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Schweinegrippe: Antworten auf Ihre Fragen

Die Schweinegrippe beschäftigt Deutschland. Impfen lassen oder nicht? Das fragen sich viele. stern.de hat für Sie bei Experten nachgehakt.

Von Nina Bublitz und Lea Wolz

Immer mehr Menschen stecken sich in Deutschland mit H1N1 an. Binnen einer Woche haben sich die Fallzahlen verdoppelt. Doch viele sind verunsichert, ob sie sich impfen lassen sollen - das zeigen die Fragen, die uns zu dem Thema erreicht haben. Nutzen und mögliche Risiken der Impfung sollten Sie auf jeden Fall noch einmal mit Ihrem Arzt besprechen.

Wenn ich mich impfen lasse, kann ich dann trotzdem andere anstecken? (Christa K. aus Österreich)

Im Prinzip nicht. Zwei bis drei Wochen nach der Impfung sollte der Schutz wirken. Dann können sich die Erreger nicht mehr vermehren, auch für andere ist man dann nicht mehr ansteckend. Allerdings schützt eine Impfung nie zu hundert, sondern mindestens zu siebzig Prozent. Ein kleines Restrisiko bleibt daher, dass die Viren trotz Impfung weitergegeben werden können.

Muss man zweimal geimpft werden? (Wilhelm H. aus Leer)

Vermutlich reicht eine einzige Impfung aus, um gegen H1N1 geschützt zu sein - auch bei Kindern. Darauf deuten bis jetzt die Studienergebnisse hin. Die Europäische Arzneimittelagentur will sich zu dieser Frage aber noch einmal in den kommenden Wochen äußern.

Ist man nach einer Impfung ein Leben lang gegen die Schweinegrippe immun, oder muss diese immer wieder erneuert werden? (Andreas B. aus Geislingen)

Gegen diese Virus und leichte Varianten sollten alle, die sich impfen lassen oder schon eine Grundimmunität haben, ein paar Jahre lang immun sein. Mutiert das Virus stark, ist allerdings sehr wahrscheinlich eine neue Impfung nötig.

Ich bin 26 Jahre alt, sehr selten krank und arbeite in einem Restaurant, habe also viel Kontakt mit Menschen. Bin ich deshalb mehr gefährdet als andere? (Stephanie B.)

Wer viel Kontakt mit Menschen hat, kann sich leichter mit dem Virus anstecken. "Ich würde daher in einem solchen Fall zur Impfung raten, wenn man sichergehen will", sagt Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg.

Gibt es in den kommenden Monaten einen Impfstoff, der sowohl die Schweinegrippeviren, sowie die saisonale Influenza in einer Impfung behandelt, sodass eine Impfung ausreicht? (Thomas H.)

Nein, das ist nicht vorgesehen. "Es ist auch zweifelhaft, ob das wirklich sinnvoll wäre", sagt Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg. Ein gemeinsamer Impfstoff bräuchte zum Beispiel länger dauernde Zulassungsstudien. Zudem müssten die Produktionswege umgestellt werden. Wer sich daher gegen die Schweinegrippe und die saisonale Grippe schützen will, wird auch weiterhin zwei gesonderte Impfungen brauchen.

Ich bin 70 Jahre alt und war zum Check-Up bei meinem Hausarzt. Dabei wurde ich auch gegen die normale Grippe geimpft. Da die Schweinegrippe vorrangig jüngere Leute betrifft, riet der Arzt mir erst einmal ab, mich dagegen immunisieren zu lassen. Ist das richtig? (Ein Leser aus Frankfurt an der Oder)

Bei der saisonalen Grippe empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) vor allem Menschen über 60 Jahren, sich impfen zu lassen. Das ist bei der Schweinegrippe anders. An H1N1 erkranken vor allem jüngere Leute und Risikogruppen wie chronisch Kranke. "Wer über 65 Jahre alt ist, hat weniger zu befürchten", sagt stern.de Grippe-Experte Reinhard Berner. Ältere Menschen haben vermutlich eine Grundimmunität gegen das Schweinegrippe-Virus, da die H1N1-Stämme auch früher schon einmal um die Welt gegangen sind und das Immunsystem Antikörper dagegen bilden konnte. Da der Impfstoff knapp ist, rät die Stiko dazu, erst einmal die Risikogruppen zu immunisieren. Dann kann sich aber jeder impfen lassen, der dies will.

