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Ratgeber Alternativmedizin: Kleine Hilfe gegen Fett

Zahlreiche komplementäre Heilverfahren werden als Schlankmacher angeboten. Der magere Forschungsstand dazu: Für Akupunktur konnte noch keine Wirkung belegt werden, Hypnose kann helfen - mit überschaubaren Effekten.

Von Edzard Ernst

Zur Gewichtsreduktion werden im Bereich Komplementärmedizin ungezählte Mittel angeboten, meist Nahrungsergänzungsstoffe. Fast ohne Ausnahme halten sie nicht, was sie versprechen. Aber was ist mit den nicht medikamentösen Verfahren?

In der Tat werden zahlreiche der Methoden auch zur Gewichtsreduktion empfohlen. Klinische Prüfungen liegen jedoch nur zu zwei Behandlungsweisen vor: Hypnose und Akupunktur.

Akkupunktur enthält keine Kalorien

Gemäß der überlieferten Vorstellung der traditionellen chinesischen Medizin bringt Akupunktur die Energieströme des Körpers ins Gleichgewicht, was die Heilungsprozesse bei allen Erkrankungen erleichtern soll. Sie wird daher oft als Allheilmittel empfohlen, und es verblüfft nicht, dass viele Akupunkteure mit der Behandlung Übergewichtiger am meisten Geld verdienen. Moderne neurophysiologische Erklärungsversuche der Akupunktur stützen sich eher auf Befunde, die nahelegen, dass Akupunktur bestimmte Signalstoffe im Gehirn beeinflusst. Die sogenannten Endorphine sind gewissermaßen die "Wohlfühlfaktoren" des zentralen Nervensystems. Erhöht also Akupunktur tatsächlich den Endorphinspiegel, so ist denkbar, dass die Esslust Übergewichtiger abnimmt: Das Wohlgefühl des Essens wäre durch das der Akupunktur ersetzt - und die enthält bekanntlich keine Kalorien.

Es existieren sieben klinische Studien, die der Frage nachgehen, ob Akupunktur tatsächlich die Esslust bremst. Einige von ihnen zeigen positive Ergebnisse. Die meisten der Forschungsarbeiten sind allerdings methodisch angreifbar, und die methodisch besseren diejenigen mit negativen Ergebnissen. Ein wissenschaftlicher Beweis zur gewichtsreduzierenden Wirkung der Akupunktur steht somit noch aus.

Bewusstseinsänderung des Patienten durch Hypnose

Etwas besser sieht es für die Hypnosetherapie aus. Dabei wird eine Veränderung des Bewusstseinszustands des Patienten erzeugt, der sich durch eine Mischung aus tiefer Entspanntheit und akuter Wachsamkeit auszeichnet. Der Patient ist also in der Lage, Information aufzunehmen, und der Therapeut kann versuchen, übergewichtige Patienten davon zu überzeugen, weniger zu essen; zum Beispiel könnte er eine Aversion gegen Nahrung suggerieren. Nicht alle Menschen sind im gleichen Maße hypnotisierbar, das Verfahren klappt daher nicht bei jedem.

Auch die Ergebnisse der zahlreichen Studien zur Hypnose sind nicht völlig einheitlich, und auch hier liegt die methodische Qualität der Daten häufig im Argen. Insgesamt zeichnet sich jedoch ein statistisch abgesicherter Effekt ab - wenn auch ein schwacher: Eine Studie zum Beispiel zeigt nach 18 Monaten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von nur 3,8 Kilogramm - das sind nur etwa 50 Gramm pro Woche! Wenn Sie täglich zwei- bis dreimal eine Treppe auf und ab gehen, verlieren Sie wahrscheinlich erheblich mehr Gewicht.

Das enttäuschende Fazit: Nicht medikamentöse komplementärmedizinische Verfahren zur Therapie des Übergewichts haben nicht allzu viel zu bieten.

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