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Lebensmittel: Nicht nur beim Käse ist was faul

Er sieht aus wie Käse, schmeckt fast wie Käse, und er wird Verbrauchern als Käse untergeschoben. Doch was zum Teil auf Pizzen und Brötchen landet, hat mit Kuhmilch nichts zu tun.

Von Britta Hesener

Echter Käse? Vielleicht kommt auch nur ein Pflanzenfett-Mix auf die Pizza

Echter Käse? Vielleicht kommt auch nur ein Pflanzenfett-Mix auf die Pizza

"Eine Pizza mit echtem Käse aus Kuhmilch, bitte." Wer ganz sicher gehen will, sollte die Pizza im Imbiss am besten gleich mit diesem Hinweis bestellen. Denn echter Käse scheint aus der Mode zu kommen. Seine Herstellung ist zeitintensiv, der Rohstoff, die Milch, teuer. Verführerisch günstig sind hingegen Analogkäse, jene Imitate, die die Lebensmittelindustrie zum Beispiel als Streukäse oder Cordon-Bleu-Füllung unters Volk mischt. Und das hat oft keine Ahnung, was in der goldgelben Pizzakruste steckt. Kuhmilch muss es längst nicht mehr sein.

Analogkäse wird aus Pflanzenfett, Stärke, Milcheiweiß und Salz hergestellt. Oft enthält er zudem Schmelzsalze, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und Farbstoffe. Wobei Farbstoffe (Betacarotin) und Konservierungsstoffe (Nitrate) durchaus auch im echten Käse enthalten sein können. Im Unterschied zum Original, das normalerweise wochenlang reifen muss, lässt sich das Imitat innerhalb von zwanzig Minuten zubereiten. Am Ende kommt ein Produkt heraus, dass laut Verbraucherzentrale 30 bis 40 Prozent billiger ist als echter Käse und fast genauso schmeckt. Hasan Taschan vom Landeslabor Hessen hat verschiedene Analogkäse untersucht. Einen Unterschied zwischen Original und Imitat ließe sich nach seiner Einschätzung nur im direkten Vergleich heraus schmecken. Zudem habe das Käse-Imitat den Vorteil, dass es cholesterinärmer sei.

Analogkäse leidet an Vitaminmangel

Analogkäse schmeckt wie Käse. Er sieht genauso aus. Seine Herstellung ist legal. Er hat einen niedrigeren Cholesteringehalt. Was spricht also gegen ihn? Er enthält weniger Mineralstoffe und Vitamine als das Original. "Meist fehlen Calcium, Kalium und die fettlöslichen Vitamine A, D und K", erklärt Hasan Taschan. Zudem lasse sich das Imitat schlechter verdauen als echter Käse. Diese Informationen sind für den Verbraucher nicht ohne weiteres abrufbar. Zumal vielen die Tatsache, dass Analogkäse überhaupt existiert, nicht bekannt ist. Woher sollten sie es auch wissen. Die Hersteller tun einiges, um den Nepp zu vertuschen.

Nach geltendem EU-Recht ist es zwar unzulässig, Erzeugnisse mit dem Namen "Käse" zu bezeichnen, bei denen Milchfett gegen pflanzliche Fette oder pflanzliches Eiweiß ausgetauscht wurde. Doch die Hersteller behelfen sich mit Täuschungsmanövern. Sie greifen auf Bezeichnungen wie "Streufertiger Backbelag für Pizzen und Brötchen", "Gastromix" oder "Sandwich Scheiben" zurück. Wer sich also keinen Analogkäse unterschieben lassen will, sollte unbedingt auf die Packung achten. Bei Aufdrucken wie "Käse", "Gouda", "Emmentaler" oder ähnlichem können Verbraucher sicher sein, dass es ein echter Käse ist. Findet sich hingegen in der Zutatenliste Pflanzenöl, handelt es sich zumindest teilweise um ein Imitat. Analogkäse wird allerdings eher selten im Einzelhandel angeboten. Meist wird er im Zwischenhandel als Streukäse direkt an Bäckereien und Imbisse verkauft. Landet er dort dann auf überbackenen Brötchen und Pizzen, sucht man einen entsprechenden Hinweis vergeblich. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat darum ein Verzeichnis mit analogkäsehaltigen Lebensmitteln veröffentlicht.

Wie Hersteller Kunden täuschen

Niemand lässt sich gerne ein Pfanzenfett-Eiweiß-Wasser-Gemisch als Käse unterjubeln, daher geriet der Analogkäse in die Kritik. "Wir sagen nicht, dass Produkte wie der Analogkäse keine Existenzberechtigung haben. Es geht darum, dass sie entsprechend deklariert werden.", sagt dazu Foodwatch-Sprecher Martin Rücker. Die Organisation Foodwatch kämpft seit 2002 für die Qualität von Lebensmittel und gegen Verbrauchertäuschungen. So ist der Analogkäse längst nicht das einzige Produkt, mit dem Kunden in die Irre geführt werden. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg hat mittlerweile Listen mit Schummelprodukten veröffentlicht. stern.de hat einige Fälle zusammengestellt.

  • Britta Hesener