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Vorbereitung für den Gipfel: Blutkonserven und Militärmedizin: Wie Hamburgs Kliniken sich für G20 wappnen

Hamburg stehen unruhige Tage bevor: Krawalle und Unruhen während des G20-Gipfels könnten die Kliniken der Stadt mit Patienten fluten. Sind Ärzte und Pfleger vorbereitet? Eine Umfrage bei drei Kliniken der Stadt. 

G20-Gipfel in Hamburg

Die Proteste gestern Abend im Stadtteil Altona lieferten einen Vorgeschmack, in den kommenden Tagen folgt das Hauptprogramm: Zum G20-Gipfel in Hamburg ist mit Krawallen zu rechnen, der Gipfel birgt enormes Konfliktpotential. Militante Demonstranten treffen auf Polizisten, Kurden auf Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan. Schaukeln sich die Begegnungen hoch, drohen Verletzte. Die möglichen Folgen: aufgeschürfte Haut, Platzwunden, Augenverletzungen durch Tränengas und Wasserwerfer, Knochenbrüche.

All diese Verletzungen treten typischerweise bei Krawallen auf, wie sie auch jedes Jahr am 1. Mai stattfinden. Die Krankenhäuser der Stadt sind entsprechend krisenerprobt. "Aber was regelmäßig am 1. Mai passiert, ist natürlich nicht mit dem G20-Gipfel zu vergleichen", erklärt Judith Röder dem stern. Sie arbeitet als Oberärztin in der Notaufnahme des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg, das in unmittelbarer Nähe zum Austragungsort des Gipfels liegt, den Hamburger Messehallen. Sollten sich Menschen während des Gipfels verletzen, dürfte ein Großteil der Patienten bei Röder und ihrem Team landen. Sie haben deshalb vorgersorgt: Während der Gipfeltage arbeitet das Personal in doppelter Besetzung, der Sicherheitsdienst wurde verstärkt, mehr Verbandmaterial als üblich geordert, der Bestand an Blutkonserven aufgestockt. "Und zuletzt haben wir auch noch Tourniquets bestellt", so Röder. Dabei handelt es sich um Abbindesysteme aus der Militärmedizin. Sie behindern den Blutfluss in verletzten Gliedmaßen und sollen so vor dem Verbluten schützen.


Ein ähnliches Bild zeigt sich am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Es liegt rund fünf Kilometer von den Messehallen entfernt im nördlichen Teil der Hansestadt. Auch hier wurden die Vorräte an Blutkonserven und Verbandsmaterial im Vorfeld des Gipfels aufgestockt, erklärt Sprecherin Saskia Lemm. In der Zentralen Notaufnahme und den Kliniken seien die "Dienst- und Kapazitätsplanungen" angepasst worden. Lemm verweist auch auf spezielle Alarm- und Einsatzpläne. In diesen sei unter anderem geregelt, wie Kräfte ins UKE einberufen werden, "die in dem speziellen Krisenfall am dringendsten benötigt werden". Ärzte und Pflegekräfte des UKE würden zudem regelmäßig Notfallübungen durchführen. Eine große Vollübung - auch in Zusammenarbeit mit den Behörden, Polizei und Feuerwehr - habe zuletzt im Sommer 2015 stattgefunden.

G20 in Hamburg: Ärzte für Katastrophensituationen geschult

Besondere Maßnahmen für den Gipfel haben auch die Hamburger Asklepios Kliniken getroffen, erklärt Rune Hoffmann, ein Sprecher des Klinikverbands. Der private Betreiber unterhält im Stadtgebiet mehrere Kliniken. Eine liegt zentral im Stadtteil St. Georg. Hier habe man sich "intensiv auf mögliche Notaufnahmen vorbereitet", so Hoffmann. Außerdem seien mehr Notfallmedikamente und Blutkonserven bevorratet, die Dienste doppelt besetzt worden. Unüblich ist das aber nicht, so Hoffmann. Entsprechende Maßnahmen würden die Kliniken bei allen bevorstehenden Großveranstaltungen in Hamburg treffen, etwa dem Hafengeburtstag oder dem Alstervergnügen.

Wie das UKE verweist auch der Klinikkonzern auf spezielle Notfallübungen, in denen Katastrophenszenarien mit vielen Verletzten trainiert würden. "Darüber hinaus haben unsere Chefärzte aus den Bereichen Anästhesie, Chirurgie und Unfallchirurgie vorbereitend an Schulungen zur Notfallversorgung in Katastrophensituationen teilgenommen", erklärt Rune Hoffmann. Sein Fazit fällt positiv aus, man sei "gut vorbereitet".

Dennoch dürfte es Ärzten, Notfallmedizinern und Pflegern wohl lieber sein, blieben sie auf ihrem Verbandsmaterial und den Blutkonserven sitzen.

Ilona Kriesl, mit Recherchen von Nora Gantenbrink

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