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Kim Kardashian und der Mutterkuchen: Plazenta-Pillen - sinnvoll oder eine Gefahr?

Mutterkuchen - das klingt mythisch und nach Kraftspender. Frauen wie Kim Kardashian essen daher ihre eigene Plazenta nach der Geburt, in Kapselform, gekocht oder roh. Doch belegen lassen sich die positiven Effekte auf die Gesundheit nicht.

Plazenta in Pillen, Kima Kardashian schwört darauf

Plazenta in Pillen, Kima Kardashian schwört darauf

Von Kim Kardashian ist man ja einiges gewohnt, da wirkt der neueste Versuch, sich ins Gespräch zu bringen fast harmlos: Auf ihrer Facebook-Seite hat sie ein Bild gepostet, das ein Glas mit Pillen darin zeigt. Sie sollen mit dem zu einem feinen Granulat verarbeiteten Mutterkuchen des Reality-Soap-Stars gefüllt sein. Ein Etikett mit einem gezeichneten Lebensbaum verziert das Behältnis, "Kim, your amazing placenta" ist darauf zu lesen. Und über die Wirkung der Pillen, sie sollen angeblich Wochenbettdepressionen vorbeugen, berichtet Kardashian auf ihrem Blog - gegen Geld, versteht sich.

"Amazing grace" möchte man da erbitten und es abhaken. Doch was Stars und Sternchen wie Kim Kardashian, January Jones oder auch Alicia Silverstone schon länger promoten, ist mittlerweile offenbar, wenn auch vereinzelt, im Praxisalltag angekommen. Zumindest berichtet die Psychiaterin Crystal Clark von der Northwestern University in Chicago davon: Einige ihrer Patientinnen seien mit der Frage zu ihr gekommen, ob es gut für sie sei, die Plazenta nach ihrer Niederkunft zu essen.

My experience eating my placenta is up on my app! http://bit.ly/1Y9HUqB

Posted by Kim Kardashian West on Montag, 14. Dezember 2015

Die Psychiaterin sichtete daher mit Kollegen die Literatur zum Thema. Anfang Mai dieses Jahres veröffentlichte sie eine Übersichtsarbeit mit dem Titel "Verzehr der Plazenta: Therapeutisches Wunder oder Mythos?". Einige Frauen würden nach der Geburt den Mutterkuchen essen - roh, gekocht oder zu Kapseln verarbeitet, schreiben die Wissenschaftler darin. Die Frauen hoffen dadurch etwa Wochenbettdepressionen vorzubeugen, die Muttermilchproduktion anzukurbeln oder Schmerzen zu lindern. In der Plazenta enthaltene Hormone und Nährstoffe sollen die günstige Wirkung erklären.

Doch wissenschaftlich untermauern lässt sich das nicht. Belege dafür, dass der Plazentaverzehr Menschen gesundheitliche Vorteile bringe, gibt es den Forschern zufolge keine. Die Daten aus Tierstudien seien widersprüchlich.

Kaum Studien, keine Belege

Clark und Kollegen fanden ohnehin nur wenige Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen. Zehn Untersuchungen (vier an Menschen, sechs an Tieren) schlossen sie in ihre kleine Übersichtsarbeit mit ein. Eine beschäftigte sich etwa mit dem Einfluss des Plazentaverzehrs auf die Muttermilchproduktion. Sie stammt aus dem Jahr 1954 und wird gerne von Befürwortern zitiert. Von 210 Frauen, die gefriergetrocknete Plazenta aßen, berichteten 86 Prozent von einer merklich gesteigerten Milchproduktion. Doch die Studie war ohne Kontrollgruppe. Auch anderen wissenschaftlichen Standards entsprach sie nicht. Schlüsse könnten daher daraus nicht gezogen werden, das betonen auch die Forscher.

Hinweise auf schmerzlindernde Effekte gibt es zwar aus Rattenstudien, doch diese hingen unter anderem stark von der Art der Verarbeitung der Plazenta ab. Und: Auf Menschen lassen sich die Erkenntnisse nicht einfach übertragen. Nicht anders sieht es bei der Wochenbettdepression aus: Zwar sei bekannt, dass ein durch die Geburt ausgelöster Östrogenmangel bei der Entwicklung einer postnatalen Depression eine Rolle spielen könne. Doch dass der Verzehr von Mutterkuchen diesen Hormonmangel ausgleichen und damit einer Wochenbettdepression vorbeugen könne oder diese sich damit behandeln lasse, ist nicht belegbar.

Die Risiken des Plazentaverzehrs seien hingegen nicht zu unterschätzen: Die Aufgabe des Mutterkuchens ist es, den Fötus von schädlichen Einflüssen abzuschirmen. Sie hält also einiges ab, ist daher aber auch selbst nicht steril. Rückstände von Blei, Quecksilber, Bakterien und Viren wurden in der Plazenta schon nachgewiesen, betonen die Wissenschaftler. Die Auswirkungen dieser schädlichen Stoffe auf die Frauen und die Säuglinge, die gestillt werden, sind nicht bekannt. Zudem gibt es keine Standards für die Verarbeitung von Mutterkuchen. Was genau an Wirk- und Schadstoffen noch in den Pillen enthalten ist, kann keiner so genau sagen. 

lea

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