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Fragwürdige Beteiligungen: Krankenversicherer investieren Milliarden in Tabakindustrie

Ungesunde Verflechtungen: Einer Studie zufolge halten mehrere Versicherungskonzerne Aktien von Zigarettenherstellern in Milliardenhöhe. Der Grund: Reine Profitgier, so der Autor der Studie.

Der Griff ins Zigarettenregal: Krankenversicherer verdienen mit

Der Griff ins Zigarettenregal: Krankenversicherer verdienen mit

Wie passt das zusammen? Große Kranken- und Lebensversicherer in den USA, Kanada und Großbritannien investieren einer Studie zufolge Milliarden in die Tabakindustrie. Mehrere Versicherungskonzerne hielten derzeit Aktien von Zigarettenherstellern im Wert von über 4,4 Milliarden US-Dollar (3,1 Milliarden Euro), berichtete das Fachblatt "New England Journal of Medicine". Allein der britische Versicherer Prudential besitze Anteile für 1,4 Milliarden Dollar.

Prudential halte unter anderem Aktien der weltweiten Nummer zwei auf dem Markt für Tabakprodukte, der British American Tobacco (BAT) mit Sitz in London, im Wert von 871 Millionen Dollar, berichtete das Magazin. Dem Konzern gehören unter anderem die Zigarettenmarken Lucky Strike, Gauloises und HB. Der ebenfalls britische Wettbewerber Standard Life hält laut Studie BAT-Aktien im Wert von rund 641 Millionen Dollar. Sein gesamtes Portfolio an Tabak-Titeln umfasst demnach knapp 949 Millionen Dollar.

Der kanadische Versicherer Sun Life investierte laut Studie alleine 890 Millionen Dollar in den weltgrößten Tabakkonzern Philip Morris, der für die Zigarettenmarken Marlboro und L&M bekannt ist. Insgesamt halte der Versicherer Tabak-Aktien im Wert von rund einer Milliarde Euro. Der US-Versicherer Prudential Financial investierte der Studie zufolge ebenfalls in Philip Morris sowie noch in zwei weitere Tabakkonzerne einen Gesamtbetrag von rund 264 Millionen Dollar.

Studien-Autor Wesley Boyd von der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität kritisierte im "New England Journal of Medicine", die Untersuchung zeige, dass es den Versicherern nicht um die Gesundheit der Menschen, sondern lediglich um ihren Profit gehe. Obwohl es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheine, verdienten die Konzerne sowohl mit dem Verkauf von Versicherungen als auch am Gewinn der Tabakkonzerne. Gleichzeitig schlössen sie häufig Raucher von Versicherungen aus oder verlangten von ihnen höhere Gebühren.

Tabak gilt als Hauptursache für Lungenkrebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Laut Weltgesundheitsorganisation ist Rauchen Mitursache für jährlich 5,4 Millionen Sterbefälle weltweit.

AFP

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