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Kennzeichnung von Lebensmitteln Aigner will Schwindler an Internet-Pranger stellen


Klebeschinken, Formfleisch, Analogkäse: In Lebensmittelpackungen finden Käufer nicht immer, was sie erwarten. Verbraucherministerin Aigner will dagegen vorgehen – mit einem Internet-Pranger.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will mit einer Internet-Plattform gegen die falsche oder irreführende Kennzeichnung von Lebensmitteln vorgehen. "Wir müssen dem Etikettenschwindel Einhalt gebieten", sagte sie der "Bild am Sonntag". Dem Bericht zufolge soll die Verbraucherzentrale Hessen im Auftrag von Aigners Ministerium im Frühjahr mit einer entsprechenden Internetseite online gehen. Auf ihr sollen Käufer Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen. Verbraucherschützer sollen die Fälle prüfen und kommentieren. Die Unternehmen können Stellungnahmen abgeben. "Ich will den Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ausbauen. Die Verbraucher müssen mit der Wahrheit bedient werden", erklärte Aigner.

Vertreter der Lebensmittelbranche sehen die Pläne skeptisch. "Es besteht die Gefahr, dass diese Plattform mehr Verunsicherung als Klarheit schafft", warnte Kai Falk vom Handelsverband Deutschland in der Zeitung. "Das könnte einzelne Firmen und Produkte zu Unrecht in Verruf bringen", befürchtet auch Matthias Horst vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde.

"Nicht jede Neuerung zur Täuschung missbrauchen"

Nach Aigners Plänen sollen auch solche Produkte ins Netz gestellt werden, die zwar nach geltenden Vorschriften gekennzeichnet sind, aber von Käufern als irreführend empfunden werden - eine Art Feldversuch für mehr Verbraucherverständnis. Bei Fällen eindeutiger Täuschung fordert die Ministerin ein strengeres Vorgehen durch die zuständigen Länderbehörden.

Aigner appellierte an die Industrie: "Lebensmittelproduzenten müssen einsehen, dass es ein Irrweg ist, jede technische Neuerung zur Täuschung zu missbrauchen. Klebeschinken oder Analogkäse sind Beispiele dafür." Die Ministerin fordert seit Monaten eine bessere Kennzeichnung derartiger Produkte und hält Klebeschinken für eine Verbrauchertäuschung.

Bundesländer fordern eindeutige Aufschrift

Auch der Bundesrat hatte sich vergangene Woche für eine genaue Kennzeichnung von Klebeschinken in der Europäischen Union stark gemacht. Die Verbraucher müssten ohne weiteres erkennen können, ob sie sich für ein gewachsenes Stück Fleisch entscheiden oder für ein Produkt, das aus mehreren kleinen Fleischstücken zusammengesetzt wurde, forderten die Länder am Freitag. Auf der Verpackung solle deshalb die Aufschrift "Formfleisch - aus zusammengesetzten Fleischstücken" stehen.

Dabei geht es um den Verdacht, dass mehrere Hersteller Teile von rohem Schinken mit Hilfe von Enzymen zusammensetzen, dies aber nicht kennzeichnen. Der Schinken soll stattdessen als Nuss- oder Lachsschinken verkauft worden sein. Aigner und der Bauernverband machen den Preiskampf im Einzelhandel dafür verantwortlich. "Klebefleisch" ist je nach Größe verboten. Das Europaparlament hatte die Zulassung des umstrittenen Enzyms Thrombin bei der Herstellung von Klebefleisch im Mai gestoppt.

mad/DPA/DAPD/AFP DPA

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