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Duisburg: An dieser Haltestelle können Demenzkranke auf den Bus warten – halten wird nie einer

"Bitte nicht einsteigen!" – Duisburg hat eine neue Schein-Bushaltestelle für Demenzkranke. An der Haltestelle können Demente auf den Bus warten, bis sie wieder vergessen haben, wohin sie eigentlich wollten. 

Schein-Bushaltestelle für Demenzkranke in Duisburg

An dieser Stelle können Demenzkranke auf den Bus warten. Halten wird nie einer.

"Ich muss gleich los und noch kurz 'was einkaufen fahren" – solche Sätze hört man häufig von Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Weil das (Kurzzeit-)Gedächtnis massiv geschädigt ist, neigen Demenzkranke dazu, in der Vergangenheit zu leben. Denn an Abläufe und Aufgaben vergangener Tage erinnern sie sich meistens noch gut. Deshalb wurde in Duisburg jetzt eine neue Bushaltestellen-Attrappe errichtet. Vor dem "Walter-Cordes Wohnstift", einem Seniorenheim, steht nun eine von den Duisburgern Verkehrsbetrieben bereitgestellte Haltestelle – inklusive fiktivem Fahrplan und Sitzgelegenheiten für die Wartenden.

Demenz: Manchmal reichen schon zwei Minuten des Wartens

In einer Pressemitteilung erklären die Verkehrsbetriebe, die die Haltestelle auf Wunsch des Wohnheims ins Leben gerufen haben, den Ansatz der "Fake"-Haltestelle. Demente seien häufig unruhig und wollten in ihre alte Umgebung zurück. In diesen Fällen leiste die Bushaltestelle "wertvolle Dienste". Bewohner des Wohnheims könnten so im festen Glauben an ihre Reise zur Bushaltestelle gehen und auf den nächsten Bus warten. Doch der wird niemals kommen. Wie die Verkehrsbetriebe schreiben, reichten manchmal schon zwei Minuten des Wartens aus und der Demenzkranke hat vergessen, warum er an Ort und Stelle ist. Die Hoffnung des Wohnheims ist, dass die Bewohner dann wieder zur Einrichtung zurückkehren und sich ganz allgemein so besser kontrollieren lassen.

Immer wieder kommt es vor, dass demente Menschen planlos an Orte geraten und dann gar nicht mehr wissen, was sie genau dort überhaupt machten oder vorhatten. Das kann in Einzelfällen auch zur Gefahr im Straßenverkehr werden. Schein-Bushaltestellen sollen da Abhilfe schaffen. Die Idee dazu gibt es in Deutschland seit 2006. In der Bundesrepublik sind mehrere solcher Haltestellen verteilt – meist in der Nähe von Klinken, Wohnheimen oder Therapieeinrichtungen.

Nach Angaben des Ministeriums für Bildung und Forschung waren 2017 rund 1,6 Millionen Deutsche an Demenz erkrankt. 2050 könnten es schon drei Millionen sein.

Risikofaktoren für Demenz
hh

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