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Freiwilliger der Bundeswehr: Dieser junge Arzt will im Ebola-Gebiet helfen

Ingo Nöhring ist einer der 2700 Freiwilligen, die mit der Bundeswehr in Westafrika gegen Ebola kämpfen wollen. Im Interview erklärt der Arzt, warum er an einen der gefährlichsten Orte der Welt reist.

Von Bernhard Albrecht

Ingo Nöhring ist Stabsarzt am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin.

Ingo Nöhring ist Stabsarzt am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin.


Herr Nöhring, Sie haben beschlossen, sich für den Ebola-Einsatz in Westafrika zu bewerben. War es eine spontane Entscheidung oder mussten Sie länger überlegen?
Ich habe schon länger damit gerechnet, dass wir gefragt werden. Seit Juli, als die liberianische Präsidentin verzweifelt um Hilfe rief, verfolge ich die Entwicklung in Westafrika sehr aufmerksam. Ich habe mir auch die erschütternden Videotagebücher von Betroffenen aus der Region im Internet angeschaut. Seit Monaten spreche ich mit Kollegen und Kameraden darüber, ob sie gehen würden, und die meisten haben "ja" gesagt. Allein fünf aus meiner Abteilung haben sich auf den Aufruf hin gemeldet.

Warum wollen Sie freiwillig an einen so gefährlichen Ort?


Wir können doch nicht darauf vertrauen, dass die "Ärzte ohne Grenzen" oder irgendjemand sonst das schon richten werden. Dafür haben wir Medizin studiert. Uns allen war klar, dass die Arbeit als Arzt auch mit Gefahren für die eigene Gesundheit verbunden sein kann.

Und was sagt Ihre Freundin dazu?


Sie war natürlich nicht begeistert, hat aber gefasst reagiert. Wir sind seit acht Jahren zusammen, sie kennt mich sehr gut und wusste immer, dass irgendwann der erste Einsatz kommt. Und Einsätze sind nun mal immer gefährlich. Sie hat mich aber auch gebeten, mir das noch einmal genau zu überlegen und gefragt, was passiert, wenn ich mich infiziere?

Und? Haben Sie sich das gut überlegt?


Zunächst einmal glaube ich, dass sich das Risiko in Grenzen halten wird. Wir werden sehr gute Schutzanzüge bekommen und müssen uns damit halt wie im Operationssaal verhalten, wenn wir im direktem Kontakt mit Patienten sind. Da kann man sich zum Beispiel auch nicht an der Nase kratzen, wenn es juckt. Und genau das wäre ja ein möglicher Infektionsweg, den man gut unter Kontrolle haben kann.

Viele Helfer haben sich gar nicht während ihrer Arbeit am Patienten infiziert, heißt es, sondern davor oder danach, auf der Straße oder dem Markt, wenn sie kurz unachtsam waren.


Ich habe kein gesteigertes Bedürfnis, mich draußen auf Straßen und Märkten zu bewegen. Und ich hoffe schon, dass die Bundeswehr uns in gut geschützten Mannschaftsunterkünften unterbringt. Aber klar, ganz kann man das Risiko nicht ausschließen, sich zu infizieren. Für den Fall aber garantiert die Verteidigungsministerin ja, dass ich nach Deutschland zurückgeflogen würde und die bestmögliche Behandlung bekäme.

Sie haben erst vor zehn Monaten Ihr Examen gemacht. Fühlen Sie sich ausreichend erfahren für so einen Einsatz?


Welcher Arzt ist schon erfahren mit solchen Situationen? Ich denke, die ärztlichen Grundfertigkeiten beherrsche ich, und vielleicht ist es sogar ganz gut, dass ich noch nicht so viel Routine habe, denn die ist oft ein falscher Freund. Wer hundertausend Mal das gleiche gemacht hat, zum Beispiel Blutabnehmen, wird leichtsinnig und begibt sich eher in Gefahr. Das ist genauso wie beim Klettern und Motorradfahren.

Haben Sie auch Angst? Würden Sie die Entscheidung manchmal gerne widerrufen?


Bisher habe ich keine Angst. Das kann natürlich noch kommen, wenn es konkret wird und ich weiß, welche Aufgaben genau mir zugeteilt werden.

Haben Sie für den Fall vorgesorgt, dass Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind oder nicht zurückkommen?


Ich habe vergangene Woche meine Patientenverfügung geändert, die gab es schon davor. Und auch mein Testament habe ich jetzt gemacht. Es ist alles soweit geregelt.

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