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Epidemie: SARS: Todesrate bis 15 Prozent möglich

Bei der Lungenkrankheit SARS ist bislang keine wirksame Therapie in Sicht. Obwohl die aktuelle Sterblichkeitsrate bei rund sechs Prozent liegt, halten Experten bis zu 15 Prozent für möglich.

Bei der Lungenkrankheit SARS ist bislang keine wirksame Therapie in Sicht. Der Leiter des Frankfurter Instituts für medizinische Virologie, Hans Wilhelm Doerr, sagte am Dienstag auf dem Deutschen Internistenkongress in Wiesbaden, die Wirksamkeit des Anti-Viren-Mittels Ribavirin habe sich in Laborversuchen nicht bestätigt. Andere ähnliche Medikamente hätten in Versuchen ebenfalls dem Virus nicht wirksam genug begegnen können.

Aktuelle Todesrate bei rund sechs Prozent

Der Mediziner Wolfgang Preiser, der bis Anfang der Woche mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation in China war, berichtete, nach den aktuellsten Zahlen liege die Sterblichkeit unter SARS-Patienten bei 6,4 Prozent. Allerdings sei eine höhere Todesrate zu befürchten, wenn anders als derzeit in Ostasien eine höhere Anzahl älterer Menschen erkranke. Unter den Toten sei jeder zweite über 60 Jahre alt. Ein zusätzliches Risiko, dass die Krankheit tödlich verlaufe, trügen Menschen, die bereits durch eine andere Erkrankung geschwächt seien.

Nach Angaben des Frankfurter Infektionsforschers Hans Reinhard Brodt ist damit zu rechnen, dass die Sterblichkeitsrate bei bis zu 15 Prozent liegt. Doerr betonte, es sei aus medizinischer Sicht sehr sicher, dass SARS durch Corona-Viren ausgelöst werde, die im Tierreich weit verbreitet seien. Eine Ansteckungsgefahr mit SARS bestehe offenbar erst dann, wenn die Krankheit bei einem Betroffenen ausgebrochen sei.

Super-Streuer beschleunigen SARS-Ausbreitung

Die Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS wird nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO von so genannten "Superspreadern" (Super-Streuern) beschleunigt. Wolfgang Preiser berichtete am Dienstag beim Internisten-Kongress in Wiesbaden über diese These. "Superspreader könnten aus nicht bekannter Ursache eine Fülle von Kontakt-Infektionen auslösen", sagte der Frankfurter Infektiologe.

Dokumentiert sei der Fall eines Arztes aus Guangdong, der in Hongkong mehr als 100 Menschen infiziert hat. Über die von ihm angesteckten Patienen habe sich die Krankheit später über die halbe Welt verbreitet. Die Experten wollen nun untersuchen, wie es zu solchen menschlichen Virenschleudern kommt. "Wir müssen verstehen, was sie von anderen unterscheidet", sagte Preiser. Laut WHO waren bis zum Montagabend weltweit 5050 SARS-Fälle bekannt, 321 Patienten starben am Schweren Akuten Atemwegssyndrom. 28 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland mit 7 Fällen.

Erste SARS-Ansteckung im Flugzeug

Bereits Mitte März hat es nach Angaben des Leiters der Frankfurter Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt, eine erste SARS-Ansteckung in einem Flugzeug gegeben. Brodt berichtete, dass der am 15. März in Frankfurt gelandete SARS-Patient aus Singapur im Flugzeug eine Stewardess angesteckt hat. Die Frau habe dem gesondert sitzenden Mann nur ein Tablett gereicht, sagte Brodt. "Meines Wissens nach ist das der erste Nachweis einer Infektion im Flugzeug."

Das SARS-auslösende Corona-Virus ist nach Angaben des Frankfurter Virologen Prof. Hans Wilhelm Doerr noch bis zu 25 Tage nach Genesung im Stuhlgang nachzuweisen. "SARS wird also nicht nur durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, es gibt auch eine Schmierinfektion." Glücklicherweise deuteten Laborbefunde aber darauf hin, dass Patienten dann am meisten ansteckend seien, wenn sie die typischen Symptome hätten.

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