe auch zu Hause auskuriert werden. "Noch sind wir nicht an diesem Punkt", so Schmidt-Chanasit. 

Das Coronavirus trägt den wissenschaftlichen Namen Sars-CoV-2 und kann eine Lungenkrankheit - Covid-19 - auslösen. Laut RKI erkranken 15 von 100 Infizierten schwer, bis hin zu einer Lungenentzündung und Atemnot. Ein Großteil der Infizierten entwickelt dagegen nur leichte Beschwerden. Die Symptome ähneln einer Erkältung mit Halsschmerzen, Frösteln, Husten, Kopfschmerzen und leichter Abgeschlagenheit. Einige Betroffene entwickeln auch Durchfall oder zeigen keinerlei Symptome. 

ikr

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