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Lebensmittel: Analogkäse als Hoffnungsträger

Viele Verbraucher fühlen sich genarrt. Statt Käse aus Kuhmilch wird ihnen ein Imitat, sogenannter Analogkäse, untergejubelt. Veganer und Laktoseintolerante setzen auf die Fälschung.

Von Britta Hesener

Analogkäse sieht zwar aus wie echter Käse, besteht aber im Wesentlichen aus Pflanzenfett, Wasser und Milcheiweiß

Analogkäse sieht zwar aus wie echter Käse, besteht aber im Wesentlichen aus Pflanzenfett, Wasser und Milcheiweiß

Was in Bäckereien und Imbissen zum Überbacken genutzt wird, ist nicht immer echter Käse. Auf Pizzen oder Brötchen findet sich auch so genannter Analogkäse. Der ist nichts anderes als eine Mischung aus Pflanzenfett, Wasser und Milcheiweiß, der zum Teil Schmelzsalze, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und Farbstoffe zugesetzt werden.

Das Käse-Imitat liegt im Supermarktregal unter Namen wie "Gastromix", "Streufertiger Backbelag" oder "Pizza-Mix" neben echten Streukäse-Produkten - und tut so, als gehöre es dazu. Illegal ist es nicht, wenn erst der Blick auf die Zutatenliste verrät, dass das Lebensmittel wenig mit Kuhmilch zu tun hat. Trotzdem empören sich viele Verbraucher. Allerdings hoffen einige auch auf ein breites Analogkäse-Angebot im Handel. Milcheiweißallergiker und Veganer äußern sich in Internetforen positiv zum Imitat. Auch Menschen, die unter Laktose-Intoleranz leiden, also keinen Milchzucker vertragen, könnten von Analogkäse profitieren. Sie hoffen, einen milchfreien Käse-Ersatz gefunden zu haben, der geschmacklich mit dem Original mithält.

Veganer sollten vorsichtig sein

Zwar fehlen im Imitat oft Calcium, Kalium und die fettlöslichen Vitamine A, D und K. Doch wer Käse wegen seines Geschmacks und nicht wegen seiner Zutaten essen möchte, wird darauf verzichten können.

Das größere Problem: Für Veganer, die tierische Produkte und Zusatzstoffe in jeder Form ablehnen, sind die Imitate meist keine Alternative. Die von der Verbraucherzentrale Hamburg aufgelisteten Analogkäse-Sorten enthalten neben Pflanzenfett auch Milcheiweiß, ein tierisches Produkt. Daher sind sie nicht vegan. Laut der Verbraucherzentrale haben die Kunstkäse jedoch verschiedene Rezepturen. Dass es darunter auch rein pflanzliche gebe, sei nicht auszuschließen. Dies sei noch nicht genauer untersucht worden.

Auch das Streukäse-Imitat "Gastromix", das in Metro-Filialen erhältlich ist, kann die Hoffnungen nicht erfüllen. Es hatte unter Veganern zum Teil für Verwirrung gesorgt. In der Zutatenliste taucht der Begriff "Milcheiweiß" nicht auf. Die Hersteller hat zudem eine Pressemitteilung herausgegeben, in der er seine Produkte als vegan anpreist. Auf stern.de-Anfrage bestätigte das Unternehmen jedoch, dass dies auf den "Gastromix" nicht zutreffe. Er enthält laut Zutatenliste Labkasein, ein Milcheiweiß. Mopro-Consulting plant jedoch, ein veganes Produkt auf den Markt zu bringen. Die Firma würde momentan laut Geschäftsführer Marcel Waltner Gespräche mit "namhaften Lebensmitteleinzelhändlern" führen.

Laktoseintolerante dürfen zugreifen

Anders als Veganer können laktoseintolerante Käseliebhaber das Imitat essen - solange kein Milchzucker auf der Zutatenliste auftaucht. "Wenn Laktose zugefügt wurde, muss dies deklariert werden", sagt Ernährungstherapeutin Imke Reese. Das enthaltene Milcheiweiß könne zwar mit Laktose verunreinigt sein, doch dies sei für Laktoseintolerante in der Regel unproblematisch, versichern sowohl Imke Reese als auch Julia Weißkirchen, Ernährungsexpertin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund. Allerdings können Laktoseintolerante laut Imke Reese durchaus auch echten Käse essen. Sie empfiehlt gut durchgereifte, denn im Zuge der Reifung werde die Laktose abgebaut. Mozzarella, Schmelzkäse, Frischkäse und extrem junger Käse könnten hingegen relativ hohe Mengen Milchzucker enthalten.

Milcheiweiß-Allergiker sollten das Käse-Imitat hingegen meiden. Selbst kleinste Spuren von Milcheiweiß können Beschwerden auslösen. Imke Reese empfiehlt den Allergikern darum, nicht nur auf echten, sondern auch auf Analogkäse komplett zu verzichten.

Der Analogkäse kann für manche also durchaus von Vorteil sein. Um sein Image zu verbessern, würde nur eines helfen: eine transparente Deklaration. Die Anbieter müssten ihn als Imitat outen. Dann könnte das Imitat im Supermarkt beispielsweise direkt bei den laktosefreien Milchprodukten einsortiert werden - statt bei den echten Käsesorten.

  • Britta Hesener