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Ehec-Epidemie: Sprossen aus Bienenbüttel unter Verdacht

Zumindest eine Quelle des Ehec-Erregers scheint ausgemacht zu sein: Sprossen von einem Hof bei Uelzen. Der Chef der Firma kann sich die Vorwürfe nicht erklären.

Sprossengemüse aus Niedersachsen ist offensichtlich eine Ursache für den schweren Ausbruch der Ehec-Seuche in Deutschland. Die Ware stammt aus einem inzwischen geschlossenen Bio-Betrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte. Unklar blieb, ob noch Ehec-verseuchte Ware im Handel ist. Insgesamt seien 18 Sprossenmischungen verdächtig.

Schon einmal hatte Experten geglaubt, eine Ehec-Infektionsquelle gefunden zu haben und zwar in einer Ladung spanischer Gurken. Weitere Untersuchungen entkräfteten dann aber den Verdacht. Die falsche Analyse hatte Proteste spanischer Bauern und der Regierung in Madrid ausgelöst.

Die Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat bleibe aber auch nach den neuen Erkenntnissen aus Niedersachsen bestehen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Ehec-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und verkauft wurde", teilte das Ministerium in Hannover weiter mit. Die Behörden sind sich zudem nicht sicher, ob der Betrieb die alleinige Quelle für die Ehec-Infektionen ist. "Ob die Untersuchungen zu einem Nachweis des Keimes führen, der für das derzeitige Ausbruchsgeschehen verantwortlich ist, bleibt abzuwarten."

Auch in Niedersachsen gebe es noch keinen definitiven Beweis. "Die Indizienlage ist jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten." Mit gesicherten Erkenntnissen sei am Montag zu rechnen, sagte Lindemann. Sprossen waren vor Jahren in Asien Ursache für eine schwere Ehec-Epidemie.

Zuchttemperatur kann Keimwachstum beschleunigen

Nach Angaben von Lindemann erkrankte eine Mitarbeiterin aus dem betroffenen Betrieb nachweislich an Ehec. "Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache", sagte er und nahm den Betrieb in Schutz. "Wir können nicht erkennen, dass der Betriebsinhaber ein Verschulden an der Entwicklung trägt."

Die Temperatur von 38 Grad bei der Zucht begünstige die Vermehrung von Bakterien. Einige Sprossenmischungen, die als Ehec-Quelle infrage kommen, stammen auch aus dem Ausland. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, sagte Lindemann nicht.

Der Geschäftsführer des Hofs, Klaus Verbeck, kann sich keinen Reim auf die Vorgänge machen. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass die Salatsprossen überhaupt nicht gedüngt würden. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet.

Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler geliefert worden. Die Behörden machten Abnehmer in Klein Meckelsen im Kreis Rotenburg (Niedersachsen), Lübeck, im Kreis Lüneburg und Bochum aus.

Die Zahl der Todesfälle infolge einer Ehec-Infektion stieg am Wochenende nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auf 21. Bundesweit sind inzwischen 1526 Ehec-Fälle bekannt, bei 627 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Zahlreiche Patienten schweben noch in Lebensgefahr.

nik/DPA / DPA

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