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Gesundheit Sport statt Pillen: Warum Laufen besser wirkt als viele Medikamente

Eine Läuferin schaut auf ihre Fitness-Uhr
Vor allem von Ausdauertraining wie Laufen oder Schwimmen profitiert das Herz-Kreislaufsystem. Wer regelmäßig Sport treibt, kann sich so vor Krankheiten schützen.
Kann man einer Krankheit wie Bluthochdruck davonlaufen? Unsere Autorin glaubt an die Heilkraft der Bewegung. Die Forschung und ihre Erfahrungen geben ihr recht. 

In meiner Familie haben fast alle Frauen sobald sie über 40 sind Bluthochdruck. Das geht schon seit Generationen so. Warum konnte bisher kein Arzt erklären. Vermutlich wird die Veranlagung dazu vererbt. Bisher wurde ich davon verschont. Vielleicht, weil ich regelmäßig trainiere. Und so, meine Hoffnung, meine Gene ihre schädliche Wirkung nicht entfalten können. Ich scherze immer mit meinem Mann darüber, dass ich versuche, meinem Erbe davon zu laufen.

Natürlich will ich mein Leben lang fit, schlank und gesund sein. Und mindestens 100 Jahre alt werden. Davon träumt wohl jeder. Mich einfach meinem Schicksal zu ergeben, passt nicht in diesen Plan. Und vielleicht komme ich tatsächlich so davon. Denn trotz der erblichen Vorbelastung bin ich kein hoffnungsloser Fall. Glücklicherweise treibe ich seit meiner frühen Kindheit Sport. Anfangs ging meine Mutter mit mir zum Kinderturnen, später spielte ich Handball, Tennis und dann Basketball. Heute bin ich Läuferin. Was das mit meinem Blutdruck zu tun hat?

Inzwischen ist wissenschaftlich recht gut belegt, dass Bewegung positiv auf unser Erbgut wirkt. Gene können durch Sport regelrecht an- und ausgeschaltet werden. Vor allem Ausdauersportarten wie Schwimmen und Laufen aktivieren im Körper Abwehrmechanismen, die nicht nur das Immunsystem stärken, sondern auch Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herzinsuffizienz und eben Bluthochdruck vorbeugen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass regelmäßige Bewegung Chromosomenschäden ausgleichen und die DNS stabil halten kann. Falls das stimmt, könnte es sein, dass Kinder von sportlichen Eltern gute Gene vererbt bekommen und somit ein geringeres Risiko haben, an chronischen Krankheiten zu leiden. Noch steht die Forschung dazu am Anfang. Aber ich will schon jetzt daran glauben.

Laufen vermindert Risikofaktoren wie hohes Cholesterin

Ob es gut geht, weiß ich nicht. Aber selbst wenn es irgendwann nicht mehr reichen sollte, war es nicht vergebens. Eine australische Studie zeigte kürzlich, dass die Schädlichkeit von Risikofaktoren wie hohes Cholesterin, Übergewicht oder Bluthochdruck durch Sport vermindert werden kann. An fast 9000 Personen wurde belegt, dass Bewegung auch bei solchen Vorbelastungen das Sterberisiko senken kann. Sogar so stark, dass die Lebenserwartung höher ist als die von Menschen ohne Risikofaktoren, die keinen Sport treiben.

Das ist natürlich kein Freifahrtschein für mich, meine Blutdruckwerte zu ignorieren. In den USA ist von Wissenschaftlern die Empfehlung ausgegeben worden, dass die Werte idealerweise bei 120 zu 70 liegen sollten. Bislang galt 140 zu 80. Das macht meinen Spielraum enger. Aber trotzdem ist es ein erleichterndes Gefühl, dass ich mein Schicksal auch selbst in der Hand habe.

Der Blutdruck sinkt messbar und für mindestens 24 Stunden

Denn: Sogar wenn meine Gene doch noch ihre Wirkung entfalten, bin ich sportlich besser geschützt. Denn 30 Minuten moderate Bewegung am Morgen senken den Blutdruck 24 Stunden lang – selbst wenn Sie den Rest des Tages inaktiv sind oder sein müssen. Die Differenz beim systolischen Blutdruck, also dem Wert, der die Elastizität der Gefäßwände in den großen Arterien anzeigt, war vergleichbar mit der Wirkung eines Hochdruckmedikaments. Warum das so ist, das können Wissenschaftler inzwischen immer besser erklären. Bewegung wirkt auf das sogenannte Endothel, die innere Gewebeschicht, mit der Blutgefäße ausgekleidet sind. Wer sich körperlich belastet, sorgt dafür, dass dem Gefäßinneren mehr Stickstoffmonoxid zur Verfügung steht.

Das ist natürlich kein Freifahrtschein, die Blutdruckwerte einfach zu ignorieren. Aber es ist ein schönes Gefühl, dass ich, egal was kommt, mein Schicksal beeinflussen kann. Kürzlich sagte mir ein Arzt in einem Interview für eine ganz andere Geschichte: "Wissen Sie, wir selbst entscheiden, was aus uns und unserer Gesundheit wird." Dieser Satz beeindruckte mich damals sehr und ich habe häufiger darüber nachgedacht. Wäre schön, wenn er Recht hätte.

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