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Operation in München: Neue Arme, neues Leben

Eine Woche nach der weltweit ersten Transplantation von zwei kompletten Armen geht es dem 54 Jahre alten Patienten "den Umständen entsprechend gut". Ärzte vom Münchner Klinikum rechts der Isar berichteten von den Details des 15-stündigen Eingriffs.

Finger, Hände und Unterarme werden schon seit längerem erfolgreich transplantiert - mit der Verpflanzung von zwei kompletten Armen betraten die Münchner Mediziner jedoch Neuland. Dem spektakulären Eingriff gingen jahrelange Vorarbeiten voraus. Zwar hätten die Chirurgen bereits Erfahrungen mit der Transplantation von Rattenbeinen und in anderen Tierversuchen mit Hunden gesammelt, sagt der plastische Chirurg Christoph Höhnke, der zusammen mit seinem Kollegen Edgar Biemer die Operation leitete. Aber die komplizierte Transplantation habe man zuvor auch noch mit zwei Leichen aus der Anatomie der Klinik bis ins Detail geübt.

Dann musste noch ein männlicher Spender gefunden werden. Am Abend des 25. Juli war es soweit: Die Angehörigen eines Verstorbenen willigten in die Transplantation ein. Damit begann der Wettlauf der Ärzte mit der Zeit. Denn auch in gekühltem Zustand behält das Gewebe des Spenders ohne Durchblutung nur wenige Stunden seine volle Funktionalität. Hinzu kam, dass der Spender erheblich größer war als der Empfänger. "Wir mussten die Knochen in der richtigen Länge abschneiden", sagt der Unfallchirurg Ulrich Stöckle. "Die knöcherne Heilung wird nun der kritische Punkt sein."

Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken

Nun kommt alles darauf an, dass der Körper des Mannes die neuen Arme nicht abstößt. Dagegen muss er dauerhaft bestimmte Medikamente einnehmen, die sein Immunsystem unterdrücken. "Wir tragen eine große Verantwortung für den Patienten zeit seines Lebens", betonte Hans-Günther Machens vom Münchner Klinikum.

Bei einem Arbeitsunfall waren dem Landwirt vor sechs Jahren beide Arme abgerissen worden. Bei der gut 15-stündigen Operation waren fünf Operationsteams mit mehr als 40 Kräften im Einsatz.

Sichtlich gerührt berichtete Höhnke vom ersten Besuch der Ehefrau des 54-Jährigen nach der Operation: "Die Frau nahm spontan die Hände des Patienten und sagte: "Die sehen ja aus wie deine."

Vorerst sind die Arme noch ruhiggestellt. Nach Angaben der Ärzte wird - wegen des langsamen Wachstums der Nervenzellen - erst in knapp zwei Jahren feststehen, ob der Mann auch in den Händen wieder ein normales Gefühl haben wird.

DPA / DPA
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