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Ständige Impfkomission: Stiko empfiehlt HPV-Impfung auch für Jungen

Seit Jahren empfiehlt die Ständige Impfkomission (Stiko) HPV-Impfungen für Mädchen. Die Viren, die meistens mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden, können aber auch für Jungen gefährlich werden. Experten raten daher nun zur geschlechtsübergreifenden Impfung.

Stiko empfiehlt HPV-Impfungen auch für Jungen

Nach der Stiko-Empfehlung für die HPV-Impfung von Jungen dürften die gesetzlichen Krankenkassen bald auch die Kosten übernehmen. Einige Kassen haben die Übernahme bereits zugesichert.

Picture Alliance / DPA

Im Jahr 2008 erhielt der Forscher Harald zur Hausen den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung des Zusammenhangs von Humanen Papillomaviren (HPV) und Krebs. Schon ein Jahr zuvor sprach die Ständige Impkomission (Stiko) die erste Empfehlung der HPV-Impfung für Mädchen aus. Durch die Schulhöfe Deutschlands ging ein Raunen, als beste Zeit zur Impfung galt ein Alter von 12 bis 17 Jahren. Heute hat sich Altersempfehlung nach unten verschoben: 9 bis 14 Jahren sind nach Angaben der Stiko optimal. 

Während das Virus lange nur in Verbindung zu Gebärmutterhalskrebs diskutiert wurde, weitet die Impfkomission ihre Empfehlung nun auch auf Jungen im gleichen Alter aus. HPV kann nämlich auch Penis- und Analkrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenraum verursachen und wird bei Kontakt mit den entsprechenden Hautstellen von einem Menschen zum nächsten übertragen. Die Impfung verhindert auch weitverbreitete Genitalwarzen, die zwar nicht lebensbedrohlich, aber sehr unangenehm und hartnäckig sind.

Harald zur Hausen: "Das wurde höchste Zeit!"

Harald zur Hausen

Für die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen HPV und Krebs erhielt Harald zur Hausen den Nobelpreis

Im Gespräch mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (Dkfz) sagte Harald zur Hausen, die Empfehlung sei längst überfällig gewesen. "Es gibt ja schon seit langem eine ganze Reihe an zwingenden Gründen dafür, auch Jungs zu impfen: Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!"

Studie prüfte Wirksamkeit der HPV-Impfung

Nach Angaben des Nobelpreisträgers gingen im Jahr in etwa 1000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV. Schon länger können Jungen ab neun Jahren geimpft werden - jedoch nur auf eigene Kosten. Das hat zur Folge, dass bislang nur ein sehr geringer Teil der Jungen gegen das Virus geschützt ist - eine Änderung ist allerdings absehbar. Die aktuelle Empfehlung der Stiko ist die Grundlage für eine Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen. Im nächsten Schritt muss die Impfkomission ihre Empfehlung im sogenannten Epidemiologischen Bulletin veröffentlichen, bevor der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zu der Kostenübernahme berät und entscheidet. Der Beschluss wird zuletzt dem Gesundheitsministerium vorgelegt.

Dass die HPV-Impfung im Kampf gegen durchaus erfolgreich ist, hat nun eine finnische Studie gezeigt. Die Forscher hatten Frauen untersucht, die bereits im Rahmen der Zulassungsstudien vor der offiziellen Einführung der Impfung geimpft wurden. Bei den entsprechenden Frauen wurde kein einziger Fall von HPV-bedingten Krebsarten festgestellt, bei einer Kontrolle von Nicht-Geimpften hingegen fand man Erkrankungen in der erwarteten Anzahl.

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