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Medizin: Schön feucht bleiben

Kälte und Heizungsluft machen die Haut trocken und empfindlich. Einfach nur mehr Creme nehmen, reicht nicht. Mit ein paar Tricks bringen Sie Ihr größtes Organ gesund durch die frostigen Wochen.

Bei Minusgraden spannt sich das Verhältnis zwischen Mensch und Haut. Denn das größte Organ hat im Winter richtig Stress. Es spannt und juckt, ist mal blass, mal gerötet. Der oft abrupte Wechsel von kalt zu heiß und die trockene Heizungsluft entziehen der Haut jede Menge Feuchtigkeit.

Bei Kälte

produzieren die Talgdrüsen weniger Fett. In der Wärme öffnen sich dafür die Poren, und besonders viel Wasser entweicht. Sinkt der Wassergehalt auf weniger als zehn Prozent, reagiert die Haut verspannt, irritiert. Und der natürliche Säureschutzmantel wird zerstört, der wie eine Barriere über der obersten Hautschicht liegt. Diese wird rissig und durchlässig - eine ideale Bedingung für Keime. Juckreiz, Entzündungen und Rötungen können die Folge sein - der Körper versucht, sich durch eine verstärkte Durchblutung gegen die Eindringlinge zu wehren. Gleichzeitig versiegt bei Temperaturen unter acht Grad Celsius die körpereigene Produktion von Talg, die Haut verliert ihre Geschmeidigkeit. "Neurodermitiker und Menschen über 60 Jahren, die altersbedingt eine sehr trockene Haut haben, leiden unter den extremen Bedingungen des Winters besonders", sagt Wolfram Sterry, Professor für Dermatologie und Allergologie an der Berliner Universitätsklinik Charité.

Jetzt muss der Haut von außen nachgeholfen werden, mit einer auf ihren Typ abgestimmten reichhaltigen Creme, die einen hohen Anteil an Lipiden hat, die Fettsäuren enthalten, wie sie in Nachtkerzenöl oder Hanföl vorkommen - beides findet sich vorwiegend in Produkten aus dem Reformhaus. Für das trockene Gesicht im Winter am besten eine Wasser-in-Öl-Emulsion verwenden, die einen höheren Fettanteil hat als eine Öl-in-Wasser-Creme, und die sich wie ein Schutzfilm auf die Haut legt, unter dem die Lipide ungestört in die Haut geschleust werden können. Aus welcher Emulsion eine Creme besteht, lässt sich an der Konsistenz erkennen: ölige ist fester, griffiger; wasserhaltige leichter, milchiger. Das richtige Mischungsverhältnis zum individuellen Hauttyp kann im Fachgeschäft erfragt werden. Damit die Feuchtigkeit da bleibt, wo sie gebraucht wird, und sich nicht schon nach einer halben Stunde verflüchtigt, haben reichhaltige Cremes zusätzlich starke Wasserbinder wie beispielsweise Harnstoff, ein Eiweißstoffwechselprodukt, das in der Haut Speicher-Kristalle bildet und in vielen Cremes vor allem für trockene Hände und Füße vorkommt, meist unter dem Namen "Urea". Für sehr raue und sogar rissige Haut empfiehlt sich eine Creme mit norwegischer Formel (Neutrogena), darin steckt ein hoher Glycerin-Anteil. Besonders gut sind auch kombinierte Feuchtigkeitsspender und -binder wie etwa Hyaluronsäure.

Doch auch wer sich tagsüber viel in geschlossenen Räumen aufhält und Heizungsluft ausgesetzt ist, sollte nicht zu viel Fett auftragen. Das gilt besonders für Menschen, die zu fettiger oder Mischhaut neigen. "Nicht viel hilft viel, sondern nur die richtige Creme hilft viel", sagt Martina Kerscher, Professorin für Dermatologie, die den Studiengang "Kosmetik und Körperpflege" an der Universität Hamburg leitet. Sie rät zu einer Hautdiagnose beim Hautarzt oder einer Kosmetikerin, um eine auf den individuellen Hauttyp abgestimmte Pflege zu finden.

Also im Winter

nicht einfach besonders tief in den Tiegel greifen, sondern eher auf eine andere Creme umsteigen. Hilfreiche Inhaltsstoffe sind: die Vitamine C und E, sie aktivieren die Zellerneuerung und wirken unterstützend gegen trockene Stellen. Auch Glycerin und Panthenol sind gute Feuchtigkeitsspender, ebenso wie die Pflegeprodukte aus Hanf. Das Öl der Samen enthält einen hohen Anteil an Linolensäure. Besonders wirksam seien reichhaltige Cremes, wenn man sie abends auftrage, sagt Martina Kerscher. Eine Studie habe ergeben, dass dann die Hautbarriere durchlässiger sei und die Wirkstoffe von der Haut besser aufgenommen würden.

Menschen, die ohnehin trockene oder zu Irritationen neigende Gesichtshaut haben, sollten im Winter Peelings mit Schleifpartikeln meiden, sie belasten die Haut nur noch weiter. Die überschüssigen Hautschüppchen besser von Peelings mit kleinen Schwämmchen oder Enzymen aufsaugen lassen. Ebenso sollten Frauen auf stark deckendes Make-up verzichten, da dessen Puder-Pigmente die Haut weiter austrocknen können. Und auch von zu langen und zu heißen Dusch- oder Wannenbädern lieber lassen - beides entzieht der Haut viel Fett und Feuchtigkeit. Jetzt ist Warmduschen besser, und wenn baden, dann mit einem pflegenden Öl. Dazu keine Seife verwenden, sondern rückfettende oder seifenfreie Duschlotionen, die auf den natürlichen Säurewert der Haut von etwa 5,5 pH abgestimmt sind. Danach nicht abrubbeln, sondern trockentupfen und sofort gut eincremen, da aus der aufgeweichten Hautoberfläche kurz nach dem Waschen viel Feuchtigkeit entweicht.

Pflegeprodukte für den Körper

dürfen ruhig höhere Lipidanteile enthalten, etwa Vaseline, Paraffin oder pflanzliche Öle. Bei trockener Luft zudem daran denken, die Haut von innen mit Feuchtigkeit zu versorgen, also viel Wasser trinken. Und auch von außen kann Wasser gute Dienste leisten: Thermalwassersprays, die im Sommer erhitzte Gesichter kühlen, können auch im Winter bei Hautrötungen gut tun. Das Wasser direkt aufs Gesicht oder in die Luft sprühen und das Gesicht darunter halten.

Keinesfalls sollte man sich aber das Gesicht mit Wasser befeuchten, wenn man bei Minusgraden vor die Tür gehe, warnt Martina Kerscher. Unter dem Gefrierpunkt wird das Wasser auf der Haut zu Eis. Das gilt auch für sehr wasserhaltige Öl-in-Wasser-Emulsionen, wie sie auch in Kinderpflegeprodukten verwendet werden. Immer abwarten, bis die Creme vollständig in die Haut eingezogen ist, bevor man in die Kälte geht, sonst könnte sich schnell eine Frostschicht über das Gesicht ziehen.

Wer sich im Winter viel draußen bewegt

, muss auch an einen Sonnenschutz denken. Vor allem in den Bergen verstärkt sich die UV-Strahlung durch reflektierende Schneekristalle. Dafür aber nicht die Sonnencreme aus dem Sommer aufbrauchen - sie enthält zu wenig Fett und hat keinen Kälteschutz.

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Marion Schmidt / print
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