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Schutzimpfung Schmerzmittel, Alkohol, Sport: Was vor und nach der Corona-Impfung zu beachten ist

Mann wird gegen Corona geimpft
Nach der Corona-Impfung mit Alkohol anstoßen? Besser nicht.
© ozgurcankaya / Getty Images
Deutschland beschleunigt die Impfkampagne. Impfzentren und Hausärzte sollen in den kommenden Wochen noch einmal einen Gang zulegen, die Impfpriorisierung bald abgeschafft werden. Was gilt es vor und nach der Impfung zu beachten? Ein Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Spritze um Spritze soll dem Coronavirus die Power genommen und ein Leben, wie wir es vor Corona kannten, zurückerobert werden. In der vergangenen Woche haben am Tag durchschnittlich rund 485.000 Menschen in Deutschland eine Impfung erhalten. Inzwischen ist mehr als ein Fünftel der Bevölkerung (23,4 Prozent) erstgeimpft, bei rund 7 Prozent ist die Impfung komplett. Und der Impffortschritt soll in den kommenden Wochen weiter vorangetrieben werden. Es wird erwartet, dass allein die Hausärzte in dieser Woche zwei Millionen Impfungen vornehmen, in der kommenden sollen es mehr als drei Millionen verabreichte Impfungen sein.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass im Laufe des Mai jeder dritte Deutsche zumindest die erste Impfung gegen Sars-CoV-2 erhalten haben wird. Die Impfpriorisierung, die zunächst eingeführt wurde, weil Impfstoff knapp war, soll in absehbarer Zeit aufgehoben werden. Gesundheitsminister Jens Spahn gab an, dass dies im Juni geschehen soll. Im Sommer, so der Plan, wolle man jedem ein Impfangebot machen.

Doch was gibt es zu beachten, wenn es zum Impftermin geht? Muss man sich am Folgetag freinehmen? Ist Sport in Ordnung? Und darf man nach der Spritze mit Alkohol anstoßen? Ein Überblick.

Worauf muss vor der Corona-Impfung geachtet werden?

Sie haben sich gerade gegen eine andere Krankheit impfen lassen? Dann sollten Sie mindestens 14 Tage warten, bevor Sie sich gegen Corona impfen lassen, empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI). Notfallimpfungen sind davon ausgenommen. Sind bei vorangegangenen Impfungen Komplikationen aufgetreten, wie beispielsweise Ohnmacht, müssen Ärzt:innen im Vorfeld darüber informiert werden. Auch Allergien müssen angegeben werden.

Wie lange ist die Nachbeobachtungszeit nach der Impfung?

Nach der Spritze heißt es warten. Bei einer Corona-Impfung wird eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 15 Minuten empfohlen. Menschen, die zu bestimmten Risikogruppen gehören, sollten präventiv bis zu 30 Minuten nachbeobachtet werden. Dazu gehören unter anderem Personen, bei denen bei einer anderen Impfung schon einmal Komplikationen aufgetreten sind oder die eine Gerinnungshemmung haben. 

Ist eine Corona-Impfung trotz akuter Erkältung möglich?

Eine kleine Erkältung macht nichts. Handelt es sich um einen Infekt mit Fieber (38,5 Grad und mehr), sollte dieser aber erst überstanden sein, bevor geimpft wird, schreibt das RKI. Diese Empfehlung gilt nicht nur bezüglich Impfungen gegen Sars-CoV-2, sondern auch bei anderen Impfungen wie zum Beispiel gegen Influenza.

Darf nach der Impfung Sport getrieben werden?

Das Robert Koch-Institut gibt an, dass sportliche Aktivitäten nach Impfungen "generell kein Problem" darstellen. Besondere Belastungen unmittelbar nach der Impfung seien jedoch "nicht unbedingt" zu empfehlen. Im Aufklärungsmerkblatt schreibt das RKI zwar: "Nach der Impfung müssen Sie sich nicht besonders schonen", es schadet aber nicht, am Impftag selbst einen Gang zurückzuschalten. Besonders Ausdauer- und Kraftsportler sollten an dem Tag aussetzen und den Körper nicht zusätzlich belasten. Treten Impfreaktionen wie leichtes Fieber auf, sollten diese erst abklingen, bevor wieder Sport gemacht wird.

Schwächen Schmerzmittel die Immunantwort?

