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SARS: Hongkong will zu drastischeren Maßnahmen greifen

In Hongkong und Kanada sind erneut mehrere Menschen an der Lungenkrankheit SARS gestorben. Unterdessen wurden Forderungen laut, Passagiere aus Asien an deutschen Flughäfen vor der Einreise zu untersuchen.

Die schwere Lungenkrankheit SARS hat sich am Wochenende ausgeweitet und weltweit mehr als ein Dutzend Menschen das Leben gekostet. Unterdessen haben Kanadische Wissenschaftler nach eigenen Angaben das Genom des Virus entziffert, das für die Krankheit verantwortlich gemacht wird. Die Entzifferung könne zu einem «sicheren Diagnose-Verfahren» beitragen, sagte der Forschungsdirektor des Michael Smith Genome Sciences Centre in Vancouver, Marco Marra, nach Angaben kanadischer Medien.

Allein in Hongkong starben nach Behördenangaben am Samstag und Sonntag fünf Menschen an der ansteckenden Krankheit. Die Zahl der Toten sei damit dort auf 40 gestiegen. Auch die Neuerkrankungen hätten um 42 auf 1150 zugenommen. Todesopfer wurden auch aus Kanada (3), Singapur (2), China (2) und Vietnam (1) gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf hatte bis Samstagabend weltweit 2960 Fälle, davon 6 in Deutschland registriert. 119 Menschen waren bis zu diesem Zeitpunkt am Schweren Akuten Atemwegsyndrom (SARS) gestorben.

Hongkong plant "Fieber messen" bei Flugpassagieren

Angesichts der schnellen Ausbreitung von SARS will Hongkong drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Lungenkrankheit einführen. Bei den abfliegenden Passagieren soll nach Angaben der Gesundheitsbehörden künftig Fieber gemessen werden, um Reisende mit Symptomen aufzuspüren. Wann die Pläne umgesetzt werden blieb zunächst aber unklar. Von Hongkong fliegen jeden Monat rund eine Million Passagiere ab.

Erstmals registrierte China auch 2 SARS-Todesfälle in der Inneren Mongolei. In der 450 Kilometer nordwestlich von Peking gelegenen Stadt Hohot hätten sich 8 Menschen mit der Krankheit angesteckt, berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. In China sind offiziell mehr als 1300 Menschen an SARS erkrankt.

Umsatzeinbrüche im Flugverkehr Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific wies Berichte zurück, nach denen die Einstellung aller Flüge überlegt werde. Wegen ausbleibender Passagiere hat die Fluggesellschaft ihre Kapazität um rund 40 Prozent zurückgefahren. Malaysia Airlines kündigte die Streichung von 716 Flügen bis zum Juni an. Am stärksten betroffen seien Verbindungen nach Singapur, Hongkong und China, hieß es.

Forderung nach Untersuchung auf deutschen Flughäfen

Der CSU-Rechtsexperte im Bundestag, Norbert Geis, sprach sich in der «Bild am Sonntag» für ärztliche Untersuchungen an deutschen Flughäfen von Reisenden aus der Region Hongkong aus. Thomas Schade, Mediziner an der Flughafenklinik in Frankfurt/Main, sagte dazu laut «BamS», es sei unmöglich, 40 000 Passagiere pro Woche aus den betroffenen Ländern zu untersuchen. Da es keine SARS-Schnelltests gebe, sei die Krankheit ohnehin nicht nachzuweisen.

Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) hat keine Angst vor SARS. In einer Umfrage des Nachrichtenmagazins «Focus» sagten 41 Prozent, sie fürchteten sich vor der ansteckenden Krankheit. In Hamburg gaben Mediziner bei einem zunächst vermuteten SARS-Verdacht Entwarnung. Ein britischer Geschäftsmann ist unterdessen der sechste mögliche SARS- Fall in Großbritannien. Es sei der erste Fall eines Infizierten, der nicht im Ausland gewesen sei, hieß es.

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