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Ebola in Westafrika: WHO stellt 100 Millionen Dollar zur Ebola-Bekämpfung bereit

Die Weltgesundheitsorganisation will per 100-Millionen-Sofortprogramm eine Ausweitung des Ebola-Virus verhindern. Wissenschaftler vermuten unterdessen, Flughunde könnten die Seuche ausgelöst haben.

Mit einem Sofortprogramm im Volumen von 100 Millionen Dollar reagiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf den bisher schwersten Ausbruch der tödlichen Ebola-Seuche. "Das Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und die damit verbundenen Risiken erfordern, dass die WHO und die betroffenen Länder ihrer Antwort eine neue Qualität geben", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag. Der gegenwärtige Ebola-Ausbruch in Westafrika sei beispiellos, warnte Chan. Nötig seien mehr finanzielle Mittel und eine bessere Unterstützung der betroffenen Regionen durch Fachleute. Dringend benötigt würden vor allem Seuchenfachleute, Ärzte und Krankenschwestern. Auch Logistikfachleute würden gesucht, appellierte Chan an die Staatengemeinschaft. Insgesamt müsse das Helferkontingent dringend um einige Hundert Experten aufgestockt werden.

Unterdessen haben die USA eine Reisewarnung für Guinea, Liberia und Sierra Leone ausgegeben, teilte das Center for Disease Control am Donnerstag in Washington mit. Bereits zuvor hatte das US-Friedenscorps angekündigt, Hunderte Helfer aus den drei betroffenen Ländern abzuziehen.

Nach WHO-Angaben sind bei dem Ausbruch inzwischen mehr als 720 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 1300 Menschen haben sich infiziert. Die Seuche führt in 60 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod.

Seuche womöglich durch Flughunde ausgelöst

Wissenschaftler haben inzwischen eine erste Vermutung, woher der Erreger der Epidemie stammen könnte. Ihrer Ansicht nach geht die Seuche womöglich auf Flughunde zurück. Entweder seien manche der Tiere in der Region schon seit langem Träger des Virus oder ein infizierter Flughund sei aus Zentralafrika hergezogen, berichtet das Forscherteam im Fachmagazin "PLOS Neglected Tropical Diseases". Ob Tiere der Region Ebola-Erreger tatsächlich in sich haben, werde derzeit noch untersucht.

Es sei unwahrscheinlich, dass ein Mensch den Erreger nach Guinea gebracht habe, schreiben Daniel Bausch von der Tulane School of Public Health and Tropical Medicine in New Orleans und Lara Schwarz von der McGill University im kanadischen Montreal. "Es gibt kaum regelmäßige Handels- oder Reiserouten zwischen Zentralafrika und Guinea, und Guéckédou - das Ebola-Epizentrum, wo das Virus wahrscheinlich erstmals aufgetreten ist - liegt ganz weit abgelegen."

Wissenschaftler vermuten, dass die Seuche durch Flughunde ausgelöst worden sein könnte

Wissenschaftler vermuten, dass die Seuche durch Flughunde ausgelöst worden sein könnte

Flughunde werden in Afrika gegessen

Ebola-Viren werden vor allem beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Die Vereinten Nationen hatten darum schon vor Wochen davor gewarnt, in der Region Flughunde und andere Wildtiere zu jagen und zu verzehren. Nach Angaben der UN-Ernährungsorganisation FAO werden die Tiere in Westafrika getrocknet oder auch in scharfen Suppen gegessen.

Dass es überhaupt zu einer Epidemie gekommen sei, liege zum großen Teil an den sozialen und politischen Zuständen in den betroffenen Ländern. "Solche Epidemien treten nicht zufällig auf - oft geschieht dies in Gebieten, in denen die Wirtschaft und das öffentliche Gesundheitswesen nach jahrzehntelangen Bürgerkriegen am Boden liegen." Alle drei derzeit vor allem betroffenen Länder - Guinea, Liberia und Sierra Leone - haben in der Vergangenheit unter schweren politischen Unruhen gelitten. Armut und Unterentwicklung trieben die Menschen dazu, immer tiefer in den Wäldern zu jagen. Damit wachse das Risiko, sich bei Wildtieren zu infizieren, schreiben Bausch und Schwarz.

Zudem gebe es kaum medizinische Ausrüstung und anderes Material, um die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen. Das fange schon bei Schutzhandschuhen, Masken, sauberen Nadeln und Desinfektionsmitteln an. Als dritter Faktor kommen demnach die mangelhaften Koordinations- und Überwachungsmechanismen der Länder hinzu.

ljk/Reuters/DPA / DPA / Reuters

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