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National Geographic Eine Gesichtstransplantation ermöglicht ihr ein neues Leben: Die Geschichte zweier Tragödien

20 Tage nach Katies Transplantation: Während einer ihrer täglichen Spaziergänge durch die Flure des Krankenhauses singt Katie.
20 Tage nach Katies Transplantation: Während einer ihrer täglichen Spaziergänge durch die Flure des Krankenhauses singt Katie.
© National Geographic/Maggie Steber
Die Geschichte von Katie ist eine außergewöhnliche. Sie bringt uns an die Grenzen dessen, was wir ertragen können. Doch die bewegende Reportage von National Geographic ist vor allem eines: eine Hommage an den menschlichen Überlebenswillen.

Von Anfang an wissen die Redakteure: Dies hier ist eine außergewöhnliche Mission. Eine außergewöhnliche Recherche – eine Geschichte über ein Gesicht. Eine Geschichte über den Teil unseres Körpers, der kennzeichnend für die Natur der menschlichen Identität ist. Eine Geschichte über bahnbrechende Wissenschaft, über Doktoren, Krankenschwestern und Chirurgen, die ein medizinisches Wunder vollbringen.

Die Geschichte zweier Tragödien

Zwei Jahre lang begleitet National Geographic das Schicksal von Katie Stubblefield. Die Geschichte beginnt mit zwei Tragödien: Die erste Tragödie ist eine Impulsentscheidung der damals 18-jährigen Katie. Im März 2014 schießt sie sich durch das Kinn. Ihr Bruder Robert findet sie im Badezimmer liegend, blutüberströmt: "Ihr Gesicht war weg", erinnert er sich heute. Nach Katies Suizidversuch ist nichts mehr, wie es war. "Es war ein Moment. Ein Moment, 20 Sekunden, der unser Leben veränderte", sagt Alesia Stubblefield, Katies Mutter.

Links ist Katie Stubblefield 17 – acht Monate vor ihrer Selbstverletzung. Rechts ist Katie 22 – 13 Monate nach ihrer Gesichtstransplantation.
Links ist Katie Stubblefield 17 – acht Monate vor ihrer Selbstverletzung. Rechts ist Katie 22 – 13 Monate nach ihrer Gesichtstransplantation.
© Links: Familienfoto, rechts: Martin Schoeller für National Geographic

Katie überlebte – knapp. Ärzte flicken ihr Gesicht zunächst so zusammen, dass es zumindest funktioniert.

Zeitsprung. Drei Jahre später ereignet sich die zweite Tragödie. Sandra Bennington verliert ihre 31 Jahre alte Enkeltochter. Drogenüberdosis. Sandra übernimmt die außerordentliche Entscheidung, das Gesicht ihrer Enkeltochter Adrea zu spenden. Es wird Katies neues Gesicht werden.

Sandra Bennington trifft das Gesicht ihrer verstorbenen Enkelin. Es gehört jetzt Katie.
Sandra Bennington trifft das Gesicht ihrer verstorbenen Enkelin. Es gehört jetzt Katie.
© National Geographic

Am 4. Mai 2017 um 7.30 Uhr Morgens beginnt der Eingriff. 31 Stunden arbeiten elf Chirurgen an Katies neuem Gesicht. "Ich kann jetzt mein Gesicht berühren und es fühlt sich unglaublich an", sagt Katie heute. (Ausführlicher berichtet hatten wir hier.)

"Eine Hommage an den menschlichen Überlebenswillen"

Die Fotos von Katies weitem Weg zu einem neuen Gesicht sind schwer zu verkraften. Doch die Geschichte ist wichtig: "Wir wurden mehrmals gefragt, warum wir diese Geschichte drucken, obwohl vor allem die Fotos nicht ganz leicht zu verkraften sind", sagt Jens Schröder, Chefredakteur der deutschen National Gepgraphic. "Die Antwort ist: Weil diese Reportage eine Hommage an den menschlichen Überlebenswillen ist. Und an die unglaubliche Kunst der modernen Chirurgie, über die man Staunenswertes lernt."

Wir brauchen unser Gesicht, um unseren Platz in der Welt zu finden

Auf der einen Seite berührt Katies Schicksal, auf der anderen Seite fasziniert die damit zusammenhängende medizinische Meisterleistung. Doch außerdem geht es in Katies Geschichte um die Veränderung ihrer sichtbaren Identität. Das Gesicht ist für uns stark mit der Identität eines Menschen verknüpft; es ist das Tor zu unserer Identität. Und es ist nicht nur die Bühne für den Ausdruck unserer Gefühle: Gefühle können auch im Gesicht selbst ihren Ursprung haben, wie Wissenschaftler in der National Geographic Deutschland erklären. 

Katies Geschichte ist schwer zu verkraften, sie ist unglaublich – und sie zeigt den puren menschlichen Überlebenswillen
Katies Geschichte ist schwer zu verkraften, sie ist unglaublich – und sie zeigt den puren menschlichen Überlebenswillen
© NATIONAL GEOGRAPHIC

Quer durch alle Kulturen erkennen Menschen sieben Emotionen anhand charakteristischer Mimik: Wut, Ekel, Angst, Freude, Trauer, Überraschung und Verachtung. Die Ausdrucksfähigkeit dieser Emotionen ist für den Menschen lebenswichtig, um sich mit anderen zu verständigen. Auch für Katie Stubblefield.

In der September-Ausgabe druckt National Geographic Deutschland daher nicht nur die beeindruckende Geschichte von Katie ab, sondern blickt in einer umfangreichen Reportage auch in das komplexe Zentrum der menschlichen Identität – unser Gesicht. Das Heft erschien am 24. August und ist ab sofort im Handel erhältlich.

Ein Blick ins Heft
Ein Blick ins Heft
© National Geographic

Anmerkung der Redaktion: National Geographic Deutschland erscheint, wie auch der stern, im Verlag Gruner + Jahr.

Wenn Sie oder Freunde von Ihnen suizidale Gedanken haben, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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