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Techniker Krankenkasse: Homöopathie als Kassenleistung? So rechtfertigt sich die TK

Mächtig Wirbel um 122 Zeichen: Der Homöopathie-Tweet eines Mitarbeiters bescherte der Techniker Krankenkasse viel Ärger. Nun äußert sich die TK in einer Stellungnahme - und erklärt, warum sie die Kosten für homöopathische Behandlungen erstattet. 

Techniker Krankenkasse äußert sich zu Homöopathie-Tweet

Umstrittene Methode: Einige Krankenkassen - darunter auch die TK - übernehmen die Kosten für homöopathische Behandlungen

Es ist wohl keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass das Social Media-Team der Techniker Krankenkasse stressige Stunden hinter sich bringen musste. Auf dem Twitter-Kanal der Krankenkasse war gestern eine hitzige Diskussion entbrannt. Der Auslöser des Ganzen: die kritische Nachfrage eines TK-Versicherten. Er erkundigte sich via Twitter, ob der TK Studien zur Wirksamkeit von Homöopathie vorlägen. So weit, so unaufregend, könnte man erstmal denken.


Interessant wird die Geschichte durch die Tatsache, dass die TK (wie andere gesetzliche Kassen auch) die Kosten für homöopathische Behandlungen übernimmt. Der Nutzen der Methode ist jedoch nicht belegt. So konnte bislang nicht bewiesen werden, dass ihre Wirksamkeit über die des Placebo-Effekts hinausgeht. Angesichts dieses Umstands fällt die Antwort der TK auf die Nachfrage recht flapsig aus. Gewandt an den Kunden bitten sie ihrerseits um Studien, die "die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen". 


Viele Twitter-User reagierten wütend auf die Wortwahl der TK. Es sei "unfassbar" und "schockierend", dass die TK homöopathische Leistungen übernehme, während etwa die Kosten für Brillen nur unter bestimmten Voraussetzungen erstattet würden. Ein User merkte an: "Bei Kostenübernahme aus Beiträgen müssen Sie die Wirksamkeit belegen, nicht ein Mitglied die Unwirksamkeit". Der Tweet wurde in der Zwischenzeit Hunderte Male geliked. 

Für die ungeschickte Wortwahl hat sich die Techniker Krankenkasse in der Zwischenzeit entschuldigt. "Dieser Tweet tut uns leid", erklärten sie via Twitter. "Aber auch wir sind Menschen." Man wolle den "Fehler" aufarbeiten und mit dem verantwortlichen Mitarbeiter sprechen. Eine Kündigung habe er jedoch nicht zu befürchten. "Nur wegen eines Fehlers fliegt bei uns niemand raus", erklärte die TK.

Homöopathie: TK rechtfertigt Erstattung mit Kundenwünschen

Was bleibt, ist die grundsätzliche Frage, weshalb homöopathische Behandlungen eine Kassenleistung sind. Auch hierzu hat die TK nun Stellung bezogen. Gestern Abend veröffentlichte die Krankenkasse ein Statement, in dem sie die Praxis verteidigt und mit dem Wunsch der Versicherten rechtfertigt. "Kundenbefragungen haben uns gezeigt, dass manche Versicherte sich komplementärmedizinische Angebote - in Ergänzung zur Schulmedizin - wünschen", erklärt die TK. Man nehme "diese Wünsche ernst" und setze sie "auf einem qualitativ hochwertigen Niveau" um.

Deshalb habe man einen Vertrag mit der Managementgesellschaft des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) geschlossen. Dies ermögliche den Versicherten "eine Behandlung durch zugelassene Vertragsärzte." Eine Behandlung bei einem Heilpraktiker würde dagegen nicht bezahlt. So sollen Einnahmefehler oder Fehldiagnosen verhindert werden.

Zur Frage der unbewiesenen Wirksamkeit äußerte sich die TK hingegen nicht. Via Twitter verkündete die Krankenkasse lediglich, man arbeite seit März 2013 gemeinsam mit der Berliner Charité an einer wissenschaftlichen Studie. Mit ersten Ergebnisse sei im Laufe des Jahres 2018 zu rechnen.

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