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Globuli-Diskussion Verbeugung vor Zauberei: Lauterbach will Kassen verbieten, für Homöopathie zu zahlen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht im Bundestag
Neuer Vorstoß in der Homöopathie-Debatte. Karl Lauterbach will den Krankenkassen verbieten, sich an den Kosten für homöopathische Behandlungen zu beteiligen.
© Ralf Hirschberger / DPA
Geht es nach Karl Lauterbach, sollen gesetzliche Krankenkassen zukünftig keinen Cent mehr für Homöopathie erstatten. Der SPD-Vize nimmt damit einen Ball der Franzosen auf. Die wollen die Kostenübernahme für Globuli & Co. demnächst abschaffen.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach lässt nicht locker. Schon seit Jahren legt sich der Gesundheitsexperte immer wieder mit der Pharmaindustrie und den Arzneimittelherstellern an. Lauterbach will erreichen, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für Homöopathie nicht mehr übernehmen dürfen. Nun wagt er einen neuen Vorstoß.

"Falsch, im Sinne der Vernunft und Aufklärung"

Lauterbach nutzt eine Steilvorlage aus Frankreich. Dort hatte die Gesundheitsbehörde erst vor ein paar Tagen homöopathischen Arzneimitteln ihre Wirkung abgesprochen und verlangt, dass die Kosten für derartige Behandlungen nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden. In Frankreich liefern sich Schulmediziner und Homöopathische Ärzte seit Jahren einen erbitterten Streit. Während die einen öffentlichkeitswirksam den Ausschluss "der esotherischen Disziplinen aus der Medizin" fordern, kontern die anderen mit einer Klage "wegen Verletzung des Berufsethos". Nach Angaben der Ärztekammer schwören 56 Prozent der Franzosen auf Globuli und Co. Ähnliche Zahlen sind auch aus Deutschland bekannt. 

"Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patentschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen für Homöopathie bezahlen", polterte Lauterbach am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter. Mann müsse in der GroKo darüber reden, erklärte er in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Auch in Deutschland sind die gesetzklichen Krankenkassen nicht verpflichtet, die Kosten für alternative Heilmethoden zu übernehmen. Doch fast alle großen Kassen zahlen freiwillig für homöopathische Medikamente und Behandlungen. Das will Lauterbach ändern. Denn "auch freiwillige Leistungen müssten wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein", so der SPD-Politiker.

Union hält dagegen: "Führen keinen Kreuzzug"

Rückendeckung bekommt er vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA), der über die Pflichtleistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet. "Behandlungsmethoden ohne klaren Beleg für Wirksamkeit und Nutzen sollten nicht noch dadurch geadelt werden, dass sie von den Kassen als Satzungsleistungen bezahlt werden, sagte der GBA-Vorsitzende Josef Hecken dem "Tagesspiegel". Verständnislos reagierte die Union auf die Äußerungen Lauterbachs. "Wir führen keinen Kreuzzug gegen Heilpraktiker und Naturheilverfahren", sagte deren gesundheitspolitische Sprecherin Karin Maag. Sie halte es für falsch, die freiwilligen Leistungen der Versicherer zu beschränken.

Maags Parteifreund, der heutige Gesundheitsminister Jens Spahn, zeigte sich 2010 schon einmal offen für Lauterbachs Forderung, die Kostenübernahme für homöopathische Therapien zu verbieten. Zahlreiche Studien hätten nicht beweisen können, dass homöopathische Präparate eine medizinische Wirkung haben, erklärte er damals in der "Berliner Zeitung".

Quelle: "Tagesspiegel"

js

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