Manche klagen nach der Impfung über Schmerzen an der Einstichstelle, andere bekommen Fieber oder Kopfschmerzen. Solche und andere Symptome nach einer Impfung sind nicht ungewöhnlich, sie zeigen, dass das Immunsystem reagiert und Abwehrkräfte gegen Sars-CoV-2 aufgebaut werden. Die Beschwerden klingen spätestens nach ein paar Tagen wieder ab. Um die Symptome abzuschwächen, greifen manche zu Schmerzmitteln wie Paracetamol, die fiebersenkend und entzündungshemmend wirken. Aber ist das sinnvoll oder beeinflusst die Einnahme dieser Mittel den Impferfolg?

Eine Aussage darüber, ob die Medikamente einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe haben, könne aktuell noch nicht getroffen werden, schreibt das RKI. Die Datenlage sei noch nicht ausreichend. Aufgrund der Erkenntnisse aus Studien mit anderen Impfstoffen gehen Expert:innen laut Robert Koch-Institut davon aus, dass eine prophylaktische Gabe von fiebersenkenden oder schmerzlindernden Medikamenten nicht empfehlenswert ist. "Aus immunologischer Sicht ist immer die prophylaktische Einnahme einer Entzündungsbremse in gewisser Hinsicht ein Spiel mit der Immunantwort und der möglicherweise dann auch etwas geringeren Immunstimulation", sagte Christian Bogdan, Direktor des Mikrologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) dem stern.

Schmerzmittel sollten erst eingenommen werden, wenn eine Impfreaktion auftritt. Allerdings, empfehlen Expert:innen, erst mindestens sechs Stunden nach der Spritze, "wenn die primären Prozesse der Immunisierung abgelaufen sind“, so der Kieler Pharmakologe Thomas Herdegen gegenüber dem "Deutschen Ärzteblatt". Er beruft sich bei seiner Einschätzung auf eine Studie, welche die Zusammenhänge einer Hepatitis-Impfung und der Einnahme von Paracetamol geprüft hat. Demnach hatte das Schmerzmittel nach sechs Stunden keinen Einfluss mehr auf die Immunantwort.

Beeinträchtigt Alkohol die Wirksamkeit der Corona-Vakzine?

Nach dem Impf-Termin auf die Spritze anstoßen, ist das eine gute Idee? Eher nicht. Es gibt zwar keine belastbaren Untersuchungen zur Wechselwirkung von Corona-Impfung und Alkohol, bekannt ist aber, dass Alkohol das Immunsystem schwächt. Er lähmt die weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle spielen bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Bereits 2015 kamen Forscher:innen bei einer Untersuchung, die in der Fachzeitschrift "Alcohol Research" erschien, zu dem Ergebnis, dass Alkohol die Immunwege auf komplexe und scheinbar paradoxe Weise störe.

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Kurz: Alkohol ist eine zusätzliche Belastung für den Körper. Der Körper muss sich um den Abbau von Alkohol kümmern, in einer Zeit, in der er Abwehrkräfte aufbauen soll. Das könnte einen Einfluss auf die Bildung von Antikörpern haben. Vor allem wenn in größeren Mengen Alkohol konsumiert wird. Uneins sind sich die Expert:innen darüber, wie lange Alkohol tabu sein sollte. Manche halten eine Abstinenz am Impftag für ausreichend, andere empfehlen eine längere Enthaltsamkeit bis zu einigen Wochen. Das RKI macht dazu online keine Angaben.

Kann man auch ohne Impfpass geimpft werden?

In dem gelben Impfausweis dokumentieren Ärzt:innen, welche Impfungen Patient:innen wann bekommen haben. Aber was ist, wenn der Impfpass weg ist? Bei einer  aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom stellte sich heraus, dass nur 51 Prozent der Befragten spontan wussten, wo sich ihr Impfausweis befindet. Die gute Nachricht: Man kann sich auch ohne Impfpass gegen Corona impfen lassen. Nach Erst- und Zweitimpfungen werden Impfbescheinigungen ausgehändigt, die Daten werden zusätzlich in den Impfausweis (wenn vorhanden) eingetragen. Ist der Impfpass verschollen, kann der Hausarzt einen neuen ausstellen und die Daten nachtragen.

Quellen: dpa, RKI, Impfdashboard

tpo

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