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Seltene Erbkrankheit: Der Mann mit den drei Gesichtern: Jérôme Hamon überlebte zwei Gesichtstransplantationen

Ein Mann, drei Gesichter - Jérôme Hamon leidet seit seiner Kindheit unter einem deformierten Gesicht. Nun ist er der erste Mensch der Welt, der zwei Gesichtstransplantationen überlebt habt.

Jérôme Hamon nach seiner ersten Operation

April 2018: Jérôme Hamon nach seiner zweiten OP. Er ist der weltweit erste Mann, der zwei Gesichtstransplantationen erhalten hat. Die erste Transplantation scheiterte - wegen einer Medikamentenunverträglichkeit.

AFP

Lächeln will Jérôme Hamon noch nicht. Er könnte es, aber er traut sich nicht. Seit drei Monaten hat er nun ein neues Gesicht. Noch fühlt es sich fremd an. Aber dass es seines ist, daran lässt Hamon, 41 Jahre alt, keinen Zweifel: "Ich habe ein neues Gesicht, sicher, aber es ist mein Gesicht", erklärte er im Gespräch mit der Zeitung "Le Parisien".

Der Franzose ist ein einzigartiger medizinischer Fall: Er ist der erste Mensch weltweit, der zwei Gesichtstransplantationen überlebt hat.

Aufgrund einer Erbkrankheit war Hamons Gesicht von Kindheit an entstellt. Statt Augen hatte er Schlitze, sein Mund hing schief, auf seiner Stirn wucherten Hautlappen. Hamon stimmte deshalb im Jahr 2010 einer Gesichtstransplantation zu, ein riskantes und medizinisch aufwendiges Verfahren. Doch der Franzose hatte Glück: Sein Körper akzeptierte das neue Gewebe.

Gesicht durch Erbkrankheit entstellt

Fünf Jahre später folgte der Rückschlag: Hamon war an einer Grippe erkrankt und ging deshalb zum Arzt. Der verschrieb ihm Antibiotika - ein schwerer Fehler. Die falsche Arznei führte zu Komplikationen mit anderen Medikamenten, die der Franzose nach seiner Transplantation einnehmen musste. Es begann eine Kettenreaktion, in deren Verlauf das neue Gesicht allmählich verkümmerte. Geschwüre bildeten sich auf der Haut.

Der Pariser Chirurg Laurent Lantieri erkannte sofort den Ernst der Lage: "Wir konnten ihn nicht ohne Gesicht lassen." Die einzige Hoffnung war eine erneute Transplantation, der auch Jérôme Hamon zustimmte. "Ich habe mich sehr schnell dafür entschieden. Ich habe verstanden, dass ich keine andere Wahl hatte. Hätte ich mich dagegen entschieden, wäre ein Drama daraus geworden", so Hamon. 

Ein Mann - drei Gesichter

Im September 2017 taucht sein Name wieder auf der Warteliste für Organspenden auf. Mit einer Chemotherapie fahren Mediziner sein Immunsystem herunter - die Maßnahme soll die Abstoßung des neuen Gesichts verhindern. Im Januar folgt schließlich der Anruf: Hamon wird ein neues Gesicht erhalten - es ist bereits sein drittes. Über den Spender ist wenig bekannt: Er ist männlich und Anfang 20.

Dieses Mal ist der Eingriff noch komplizierter als der letzte: Die Gefahr der Abstoßung ist immens, außerdem sind die Blutgefäße durch den ersten Eingriff strapaziert. Doch die Operation unter Leitung des Chirurgen Laurent Lantieri glückt. Heute, drei Monate später, sind die Wunden bereits gut verheilt - und das Team ist beeindruckt von dem Mut und der Geduld ihres Patienten: "Er hat sich nie beschwert."

Hamon hat - auch mit der Hilfe von Psychologen - Frieden mit seinem Schicksal geschlossen. Er deutet auf sein Gesicht: "Das, das bin ich, das ist Jérôme." Seit dem Eingriff hat er ordentlich abgenommen. Viele Menschen würden ihm nun Komplimente machen, was ihn freut. Er sehe nun deutlich jünger aus.

gho/ikr

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