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Kanada Wegen Corona geschlossen: Obdachloser stirbt wenige Meter neben Unterkunft

Eine Gruppe Obdachloser in Monetreal
Der später tot aufgefundene Mann soll am Tag zuvor noch von Mitarbeitern der Unterkunft beim Bau eines Schneemannes gesehen worden sein (Symbolbild)
© Ryan Remiorz / Picture Alliance
Ein 51 Jahre alter, obdachloser Mann ist bei eisigen Temperaturen in der kanadischen Stadt Montreal gestorben – ein Freund fand ihn in einem Dixi-Klo, wenige Meter neben einer geschlossenen Unterkunft.

In der kanadischen Stadt Montreal wurde laut Medienberichten die Leiche eines obdachlosen Mannes gefunden – nur wenige Meter neben einer Unterkunft, die wegen der Corona-Pandemie geschlossen war.

Der 51-Jährige sei am Sonntagmorgen noch am Fundort für tot erklärt worden – er sei von einem Freund in einer mobilen Toilette entdeckt worden, in der er anscheinend übernachtet hatte.

"Es gibt nicht nur einen Grund für seinen Tod"

Die Anwälte des Verstorbenen gehen davon aus, dass er bei den eisigen Temperaturen erfror. Dies sei allerdings von den Behörden noch nicht bestätigt worden. Die Polizei habe lediglich erklärt, dass der Tod des Mannes nicht mit kriminellen Handlungen in Verbindung gebracht werde und die Leiche zur Untersuchung an die Gerichtsmedizin übergeben wurde.

Das Obdachlosenheim sei wegen steigender Infektionszahlen vor kurzem von den Gesundheitsbehörden dazu gezwungen worden, nachts zu schließen. Kanadischen Medien zufolge war der 51-Jährige regelmäßiger Besucher des "Open Door Shelter", einer Anlaufstelle für Obdachlose im Stadtzentrum. Noch am Samstag sei er für eine Mahlzeit und eine Dusche in der Einrichtung vorbeigekommen und später von Mitarbeitern beim Bau eines Schneemannes beobachten worden. In der Nacht fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.

Die Unterkunftsleiterin Mélodie Racine erklärte, dass die Unterkunft auf behördliche Anweisungen um 21.30 Uhr schließen musste. "Es gibt nicht nur einen Grund für seinen Tod. Es gibt viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Aber ich weiß, dass, wäre er nicht gebeten worden zu gehen, er wahrscheinlich drinnen geblieben wäre", habe sie gegenüber der "BBC" gesagt.

Unterkunft wegen sanitärer Richtlinien geschlossen?

Nach einem Bericht der "CBC" erklärte die zuständigen Gesundheitsbehörden, dass es durchaus möglich wäre, das "Open Door Shelter" auch in der Nacht geöffnet zu halten – allerdings seien die erforderlichen Hygienemaßnahmen nicht umgesetzt worden. Die Leiterin der Einrichtung habe hingegen beteuert, dass sie über diese Möglichkeit nie informiert worden sei: "Es ist lächerlich. Ich habe einen Raum, der nachts leer ist, während draußen Menschen schlafen", sagte sie laut "CBC".

"Er war ein Mensch, der eine Familie hatte und der geliebt wurde", sagte Heather Johnston, Geschäftsführerin von Projets Autochtones du Québec, einer Hilfsorganisation für obdachlose Indigene in Montreal. Die Freitagnacht habe er noch in einer ihrer Unterkünfte verbracht und sei auf Covid-19 getestet worden. Johnston machte systemische Fehler und nicht einen Mangel an Notunterkünften für den Tod des in der Gemeinde bekannten Mannes verantwortlich. Laut der "Montreal Gazette" waren auch in der Nacht seines Todes noch Betten frei – der 51-Jährige habe jedoch keinen Schlafplatz finden können.

Sobald es die Corona-Situation zulasse, wolle die Gesundheitsbehörde nach eigenen Angaben die Unterkunft wieder öffnen. Bürgermeisterin Valérie Plante zufolge werde die Stadt mit den Behörden zusammenarbeiten, um die Einrichtung auch nachts geöffnet zu halten.

In Montreal hätten während der Pandemie mehr Notunterkünfte eröffnet, zwei Hotels stünden Obdachlosen ebenfalls offen und auch ein altes Krankenhaus habe mehr Betten zur Verfügung.

Quellen: "BBC"; CBC"; "Montreal Gazette"

yks

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