Kann man sich, wenn man die Schweinegrippe möglicherweise schon hatte (ungetestet), trotzdem noch impfen lassen? Sollte man vorher noch einen Test auf Schweinegrippe machen lassen? Wie lange spricht dieser Test noch einer überstandenen Schweinegrippe noch an? (Andrea aus München)

In der Tat ist es schwierig, die Schweinegrippe noch nachzuweisen, wenn die vermutetete Erkrankung länger zurückliegt. Im Prinzip müsste mit einem Test nach den Antikörpern dieses Virustyps gesucht werden. "Ein solcher Test ist in den meisten Laboren allerdings nicht möglich", sagt Reinhard Berner vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg. Im Nachhinein ist ein Nachweis daher fast ausgeschlossen. Was wiederum ärgerlich ist: Denn wer die Schweinegrippe hatte, ist gegen das Virus immun und müsste sich eigentlich nicht mehr impfen lassen. Möglich ist dies aber. Vor einer Eigendiagnose warnt Berner allerdings. Denn selbst bei den im Robert-Koch-Institut eingereichten Tests der Verdachtfälle wird schließlich nur bei gut 40 Prozent tatsächlich das H1N1-Virus bestätigt. Wer davon ausgeht, dass er die Schweinegrippe hat, sollte sich das daher unbedingt durch einen Test bestätigen lassen.

Ist der Impfstoff ohne Wirkverstärker, der voraussichtlich Ende November für Kinder und Schwangere aus Australien importiert wird, ein Spalt- oder ein Ganzvirus-Impfstoff?

"Dabei handelt es sich um einen Spaltvirus-Impfstoff", sagt stern.de Grippe-Experte Reinhard Berner. Er enthält also nur Virus-Bruchstücke und nicht ganze, abgetötete Viren. Ganzvirus-Impfstoffe, wie der für die Bundeswehr bestellte Impfstoff "Celvapan", gelten als weniger verträglich.

Wenn ich mich jetzt impfen lasse und mich kurz darauf mit H1N1 anstecke, was kann dann passieren? (Sabine R. aus Bad Hindelang)

"Dann wird man leider trotz Impfung krank, da der Impfschutz erst ungefähr nach zwei Wochen aufgebaut ist", sagt stern.de Grippe-Experte Reinhard Berner. Auch ein milderer Verlauf der Grippe sei kaum zu erwarten.

Warum hat man das H1N1-Virus nicht einfach der normalen Grippeimpfung hinzugefügt? (Stefan H. aus Lemgo)

Die Produktion des Impfstoffes gegen die saisonale Grippe war schon weitgehend abgeschlossen, als das H1N1-Virus Anfang dieses Jahres aufgetreten ist. "Das Virus der Schweinegrippe noch zusätzlich in die Impfstoffe gegen die jährliche Influenza zu integrieren, wäre auch nicht sinnvoll", sagt stern.de Grippe-Experte Reinhard Berner, da dann unter anderem neue Zulassungsstudien nötig wären. Allerdings wäre es durchaus möglich gewesen, die Impfung gegen Influenza wie die jährliche Grippeimpfung herzustellen - also ohne die umstrittenen Wirkverstärker. Davon hat die WHO allerdings abgeraten, da schnell ein Impfstoff zur Verfügung stehen sollte. Die USA haben den Impfstoff gegen H1N1 trotzdem konventionell hergestellt. "Dafür haben sie zurzeit aber noch größere Engpässe als Deutschland", sagt Berner

Meine Familie - zwei Erwachsene und ein Jugendlicher - wurden vor zwei Tagen gegen Schweinegrippe geimpft. Seither haben meine Tochter und ich starke Kopfschmerzen, allen schmerzt die Einstichsstelle. Zusätzlich bekomme ich jeden Abend Gliederschmerzen. Kommt das von der Impfung? (Michaela V.)

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die Nebenwirkungen der Impfung sind", sagt stern.de Grippe-Experte Reinhard Berner. Halten die Symptome länger an, rät er allerdings noch einmal zu einem Arztbesuch

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