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Fieber, Halsweh und rote Flecken: Fünf Fakten zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Früher kursierte die Hand-Fuß-Mund-Krankheit eher unter Kindern. Heute stecken sich auch Erwachsene damit an, und auch die Symptome haben sich verändert. Steckt ein neuer Erregertyp dahinter?

Von Lydia Klöckner

Die sogenannte Hand-Fuß-Mund-Krankheit, die über Viren übertragen wird, ruft rote Bläschen an Händen, Füßen und Mund hervor

Die sogenannte Hand-Fuß-Mund-Krankheit, die über Viren übertragen wird, ruft rote Bläschen an Händen, Füßen und Mund hervor

Sie ist hochansteckend, verläuft aber meist ungefährlich: Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit macht derzeit in einigen Regionen Deutschlands - unter anderem in Hamburg und Hessen - die Runde. Bislang galt sie eher als Kinderkrankheit. Jetzt scheinen sich auch immer mehr Erwachsene mit dem Virus anzustecken, das unangenehme rote Flecken an Händen, Füßen und Mund hervorruft. Im Gegensatz zu Masern, Röteln oder Windpocken ist die vergleichsweise harmlose Hand-Fuß-Mund-Krankheit vielen Menschen gar nicht bekannt. Welcher Erreger steckt hinter den nervigen Bläschen? Wie schützt man sich vor der Ansteckung? Und was ist zu beachten, wenn man bereits erkrankt ist? stern beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit?

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) - nicht zu verwechseln mit der Maul- und Klauenseuche (MKS), die vor allem bei Wiederkäuern und Schweinen auftritt - wird von verschiedenen Typen sogenannter Enteroviren hervorgerufen. Die Erreger dringen meist über den Rachenraum in den Körper ein und gelangen dann über die Lymphknoten ins Blut, von wo aus sie sich im ganzen Körper ausbreiten können. Sie vermehren sich im Darm und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Nach der Ansteckung dauert es laut Robert Koch-Institut etwa drei bis zehn Tage, bis der Erkrankte die ersten Symptome bemerkt. "In Einzelfällen kann die Inkubationszeit auch bis zu 35 Tage dauern", sagt Stefan Renz, Kinderarzt und Vorsitzender des Hamburger Landesverbands der Kinder- und Jugendärzte. Häufig merken Infizierte gar nichts von der Infektion - sie kann auch ganz ohne Beschwerden verlaufen.

Wie äußert sie sich?

In der Regel beginnt die Krankheit mit Fieber, Appetitlosigkeit und Halsschmerzen. "Einige Tage später kommen dann schmerzhafte, rote Bläschen in der Mundschleimhaut hinzu", so Renz. Vor allem auf den Händen und unter den Fußsohlen breiten sich kleine rote Flecken aus, die nicht jucken und nur selten weh tun. "Ich hatte aber auch schon Patienten, die wegen der schmerzhaften Pusteln kaum laufen konnten", ergänzt der Kinderarzt. Normalerweise erholen sich fast alle Patienten innerhalb von einer Woche von der Erkrankung. Die Bläschen klingen von selbst ab und hinterlassen keine bleibenden Spuren.

Wie schützt man vor der Ansteckung?

Die Viren werden hauptsächlich direkt von Mensch zu Mensch über Schmierinfektionen - also durch Berührung - übertragen, in der Anfangsphase auch über den Speichel. "Wer bereits erkrankt ist oder mit einer infizierten Person in Kontakt war, sollte ganz besonders auf eine gute Handhygiene achten", rät Renz. Eltern sollten nach dem Wickeln erkrankter Kinder daran denken, sich gründlich die Hände zu waschen. Am besten sei es, direkten Kontakt mit einem infizierten Menschen zu vermeiden. Die größte Ansteckungsgefahr besteht, solange Ausschlag zu sehen ist, also in der Regel eine Woche, nachdem die ersten Symptome aufgetreten sind.

Schützen sollten sich vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Auch für Neugeborene kann die eigentlich harmlose Krankheit gefährlich werden. "Bei ihnen kann es in seltenen Fällen auch zu neurologischen Beschwerden wie zum Beispiel einer Hirnhautentzündung oder Beeinträchtigungen anderer Organe wie Herz und Leber kommen", sagt Sindy Böttcher vom Nationalen Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren, das zum Robert Koch-Institut gehört.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Es gibt weder eine direkte Therapie, noch eine Impfung gegen das Virus. Da die Erkrankung ohnehin meist mild verläuft, verabreichen Kinderärzte gewöhnlich nur schmerzlindernde Gels und Tinkturen sowie fiebersenkende Mittel.

Wie verbreitet ist der Erreger?

Viren, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) auslösen können, gibt es auf der ganzen Welt. Wie viele Menschen derzeit in Deutschland betroffen sind, lässt sich nicht genau sagen. "Da es keine meldepflichtige Erkrankung ist, liegen uns keine validen Zahlen zur Verbreitung vor", sagt Böttcher. Bekannt ist, dass das Virus meist Kinder unter zehn Jahren befällt. "Aus Beratungsgesprächen und Probeneinsendungen wissen wir aber, dass seit etwa zwei Jahren auch Erwachsene betroffen sind, die sich bei ihren Kindern angesteckt haben und oft auch länger darunter leiden."

Woran das liegt, ist noch nicht geklärt. Infektionsforscher vermuten, dass ein neuer Virustyp hinter dem veränderten Krankheitsverlauf steckt: "Seit einigen Jahren weisen wir bei Patienten mit HFMK neben den klassischen Erregertypen Coxsackievirus A16 und Enterovirus 71 auch das sogenannte Coxsackievirus A6 nach", erklärt Böttcher. Der neue Erreger ruft ungewöhnliche Symptome hervor: Bei einigen Patienten lösen sich etwa die Fingernägel ab, manche berichten zudem von schmerzhaften Bläschen an Gesäß, Knie- und Ellenbeugen. Zudem treten Infektionen mit diesem Coxsackievirus offenbar nicht nur bei Kindern auf, wie es für die schon länger bekannten Erregertypen typisch war.

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